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Tintenherz? Thema verfehlt! (17.08.2008 14:36)
Eine spannende Idee, aber Cornelia Funke hat das Thema völlig vergeigt! Schulnote 4! Bin ich der einzige, der das so sieht, dass der Kaiser keine Kleider anhat? Ich vermute, man hat nach einer deutschen Joanne K. Rowlings gesucht und keine bessere als Cornelia Funke gefunden und ihr Buch hochgejubelt – und alle jubeln mit! Ich habe vor Ärger über dieses Buch eine Nacht lang kaum schlafen können.

Zum Inhalt: das Buch spielt vor dem Hintergrund, dass man beim Lesen aus der nüchternen Realität in die Fantasiewelt eines Buches eintreten kann. Der Buchrestaurator Mo (Mortimer) kann noch mehr: er kann durch seine Erzählkunst Gegenstände und Personen aus den Geschichten in unsere Welt „lesen“. Allerdings verschwinden dafür auch Gegenstände und Personen aus unserer Welt in die Welt der jeweiligen Erzählung. So hat er vor neun Jahren ein paar Bösewichte aus einem Buch namens „Tintenherz“ von einem italienischen Autor herausgelesen, wofür unter anderem seine geliebte Frau in die Welt dieses Buches verschwunden ist. Seitdem hat er nie wieder vorgelesen, insbesondere seiner Tochter nicht, aus Angst, er könnte auch sie an irgendeine Bücherwelt verlieren. Die Bösewichte haben in unserer Welt inzwischen ihr Handwerk fortgesetzt und mit Mord, Brandstiftung und Einschüchterungen eine mafiöse Struktur aufgebaut. Ständig waren sie dabei auch auf der Suche nach Zauberzunge (Mo) und dem Buch, aus dem sie stammen. Nun erwischen sie sie schließlich und der gute Erzähler Mo, seine Tochter Meggie und andere Bücherverrückte müssen sich der Auseinandersetzung mit den bösen Fantasiegestalten stellen. Zunächst sind sie ziemlich erfolglos. Durch Gewalt, Drohungen, Verrat und die Uneinigkeit der guten Seite gelingt es den Bösen mühelos jeden Plan von ihnen im Ansatz zu durchkreuzen. Das ist ja durchaus realistisch, dass nicht ein paar gut meinende Bücherliebhaber über die bösen Jungs triumphieren, nur weil sie so nett sind, sondern dass die Fantasie im Angesicht des Schreckens versagt. Allerdings glückt den Guten auf 90 % der ca. 500 Seiten eigentlich überhaupt nichts und sie stellen sich auch nicht besonders fantasievoll an, sondern tappen in jede Falle bereitwillig hinein. Erst am Ende schafft es Meggie, die auch die Gabe der besonderen Erzählkunst hat, die Geschichte umzukehren: die Bösen werden vernichtet und stattdessen bevölkern ein Haufen Feen und sonstige Fantasiewesen die Welt. Mama ist auch wieder da, wenn auch sprachlos.

Diese Story hätte viel kürzer erzählt werden müssen oder man hätte den Kampf um die Realität und die Fantasie mit Siegen und Niederlagen auf beiden Seiten ausgestalten können. Und dann fängt der verärgerte Leser an sich Fragen zu stellen: Warum hat Mo eigentlich neun Jahre lang gewartet sich mit den negativen Seiten seiner Begabung auseinander zu setzen, wenn er doch in dieser Zeit seine geliebte Frau morgens, mittags, abends und nachts schmerzlich vermisst hat? Die Lösung der Probleme finden sie dann innerhalb weniger Tage! Wie hat er es geschafft in diesen neun Jahren nicht durchzudrehen, sondern noch eine wunderbare Tochter zu erziehen?

Die schönen Illustrationen der Autorin hauen das Buch dann auch nicht mehr raus. Irgendwann merkt man, dass sie sich wiederholen und dabei das gleiche Bild für verschiedene Orte verwendet wird. Man bekommt den Eindruck, die Zeichnungen sind am Ende des jeweiligen Kapitels nicht wegen dem Bezug zum Inhalt, sondern wegen dem noch freien Platz auf der Seite platziert worden. Die Zitate aus anderen bekannten Jugendbüchern zu Beginn der einzelnen Kapitel sind noch das Beste an dem Buch, aber da hat sich ein Huhn mit exotischen Federn geschmückt, wie es sie gerne selber hervorbrächte.

Wem das Buch gefallen hat, der sollte mal „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende lesen oder "Die Stadt der träumenden Bücher" von Walter Moers, die sich mit ähnlichen Themen beschäftigen, oder eben all die Bücher, aus denen Cornelia Funke schöne Zitate verwendet hat.
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Beitrag Autor Datum
Tintenherz? Thema verfehlt!
Tigerkralle 17.08.2008 14:36
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