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  Nürtingen global
 
"Die Roma sind nicht schuld am Krieg in Syrien" - 5.5.2018
Vortrag in der Alten Seegrasspinnerei Nürtingen

  (mw) Am 15. Mai berichtet Fadil Kurtic um 19 Uhr in der Alten Seegrasspinnerei in Nürtingen über die Situation der Roma-Minderheit in Serbien und seine persönlichen Erfahrungen dort wie auch im Asylverfahren in Baden-Württemberg. Der Journalist Krsto Lazarević gibt ergänzende Informationen.

Der Flüchtlingsrat Baden-Württemberg bietet in Nürtingen in Kooperation mit dem Solifonds Perspektiven diesen Vortrag unter dem Motto „Die Roma sind nicht schuld am Krieg in Syrien“ an. Weitere Termine gibt es in anderen Städten. Auf youtube kann man kurz etwas zu dem Projekt erfahren. Unterstützt wird die Veranstaltungsreihe durch die Stiftung :do, die Rosa-Luxemburg-Stiftung und eine Vielzahl an lokalen Partnerorganisationen.

Situation von Roma in Ex-Jugoslawien

Die Situation der Minderheit der Rom*nija aus den Staaten des ehemaligen Jugoslawiens war lange Zeit ein wichtiger Fokus der Flüchtlingsarbeit in Baden-Württemberg. Doch in den vergangenen drei Jahren ist dieses Thema in den Hintergrund gerückt. Dies hat mehrere Gründe: Die ohnehin schon schlechten Chancen auf ein Bleiberecht für Menschen aus den sogenannten Westbalkanstaaten sind faktisch auf Null gesunken durch die Erklärung dieser Länder zu „sicheren Herkunftsstaaten“ in Verbindung mit den Gesetzesänderungen, die besagen, dass Menschen aus diesen Staaten nicht aus den Erstaufnahmeeinrichtung heraus verteilt werden und nicht arbeiten dürfen. So gibt es für diejenigen Personen, die seit September 2015 nach Deutschland gekommen sind, keine realistische Chance, durch Integrationsleistungen eine Bleibeperspektive zu erarbeiten.

"Hardliner-Wettrüsten der politisch Verantwortlichen"

Die andauernden Asylrechtsverschärfungen und das ständige Hardliner-Wettrüsten der politisch Verantwortlichen hat Engagierte und Aktivist*innen in den vergangenen Jahren an ihre Grenzen gebracht. Im ständigen Kampf gegen diese Zustände, gegen immer neue Verschärfungen, wurde die Situation der (immer weniger werdenden) geflüchteten Rom*nija vielfach mit Ohnmacht verfolgt. Andere Themen traten in den Vordergrund.

Ein Kontrapunkt

Diese Veranstaltungsreihe soll einen Kontrapunkt zu dieser Tendenz setzen, und das Thema wieder stärker in den Fokus rücken. Denn: Menschenrechte sind universell und dürfen nicht durch Obergrenzen eingeschränkt werden. Die offizielle und von großen Teilen der Bevölkerung geteilte Haltung, dass die Rom*nija in den Balkanstaaten auch deshalb keinen Schutz erhalten können, weil Deutschland in den letzten Jahren zahlreiche Geflüchtete aus anderen Staaten aufgenommen hat, ist nichts anderes als eine ethnisierte Obergrenze. Die Roma sind nicht schuld am Krieg in Syrien. Die Ausgrenzung, Diskriminierung und Verfolgung, die sie erleiden, dürfen nicht ignoriert werden, nur weil in den letzten Jahren viele Menschen aus anderen Teilen der Welt fliehen mussten. Schutzbedürftige Menschen aus unterschiedlichen Ländern mit unterschiedlichen Fluchtgründen dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Zu den Veranstaltungen

Hauptreferent Fadil Kurtic kam vor knapp 20 Jahren erstmals nach Deutschland und stellte einen Asylantrag, nachdem er aus politischen Gründen den Kriegsdienst im Kosovo-Krieg verweigert hatte. Nach seiner zwischenzeitlichen Rückkehr nach Serbien war er unter anderem Roma-Beauftragter seiner Gemeinde. 2016 kam er erneut nach Deutschland und stellte einen Asylantrag. Während seines Aufenthaltes kam es zum Kontakt und zur Zusammenarbeit mit dem Flüchtlingsrat Baden-Württemberg. Als Herr Kurtic nach seiner Ablehnung nach Serbien zurückkehren musste, wurde der Kontakt aufrechterhalten. Er wird über die Situation der Minderheit in Serbien und seine persönlichen Erfahrungen dort und im Asylverfahren in Baden-Württemberg sprechen.
Als zweiter Referent wird der Journalist Krsto Lazarević bei den Veranstaltungen in Freiburg und Nürtingen auftreten. Er schreibt regelmäßig für verschiedene renommierte deutsche, österreichische und schweizerische Medien (u.a. Süddeutsche Zeitung, Zeit, Die Welt, österreichisches Wirtschaftsblatt, WOZ) über Südosteuropa und ist Mitglied des Netzwerks für Osteuropaberichterstattung (n-ost).

Der Eintritt ist frei!

Zu Veranstaltungsreihe gibt es einen Flyer.

Die Veranstaltungsreihe findet an sieben Orten vom 9. bis 18. Mai statt. Wer also beim Termin in Nürtingen verhindert ist, kann auch in Esslingen oder Stuttgart die Veranstaltung besuchen.

Termine:

9. Mai, Heidelberg, 20 Uhr Stadtbücherei (Literaturcafé), Poststr. 15, in Kooperation mit dem Asylarbeitskreis Heidelberg und der DGB-Jugend Nordbaden, Facebook-Veranstaltung

 10. Mai, Freiburg, 19 Uhr Bewegungsraum, Adlerstr. 12 (Grethergelände), in Kooperation mit dem Freiburger Forum aktiv gegen Ausgrenzung, Radio Dreyeckland und das Grethergelände, Facebook-Veranstaltung

 13. Mai, Konstanz, 17 Uhr Café Mondial, Zum Hussenstein 12, in Kooperation mit Café Mondial Konstanz und dem AK Roma-Solidarität, Facebook-Veranstaltung

 14. Mai, Stuttgart, 19 Uhr Gemeindehaus Ev. Friedenskirche, Schubartstraße 14, in Kooperation mit dem AK Asyl Stuttgart, Facebook-Veranstaltung

 15. Mai,  Nürtingen, 19 Uhr Alte Seegrasspinnerei, Plochinger Str. 14, in Kooperation mit dem Solifonds Perspektiven, Facebook-Veranstaltung

 16. Mai, Esslingen, 19 Uhr Zentrum für Bürgerengagement, Schelztorstraße 38, in Kooperation mit AK Asyl Rennstraße, Freundeskreis Flüchtlinge Oberesslingen, Miteinander Bürgerengagement für Asylsuchende Esslingen Innenstadt/Weststadt., Facebook-Veranstaltung

 18. Mai, Pforzheim: 18.30 Uhr Thomasgemeinde, Karl-Bührer-Str. 5 (Haltestelle Ispringer Staffel), in Kooperation mit dem Forum Asyl Pforzheim und der Evangelischen Erwachsenenbildung Pforzheim, Facebook-Veranstaltung


 


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