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Auf Spurensuche von Reinhold Rauscher in der STATTzeitung - 21.10.2007

  (mai)

In der Gemeinderatssitzung am 9. Oktober wurde der bisherige Fraktionsvorsitzende der CDU Reinhold Rauscher auf eigenen Wunsch frühzeitig (sein Nachfolger soll sich bis zur nächsten Wahl noch gut einarbeiten) aus dem Gemeinderat verabschiedet. Von seiner Fraktion erhielt er aus diesem Anlass eine Broschüre, in der neben einigen Grußworten vor allem die Spuren, die er in der örtlichen Presse hinterlassen hat, zusammengeheftet waren. Da die Mitglieder der CDU-Fraktion früher nicht zu den regelmäßigen LeserInnen der Stattzeitung gehörten (ein Leserbrief von Thaddäus Kunzmann wurde mal im Rundschlag veröffentlicht, ich zweifle an seiner Echtheit, sehe aber einer Gegendarstellung gefasst entgegen), fehlen in dieser Broschüre die Erwähnungen des Alt-Stadtrates in unserer Papier- und Internet-Ausgabe. Das war für uns ein Anlass mal selber nachzublättern und das von der CDU versäumte hier nachzuholen.

Reinhold Rauscher wurde bei der Kommunalwahl 1980 in den Gemeinderat gewählt. Das trifft sich gut, denn auch die Stattzeitung betrat 1980 die Nürtinger Medienszene. Von der ersten Sitzung des neu gewählten Gemeinderates finden sich in der Oktoberausgabe 1980 nur ein paar Zitate, unter deren Quellen sich Reinhold Rauscher nicht befindet. Seine erste Spur findet sich erst in der Ausgabe vom Juli/August 1981 in dem Bericht über eine Podiumsdiskussion über die Entwicklung des Rechtsextremismus in Deutschland, an der er für die CDU teilgenommen hatte, nachdem im April die NPD in der Nürtinger Stadthalle einen Parteitag veranstaltet hatte. Befragt nach der Meinung, was er von dem Eingangsreferat „Ist die NPD eine faschistische Partei?“ halte und warum man nicht für mehr negative Öffentlichkeit gesorgt habe heißt es in dem Bericht: „Nicht die Meinung der CDU, sondern seine ganz eigene, persönliche Meinung vertrat Herr Rauscher (am Stammtisch jedoch, so Rauscher, hätte er wieder eine andere Meinung). Wie Bachofer* distanzierte er sich von den Zielen der NPD. Ein Verbot, so Rauscher, könne jedoch nur das ‚unabhängige Bundesverfassungsgericht’ erlassen. Außerdem dürfe man sich, wenn man über den Faschismus aufklären wolle, nicht nur auf Aktionen gegen einen Parteitag beschränken.“ Die zweite Diskussionsrunde beschäftigte sich mit der Frage, ob die Stadt Rechtsradikale unterstütze bzw. Linksradikale juristisch schärfer verurteile. „Herr Rauscher pries anfangs die vollkommene Unabhängigkeit der Richter an (schließlich wäre der Herr Filbinger ja auch verurteilt worden), kam dann über ‚man soll dem nachgehen’ und ‚’es mag ja sein, da? Unterschiedlich bewertet wird’ zu ‚es ist durchaus vorstellbar, da jeder Richter seine eigene Wertvorstellung hat’.“
* Alfred Bachofer, damaliger Oberbürgermeister

Die nächste namentliche Erwähnung in der Stattzeitung findet Reinhold Rauscher im März 1984 (die Stattzeitung hat damals nicht regelmäßig aus dem Gemeinderat berichtet und konzentrierte sich mehr auf die Inhalte, als auf die Namen), hier prägte er aber schon die Zwischenüberschrift „berauschende Vorstellungen“. Es ging um den Satzungsbeschluß für den Bebauungsplan Roßdorf III, für den weiter in den Wald eingegriffen wurde. „Ungewohnt mutig zeigte sich Reinhold Rauscher, der im Alleingang gegen seine CDU-Fraktion stimmte. Sehr erfreulich sollte man denken. Hört man allerdings seine Begründung, so passt diese alsbald wieder in das Bild, das man sich von einem CDU-Stadtrat macht. Der Wald ist ihm nämlich ziemlich egal, nur wird seiner Meinung nach in die falsche Richtung gebaut. Er sähe es lieber wenn vom Roßdorf aus in Richtung Enzenhardt gebaut würde, um diese beiden Stadtteile enger aneinander anzubinden.“ Den Gedanken griff er offenbar bei der Diskussion über die Schließung des Co-op im Enzenhardt wieder auf. „Stadtrat Rauscher (CDU) konnte bei dieser Gelegenheit wieder sein Lieblingsthema ins Gespräch bringen, nämlich die umwerfende Idee, das Roßdorf und das Enzenhardt über das Humpfental und die Obstbaumwiesen zusammenzubauen. Sein Gedanke dabei war wohl, daß ein zahlenmäßig größerer Stadtteil sich für einen Lebensmittelhandel wieder lohnen würde.“ (Januar 1986)

