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Stabwechsel beim Tagestreff und der der Evangelischen Gesellschaft - 3.2.2017
Regine Glück wurde feierlich verabschiedet, Iris Maier-Strecker herzlich willkommen geheißen

  (mw) Die Abteilungsleitung „Dienste für Menschen in Armut und Wohnungnot im Landkreis Esslingen“ der Evangelischen Gesellschaft (eva), die auch den Tagestreff in der Nürtinger Paulinenstraße betreibt, hat ein neues Gesicht. Iris Maier-Strecker wurde am 30. Januar bin der Glashalle im Rathaus  Nürtingen willkommen geheißen. Regine Glück geht nach knapp zwanzigjähriger Arbeit im Tagestreff in den Ruhestand.

Sie wurde würdig verabschiedet, bevor sie den Stab der Verantwortung an Iris Maier-Strecker übergab, die bereits seit zwei Wochen von ihr eingearbeitet wurde. Viele ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Tagestreffs waren bei der sehr gut besuchten Veranstaltung zu sehen, aber auch zahlreiche Wegbegleiter, Kooperationspartnerinnen und Partner von Regine Glück, manche Gemeinderatsmitglieder und MdB Michael Hennrich. Die Ehrenamtlichen des Tagestreffs überreichten Regine Glück nacheinander verschiedenfarbige Rosen, so dass sie anschließend einen bunten Strauß in Händen hielt.

Entwicklung des Tagestreffs und der Hilfen  für arme und wohnungslose Menschen

Ende 1997 kam Regine Glück, die auch kommunalpolitisch aktiv ist, mit dem Nürtinger Tagestreff zur Evangelischen Gesellschaft eva. Auf ökumenische Initiative der evangelischen und katholischen Kirche war zuvor unter ihrer Federführung der Tagestreff konzipiert und aufgebaut worden. Dieser Tagestreff, der heute in der Paulinenstraße 16 seinen Sitz hat, ist für Menschen in sozialen Notlagen, Ausgrenzung, Obdachlosigkeit, Armut und Krankheit eine Anlaufstelle. Viele Ehrenamtliche engagieren sich dort für diese Gäste. So wird wochentags ein warmes Essen angeboten, das von Ehrenamtlichen zubereitet wird. Ab Ende 2005 leitete Regine Glück zudem die Hilfen für arme und wohnungslose Menschen im Landkreis Esslingen, insbesondere die Fachberatung, das Aufnahmehaus und das Berberdorf in Esslingen. Im Jahr 2011 bezog der zuvor in der Wörthstraße neben dem Stadtmuseum gelegene Tagestreff die neuen Räume in der Paulinenstraße. Dafür war ein Haus erworben und bedarfsgerecht umgebaut worden. Doc Martin bietet mit seiner "rollenden Praxis", einem umgebaueten Blumenlaster, dort mittwochs Sprechstunden an. Er war ebenfalls unter den Zuhörern.

„In den letzten Jahren stand das Thema Soziale Sicherheit nicht an erster Stelle der Politik“

