Forum

  Nachrichten
Kommunalpolitik
Politik
Umwelt
Kultur
Stattzeitung aktuell
Sport
Nürtingen global
Jugend
Personalia
Verkehr
Arbeitswelt
Soziales
Geschichte
Bauen
Presseschau
Wirtschaft
Kurznachrichten
Zukunftsfähiges NT
NTegration
Veranstaltungstipp
Foto der Woche
EssBar
LesBar

  
Terminkalender
Veranstaltungen
Ausstellungen

  
Kulturtipps
Kneipentest
Bücher
Filme
Musik
Lyrik
Reisen
Hörbücher
NTouren
NThörBar
Musikmachende

  Schatzkästle
Fotogalerie
Fortsetzungsroman
Links
Was kochsch du?
Gabi Zapf (Roman)
Fundgrube
Rundschlag
Jahreszeiten
Hausmittel

  Über uns


 

  Nürtingen global
 
Auch die Heckschnärre ist ein Flüchtling - 19.3.2014
30. Ei der Heckschnärre für das Netzwerk Flüchtlingsarbeit

 

(th) Zum 30. Mal verlieh die Nürtinger SPD am diesjährigen Aschermittwoch in der Kreuzkirche ein Ei der Heckschnärre an Bürgerinnen, die aufrecht schnärrend das Nürtinger Revier verteidigen. Dabei geht es ganz und gar nicht darum, die Stadt gegen Fremde zu verteidigen, sondern die Stadt lebenswert zu erhalten. Dazu tragen die diesjährigen PrEIsträgerinnen vom Netzwerk Flüchtlingsarbeit Nürtingen bei, indem sie sich für die Belange von Menschen einsetzen, die hier um Asyl bitten.

Eröffnet und weiter umrahmt wurde der Abend von dem Duo Reggae-music von Hermann und Vincent aus Kamerun, die mit Percussion und Gesang einen Hauch von Afrika in die Kreuzkirche brachten.

Die SPD-Ortsvereinsvorsitzende Bärbel Kehl-Maurer rezitierte zunächst ein Gedicht von zwei Schülerinnen aus Rostock über das Schicksal von Arbeitsmigranten und der Bedeutung von Unterstützung, die sie von Einheimischen erhalten haben. Dies trifft genauso auf Flüchtlinge zu, die vor der Politik in ihren Heimatländern fliehen und bei uns Asyl suchen. Zu diesen Menschen bringen die Mitglieder des Nürtinger Flüchtlingsnetzwerkes ein Licht, indem sie sich darum kümmern, dass ihnen mit Rat und Tat geholfen wird und den Begriff Willkommenskultur mit Leben füllen.

Hans-Wolfgang Wetzel erzählte wieder die Geschichte der letzten Begegnung mit einer Heckschnärre im Tiefenbachtal, bevor sie vor den widrigen Lebensbedingungen in Nürtingen floh, und präsentierte das Gedicht vom Ei der Heckschnärre. Im Internet hatte er zudem ein Video entdeckt, das die Heckschnärre in Bild und Ton zeigte.

Sabine Wölfle, SPD-Mitglied im Integrationsausschuss des baden-württembergischen Landtags, ging in ihrer Laudation auf die Schwierigkeiten ein, die den Flüchtlingen in Deutschland auf ihrem Weg durch das Asylverfahren begegnen und hob die Bedeutung hervor, die die ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit des Nürtinger Netzwerkes für diese Menschen hat.

Anschließend bat Bärbel Kehl-Maurer Sarah Weber (Flüchtlingshilfe K4), Barbara Dürr (Karibuni), Ragini Wahl (Beauftragte für Flüchtlingsfragen im evangelischen Kirchenbezirk) und Rose Püschel (AK Asyl Oberensingen) auf die Bühne und überreichte ihnen mit Hans-Wolfgang Wetzel das diesjährige Ei der Heckschnärre auf einem weichen Kissen zusammen mit den Verleihungsurkunden und dem Wunsch nach weiteren guten Initiativen für die Flüchtlingsarbeit.

Welche Bedeutung die ehrenamtliche Arbeit des Netzwerkes hat, machten die abschließenden Erlebnisberichte von drei Flüchtlinge deutlich:
Komi Emile Avowlanou kam vor 15 Jahren aus Togo nach Deutschland. Seine Aufnahme in hatte Höhen und Tiefen, aber er hat sich erfolgreich eingefunden. In Plochingen hat er den Hauptschulabschluss gemacht und anschließend eine Ausbildung als Orthopädie-Techniker absolviert. Nach Anstellungen in Baden-Baden, Metzingen und Stuttgart hat er die Mittlere Reife gemacht und dann die Fortbildung zum Meister in Reutlingen und Landshut. Dabei wurde er immer begleitet von Ragini Wahl, der Beauftragten für Flüchtlingsfragen im evangelischen Kirchenbezirk. Seit dem vergangenen November ist er nun selbständiger Orthopädie-Techniker in Nürtingen im ehemaligen Schlecker in der Passage 33.
Monzer Haider ist erst seit 2012 in Deutschland, aber spricht hervorragend unsere Sprache. Er ist Kurde und hat in seinem Heimatland Syrien drei Semester Jura studiert. Zugleich hat er sich politisch engagiert, wofür er 18 Tage lang im Gefängnis war – die schlimmste Zeit seines Lebens. Daraufhin hat er sich entschieden, Syrien zu verlassen. In Deutschland hat er sich anfangs gar nicht wohl gefühlt, da er weder Deutsch noch Englisch konnte, um sich zu verständigen. Vom zentralen Aufnahmelager in Karlsruhe kam er nach einem Monat nach Nürtingen und konnte feststellen, dass die Deutschen gar nicht so verschlossen sind, wie ihm erzählt worden war. Er erhielt die Möglichkeit, Deutschkurse zu besuchen und bekam familiären Anschluss zu ehrenamtlichen Ersatzgroßeltern, was das Leben fern der Heimat viel leichter machte. Er möchte demnächst sein Jura-Studium in Deutschland fortsetzen und hofft später wieder zu seiner Familie und seinen Freunden in Syrien zurückkehren zu können.
Batiša Moustafić hat in Nürtingen schon die Grundschule besucht. Aber ihre Familie ging wieder nach Serbien. Über all die Jahre hielt sie Kontakt zu Michaela Salieri vom Arbeitskreis Leben. Als Romni hat sie in Serbien übelste Diskriminierung erlebt. Ihr Mann bekam nach der Tätigkeit für einen serbischen Arbeitgeber Prügel anstatt Lohn und wurde von ihm weiterhin bedroht. So beschloss die Familie nach Deutschland zu gehen, wo sie schwere und schöne Tage erlebt hat. Ständig verfolgt sie die Angst, wieder zurückgeschickt zu werden, obwohl ein Gericht inzwischen entschieden hat, dass sie hier bleiben können. Batiša würde gerne Dolmetscherin werden, was aber nicht einfach ist. Zunächst braucht sie eine Arbeit zum Geld verdienen und dann möchte sie eine sinnvolle Ausbildung machen. Sie wünscht sich, dass ihr Sohn normal aufwachsen, die Schule besuchen und eine Berufsausbildung machen kann, was für ihn als Angehörigen der Roma-Minderheit in Serbien nicht möglich wäre.


 


Anzeigen




Impressum
© 2004-2017 Nürtinger STATTzeitung