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Gleichgültigkeit, Gewinnstreben und Interessenfilz gefährden die Natur - 10.10.2012
Karl-Heinz Frey zieht zu seinem Rücktritt als LNV-Sprecher Bilanz

 

(pm) Karl-Heinz Frey hat Ende September seine Funktion als Sprecher des Landesnaturschutzverbandes im Kreis Esslingen nach sieben Jahren niedergelegt. Neben dem Wunsch, mehr Zeit für andere sowohl private als auch naturschützerische Aktivitäten zu haben, ist vor allem die Enttäuschung über die mangelnde Berücksichtigung der Natur bei der Entwicklung unserer Gesellschaft der Grund für diesen Schritt, wie er in einer Information an die Presse erläutert.

Die Verwaltungsreform der Landesregierung unter Ministerpräsident Erwin Teufel habe den Naturschutz zur Bedeutungslosigkeit verdammt. Einerseits wurde das Fachpersonal reduziert, womit viel Fachwissen verloren gegangen ist. Andererseits wurde die untere Verwaltungsebene, die über Bauen oder den sonstigen Verbrauch von Landschaft entscheidet, zugleich Kontrollbehörde und gebietet über den Naturschutz. Als Ergebnis sei meist das Bauziel entscheidend und wenn da was stört, werde es so zurechtgebogen, dass die Grundstücksgeschäfte in jedem Falle durchgeführt werden können. Eine „Beteiligung“ von Umweltverbänden hab da zwar ein gewisses Störpotenzial, sei aber kaum ein Hinderungsgrund. So werde trotz der Bestimmungen des Wassergesetzes mancherorts immer noch ein Gewässer bis an den Rand verbaut und außerhalb der Siedlungsgebiete bis an die Uferkante gepflügt. Viele Menschen laden zudem ihren Müll, Grünschnitt und anderes an den Ufern ab. Auch in Naturschutzgebieten werde nicht die Natur an erster Stelle gesehen, sondern sei der Mensch das Maß aller Ziele. Dort werde gejagt, nachts mit Stirnlampen Schatzsuche betrieben, Mountain-Biker seien unterwegs, Pilze werden gesucht und Grillpartys gefeiert. So sei ein Schutzgebiet eher ein Freizeitpark.

Karl-Heinz Frey erklärt, dass ihm die floristische Kartierung, die er für das Naturkundemuseum in Stuttgart macht, vor Augen geführt hat, welchen Aderlass Flora und Fauna erfahren.

Unzufrieden ist Karl-Heinz Frey auch mit der Praxis der naturschutzrechtlichen Eingriffsregelung. In vielen Fällen würden Eingriffe in den Naturhaushalt schöngerechnet oder als nicht zu umgehende Notwendigkeit betrachtet. Wenn bei einer Planung nicht gerade ein besonders geschütztes Objekt nach EU-Recht vorhanden ist, könne man einen Lebensraum zerstören und woanders irgendetwas als Ausgleich machen. So seien viele Maßnahmen entstanden, die weder einer Gesamtplanung unterliegen, noch untereinander abgestimmt wurden, sondern isolierte Inseln bilden, die weder lebensfähig noch artgerecht seien. Eine Erfolgskontrolle finde schon gar nicht statt. Selbst wenn Ausgleichsmaßnahmen von einer Behörde nicht umgesetzt wurden, bestehe keine Möglichkeit, Zwang auszuüben, da zwischen den verschiedenen Verwaltungen keine der anderen weh tun wolle.

Die Beteiligung der privaten Umweltverbände finde zur Zeit unter völlig ungleichen Bedingungen statt, da die Umweltverbände weder personell noch finanziell in der Lage seien, der geballten Präsenz der Verwaltung etwas entgegenzusetzen. Um an dieser Entwicklung etwas zu ändern, wünscht sich Karl-Heinz Frey ein Klagerecht für Umweltverbände. Die Aufgabe der Kontrolle sollte mit der notwendigen finanziellen Ausstattung auf die Umweltverbände übertragen werden. Da dies aber kaum zu erwarten sei, habe er wenig Hoffnung für die Erhaltung der Artenvielfalt.

Ursachen für die mangelnde Beachtung der Natur sieht Karl-Heinz Frey unter anderem in Gleichgültigkeit und Unwissenheit - für die Mehrheit der Bevölkerung reiche es aus, wenn alles schön grün ist und die Sonne scheint. Dadurch könnten finanzielle Interessen ungehindert die Natur als eine wohlfeile Sache ohne Preisschild daran verwerten. Solange Bürgermeister im Kreistag und anderen Gremien sitzen, solange Abgeordnete oder Mitglieder der Kommunalparlamente in Unternehmen Kontrollfunktionen wahrnehmen, werde sich nichts ändern, befürchtet er. Alles sei in einem mehr oder weniger geschlossenen Kreislauf miteinander verwoben.

Trotz vieler Enttäuschungen und dem hohen Arbeitsaufwand ist Karl-Heinz Frey mit dem wenigen Erreichten zufrieden. Durch die Beschäftigung auf vielen Feldern des Naturschutzes habe er ein großes Wissen erworben. Einen Erfolg gab es nur, wenn alle das gleiche Ziel verfolgten. Dabei verweist er auf die Aichverlegung in Grötzingen. Ein weiterer Erfolg für ihn war das Bauernwald-Projekt in Nürtingen.


 


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