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"Alternativen zum Öl" - Thema verfehlt? (25.06.2008 16:07)
"Bin ich zur falschen Zeit am falschen Ort", dachte ich am 5. Juni im Panorama-Saal der Stadthalle. Nach einigen doch interessanten Veranstaltungen des umtriebigen CDU-(Stadtverbands-)Vorsitzenden Thaddäus Kunzmann zu aktuellen Energiethemen ging ich erwartungsvoll in die Veranstaltung. Andere kannten Prof. Voss vom Stuttgarter "Institut für Energiewirtschaft und rationelle Energieanwendung" schon, sind gar nicht erst gekommen, was mir eine erste Warnung hätte sein sollen.
Doch was im Panorama-Saal geboten wurden, war ein echter Hammer. Denn eigentlich haben wir (zumindest in Deutschland) gar kein Energieproblem sondern nur ein politisches, denn an sich gibt es Energie im Überfluss. Was ich grundsätzlich bestätigen muss als Verfechter der Erneuerbaren Energien. Doch nun kamen ein paar Beispiele, die mich am Sinn der Veranstaltung zweifeln ließen. Tatsächlich: Ich habe mehrfach überlegt, zu gehen.
1.) "Die Ölressourcen sind auf dem höchsten je bekannten Niveau und haben keinen Einfluss auf den Preis!"
Gut zu wissen, dass wir zwischen Ölreserven (wirtschaftlich abbaubaren Mengen) und Ölressourcen (alle bekannten Mengen, unabhängig von der Frage des wirtschaftlichen Abbaus!!) unterscheiden müssen. Selbst die bisher überaus optimistische Internationale Energieagentur IAE machte am 9. Juli 2007 (!) weltweit Schlagzeilen, wonach sich "zunehmend deutlichere Verknappungstendenzen auf den internationalen Ölmärkten bemerkbar machen werden. Angesichts der hohen Nachfrage und der geringeren Fördermenge besteht schon ab 2010 die reelle Gefahr einer Ölknappheit" und räumt mittlerweile ein, dass wir Peak-Oil (die Förderspitze) überschritten haben. Trotz mehrfacher Bestätigung ist dies noch nicht bei allen angekommen.
2.) "Die Erneuerbaren Energien entlasten die Wirtschaft nicht, da weiterhin volle Regelenergie vorgehalten werden muss"
Voss will sagen: Weil jederzeit der gesamte Wind in ganz Deutschland plus der gesamte Photovoltaik-Strom in ganz Deutschland plus das gesamte Biogas in ganz Deutschland plus plus… - also eigentlich alles jederzeit ausfallen kann, muss die Energiewirtschaft Reserverkraftwerke in gleicher Größe vorhalten. Praxistests haben genau das Gegenteil bewiesen: Mit Hilfe intelligenter Steuerung (ist doch eine unserer legendären High-Tech-Tugenden…., dumm sind wir ja nicht) lassen sich die bekannten Systeme aufeinander abstimmen, so dass aus der Kombination aller Quellen volle Versorgungssicherheit zu gewährleisten ist! Denn die brauchen wir!
Kurios nur, dass die großen vier Energiekonzerne oft genug die effizienten Windkraftanlagen abregeln ("Netzüberlastung"!!), ihre eigenen Kohlekraftwerke in Niedersachsen aber auf vollen Touren laufen lassen...
3.) "Die Mär von der Kraftwärmekopplung, die gar nicht so effizient ist, wie sie immer dargestellt wird"
Natürlich ist die Kraftwärmekopplung - die gleichzeitige Erzeugung von Wärme + Strom mit einem Wirkungsgrad von über 90 % - nicht immer und überall nutzbar. Genauso wenig wie ich mit einem Ferrari einen 30to-Anhänger ziehen werde… Doch warum nur, frag ich mich, ist die Förderung der Kraftwärmetechnologie einer der wichtigsten Bausteine der letzten energiepolitischen Gesetze unter der CDU-Kanzlerin im Juni 2008?! Weil es um die effizienteste und nachhaltige Nutzung unserer Energieträger geht. Und da sollten irreführende Aussagen unterbleiben.
4.) "Einzig die umweltfreundliche Atomenergie hilft uns, die Energieprobleme zu lösen"
CO²-neutral ist sie ja, muss ich einräumen, aber umweltfreundlich? Nun denn, der gesamte Atomabfall deutscher Atomkraftwerke eines Jahres passe in 4 kleine "Mülleimer", die irgendwo anständig in Glas verpackt dauerhaft einzulagern, sei ja kein Problem…
Und so möchte ich meinen "Kommentar" mit einem Hinweis abschließen und jeden seine eigene Bewertung abgeben lassen:
Laut Voss sollen wir uns bezüglich der unendlichen Erneuerbaren Energien nichts vormachen: Auch die Sonne hört in 4- 5 Milliarden Jahren auf zu scheinen. Dass die Öl-, Gas- und Uran-Vorräte, wie Voss zugibt, noch 20 bis 40 Jahre ausreichen, fällt das ja nicht ins Gewicht….
PS: Wer Voss' Lehrstuhl finanziert, habe ich nicht gefragt. Doch er ist Mitglied u. a. in der Gesellschaft für Energiewirtschaft und Energiepolitik (GEE) und dem Forum für Zukunftsenergien e. V.. Wer diese Organisationen finanziert, hat kein ehrliches Interesse an dezentralen Versorgungsstrukturen, an Erneuerbaren Energien (solange sie nicht die eigenen Taschen füllen) und mehr Verbrauchermacht. Jeder mag sich selbst informieren.
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Beitrag Autor Datum
"Alternativen zum Öl" - Thema verfehlt?
Öko-Energikus 25.06.2008 16:07
CO2-neutral?
Parky 12.08.2008 18:28
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