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  Nürtingen global
 
Brief aus den USA - 1.2.2005

 

(Spongo) Ich heiße Jessie Schmitz und bin eine Austauschschülerin aus den USA. Ich bin seit dem 1. September 2003 in Deutschland und fliege am 16. Juli nach zurück nach Hause. Seit dem 6. Oktober bin ich auf dem Hölderlin Gymnasium, im September war ich in Gütersloh und machte einen Crashkurs in Deutsch. Ich habe meine Zeit hier in Deutschland sehr genossen und viel gelernt. Eins der wichtigen, aber auch schwierigen Dinge, die ich hier gelernt habe, ist die deutsche Sprache.

In einer früheren Ausgabe des Spongos hat Jakob Fuchs seine Erfahrungen und Beobachtungen an einer amerikanischen High School beschrieben. Sein Bericht war wirklich großartig. Da er seine Arbeit so gut gemacht hat, gibt es nichts mehr über die Schule zu sagen. Ich würde lieber einen allgemeinen Vergleich zwischen der amerikanischen Kultur und der deutschen machen. Mein Ziel ist nicht, beide zu betrachten und dann zu entscheiden, welche gut und welche schlecht ist, ich möchte dies nur tun, weil ich denke, dass es für viele von euch von Interesse sein könnte.

Der erste Punkt betrifft das Essen und die Tischsitten. Ich habe noch nie so viel Brot und Käse gegessen oder Mineralwasser getrunken wie vor diesem Jahr. Ich habe das deutsche Vesper schätzen gelernt. In meinen ersten Monaten dachte ich wirklich, dass ich nie wieder in meinem Leben ein Stück Brot ankucken könnte. Aber ich habe mich angepasst und jetzt mag ich es recht gern. Das ist ziemlich lustig, denn in den USA hat meine Mom immer Mineralwasser extra für mich gekauft. Niemand aus meiner Familie mochte es, und meine Freunde verstanden nicht, wie ich es trinken konnte. Als ich nach Deutschland kam, war ich angenehm überrascht zu sehen, wie beliebt Mineralwasser ist.

Die Tischsitten sind auch ein bisschen anders in Deutschland. Ich fand es sehr interessant zu sehen, wie die Deutschen essen. Die Gabel ist in der linken Hand und das Messer in der rechten. In den USA benützt man in vornehmer Gesellschaft die Gabel in der rechten Hand, und das Messer nur, um etwas zu abzuschneiden, danach legt man es wieder ab. Also verwendet man wirklich nur ein Werkzeug auf einmal, außer während den kurzen Momenten, in denen man etwas schneidet.

Eine interessante Entdeckung, die ich hier gemacht habe, ist dass die Leute ihre Kleidung normalerweise nicht jeden Tag wechseln. In den USA  erwarten die Gleichaltrigen zumindest in der Grundschule, dass wir unsere Jeans täglich wechseln. Falls du es nicht tust, merken sie es bestimmt und reden über dich, dass du ungepflegt bist, oder so. Inzwischen denke ich, dass wenn man jeden Tag sein komplettes Outfit in die Wäsche wirft, dies eine große Zeit-, Wasser- und Energieverschwendung ist. Ich werde auf alle Fälle weiterhin meine Jeans mehr als einen Tag tragen, bevor ich sie in die Wäsche werfe.
In den letzten paar Tagen habe ich schließlich herausgefunden, warum es in Deutschland anders als in den USA aussieht. Es sind die Häuser. Meiner Meinung nach haben deutsche Wohngebiete vier Hauptfarben: blau, grün, weiß und rot. Blauer Himmel, grünes Gras, weiße Häuser mit roten Dächern. In den USA sind die meisten Fassaden aus Ziegelstein. Die Dächer sind mit Dachschindeln bedeckt. Diese Schindeln sind kleine rechteckige Stücke Dachpappe mit aufgeklebten Steinchen und Sand. Nur wenig Leute haben Dachziegel wie in Deutschland, und wenn, dann wohnen sie gewöhnlich im Westen. Eine andere interessante Tatsache ist, dass der Kreisverkehr in den Staaten längst nicht so beliebt ist wie in Deutschland. Was mich am Anfang sehr geschockt hat war, dass erstens; Jugendliche rauchen dürfen und zweitens; dass es ihnen auf dem Schulgelände erlaubt ist. In den USA darf man erst mit 18 Jahren Zigaretten kaufen. Bei uns gibt es keine Zigarettenautomaten am Straßenrand mehr, Zigarettenfirmen dürfen überhaupt nicht mehr werben, und wenn man in einen Lebensmittelladen oder eine Tankstelle geht um Zigaretten zu kaufen, kontrolliert man an der Kasse deinen Ausweis, ob du wirklich 18 bist. In der Schule müssen die Lehrer, wenn sie überhaupt rauchen dürfen, es am äußersten Rand des Schulgeländes tun, in einem Bereich wo Schüler normalerweise nicht hingehen oder sie es nicht sehen. Ich glaube, ich habe noch nie einen Schüler, ob 18 oder nicht, auf dem Schulgelände rauchen sehen. Man macht es einfach nicht. Falls das Rauchen in einem bestimmten öffentlichen Bereich doch gestattet ist, ist die Raucherzone streng von der Nichtraucherzone getrennt. Trotz allem macht es meine eigene Mutter immer noch. Bääh.

Wenn ich auf mein Jahr in Deutschland zurückblicke, sehe ich, wie sehr ich mich auf positive Weise entwickelt habe. Mein Austausch war eine großartige Erfahrung, trotz der schwierigen Zeiten. Ich freue mich darauf, heim zu reisen und mein letztes High School Jahr zu beenden. Ich bin sehr glücklich und dankbar, dass ich an zehneinhalb Monate in Deutschland zurückdenken kann und habe tolle Erinnerungen. Danke.
 
Jessie Schmitz

Der  SPONGO ist in der Nürtinger Stadtbücherei ausleihbar.


 


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