Laudatoren hoben die Standhaftigkeit, die Hartnäckigkeit und die Überzeugungskraft von Regine Glück hervor. Eckhard Rahlenbeck, früher Sprecher des Freundeskreises des Tagestreffs, moderierte mit großem Geschick wie auch passenden Fragen und Impulsen eine Gesprächsrunde. An ihr waren der evangelische Dekan Michael Waldmann, die Sozialdezernentin Katharina Kiewel, der Leiter des "Amtes für Soziales und Sport Esslingen" Christian Bergmann sowie Jürgen Armbruster von der eva und Oberbürgermeister Otmar Heirich beteiligt. Eigentlich sei die Wohnungslosenhilfe doch eine Aufgabe der öffentlichen Hand, begann Eckhard Rahlenbeck diese Runde. Viele dieser Aufgaben könnten aber nur mit Hilfe von Ehrenamtlichen gemacht werden, die Stadt hätte nicht genug Personal dafür und wäre pleite, wenn sie alles selber tun würde, was sie tun müsste, so die Antwort von OB Heirich. Dekan Michael Waldmann stellte klar, dass Regine Glück in den vergangenen Jahren immer wieder das Problem des fehlenden Wohnraums eingebracht und angemahnt hätte. Dazu seien in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren aber falsche Schritte gemacht worden, der soziale Wohnungsbau zerschlagen worden, und fehlender Wohnraum sei heute eines der größten Probleme. Auf die Frage von Eckhard Rahlenbeck, ob denn nicht regelrecht Armutsexistenzen gezüchtet werden, indem die Kluft zwischen Arm und Reich immer gewaltiger auseinander klaffe, stellte OB Heirich fest, dass viele Jahre die soziale Sicherheit kleingeredet worden sei. Im Neoliberalismus habe es geheißen, jeder sei seines Glückes Schmied. In der Gesellschaft herrsche eine Atmosphäre der sozialen Kälte. Ein Umdenken müsse stattfinden, ansonsten ändere sich nichts. Ob es eine Chance gebe, diese Menschen wieder zum Andocken zu bringen, fragte Eckhard Rahlenbeck. Katharina Kiewel antwortete, dass einige dies schaffen könnten, viele aber nicht. Man brauche eine Weiterentwicklung unserer Regelsysteme, nicht ein Springen von Projekt zu Projekt. Michael Waldmann akzentuierte, die beste Vision sei, dass es den Tagestreff im Jahr 2030 nicht mehr brauche.

Grußworte, ein dickes Buch und der Stabwechsel

Petra Lichtenauer sprach für die Ehrenamtlichen ein kurzes Grußwort, und Eberhard Haußmann als Geschäftsführer des Kreisdiakonieverbandes ebenfalls. Martina Vorholzer von Tagestreff überreichte Regine Glück ein dickes Erinnerungsbuch, das die Hauptamtlichen wie auch die Ehrenamtlichen des Tagestreffs gestaltet hatten. Danach sprach Regine Glück ihre Worte des Abschieds und es erfolgte die Stabübergabe an Iris Maier-Strecker. Diese sprach alle Anwesenden mit „liebe Mitmenschen“ an. Bei ihrer Rede bezog sie sich wirkungsvoll auf Aussprüche von Hanns Dieter Hüsch. Am 1. Februar übernimmt sie die Leitung der Abteilung. Nach ihrem Studium arbeitete die Jugend- und Heimerzieherin sowie Sozialpädagogin einige Jahre im Christoph-Ulrich-Hahn-Haus der eva in Stuttgart-Freiberg. Danach leitete sie mehrere Jahre lang ein Wohnheim für psychisch erkrankte Menschen in Hannover. Seit Juni 2006 war sie Referentin für Sozialpsychiatrie und Behindertenhilfe beim Diakonischen Werk Württemberg. In vielfältigen Projekten engagierte sie sich vor allem für die Inklusion von Menschen mit Behinderung und psychischer Erkrankung. Mit Häppchen und Getränken klang die Veranstaltung aus.

Kommentar: Trotz der sehr guten und sachkundigen Impulse von Eckhard Rahlenbeck tönten manche Antworten so, als ob es genügend Aufnahmehäuser und Unterbringungsmöglichkeiten für Obdachlose gebe, was fast in Richtung Selbstgefälligkeit ging. Unverständlich ist, dass von diesen Professionellen die Realität in diesem Punkt nicht unverblümt dargestellt wurde oder erst nach Nachhaken des Moderators. Geht man aber mit Obdachlosen ins Ordnungsamt oder sucht für sie einen Platz in einem Aufnahmehaus, so sieht die Sache ganz anders aus. An Rufern in der Wüste hatte es aber nicht gemangelt. Regine Glück war eine davon.

Manuel Werner


 


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