Auch im Dezember 1985 konnte man eine von Reinhold Rauscher inspirierte Unterüberschrift zu den Frauenkulturtagen lesen „Aber bitte ohne Konfrontation“. „so brachte allein das Wort ‚Frauenkulturtage’ den Nürtinger Reinhold Rauscher (CDU) in Gemütswallungen; für ihn steckt in diesem Wort eine ‚kämpferische Note’. Er bedauerte, diese unabhängige und spontane Frauengruppe nicht zu kennen, denn so fehlten ihm die ‚’Hände und Füße’’  der Gruppe. Ohne dies sei er sich über die Tendenz dieser Veranstaltungsreihe nicht im Klaren. Sollten etwa nur Frauen angesprochen werden? Sollte das ganze etwa in Richtung Konfrontationskurs gegen den Mann gehen? Diese von ihm ausgesprochenen Befürchtungen veranlassten ihn, zurückgreifend auf ‚Adam und Eva’ vor einer solchen Konfrontation zu warnen. Es führe nur zum Aussterben der Menschheit und wenn er dann noch an den § 218 denkt, ist die Menschheit vollends verloren.“

Bei der Diskussion über die Bezuschussung von Kulturinitiativen angesichts der Frage, warum trotz Gleichberechtigungsprinzips die Stadtkapelle und das Kammerorchester unverhältnismäßig viele Zuschüsse bekommen „konnte Stadtrat Rauscher (CDU) nur die dürftige Antwort geben ‚Das ist halt so gewachsen’“. In der weiteren Debatte räumte er ein, dass es „’begrüßenswert wäre, wenn alternative Projekte gestartet würden’“ (März 1986). Das Gleichberechtigungsprinzip bei der Kulturförderung behielt er auch weiterhin im Auge „Er wollte nun nämlich nicht einsehen, warum das Hexenhaus 2000 DM weniger bekommen sollte als der Coro*. Deshalb forderte er, wohl mehr aus Prinzip und weniger aus inniger Liebe zum Hexenhaus e.V.**, diesen ebenfalls mit 6000 DM zu fördern.“ (Februar 1987)
*coro per resistencia
** Forum für Kunst und Gestaltung in der Lampertstraße

Um den Kulturfonds ging es im April 1987. Laut Bericht aus der Sitzung des Hochbau- und Kulturausschusses „kam Rauscher nun auf die Idee, mit diesem Geld ein Cembalo, das künftig in der Kreuzkirche erklingen soll, zu finanzieren. … Zwar ist ein Cembalo wohl auch ein Gerät zur Vermittlung von Kultur. Die etwa 20.000 Mark, die im Kulturfonds noch übrig sind, wurden aber durch einen Beschluß des Gemeinderates Anfang dieses Jahres ausdrücklich für nichtstädtische Kulturträger zur Verfügung gestellt. Die Kreuzkirche wird jedoch von der Stadt betrieben.“

In diesem Jahr trat auch der Kinderhaus e.V. erstmals an die Stadt mit der Bitte um Zuschüsse heran. „Stadtrat Rauscher (CDU) griff Beckers* Hinweis auf, dass Nürtingen mit genügend Kindergartenplätzen versorgt sei. Auch für Eltern, die beide berufstätig seien, wäre mit dem Kindertagheim eine Alternative zum Kindergarten vorhanden.“ (Juni 1987)
* Bürgermeister Becker, Vorvorvorgänger von Rolf Siebert

Im nächsten Jahr ging es um zusätzliches Personal für das Kinderheim. „Daß die Mehrkosten allerdings sinnvoll verwendet wären, schien Reinhold Rauscher (CDU) trotz des vorangegangenen Informationsbesuchs nicht verstanden zu haben. … Seiner Meinung nach müsse in Konfliktsituationen zwischen Kindern nicht immer jemand da sein, um einzugreifen, da es wichtig sei, dass Kinder lernen, ihre Konflikte selbst auszutragen. So könne soziales Verhallten erlernt werden.“ (April 1988)

Nach der Sommerpause des Jahres 1988 blieb Reinhold Rauscher gemeinsam mit SPD und Grünen bei seiner Ablehnung eines verkaufsoffenen Adventssonntags, während die restliche Mehrheit des Gemeinderates genau dieses beschloss. (Oktober 1988). So war es wohl auch 1991, aber „Kirchengemeinderat Reinhold Rauscher (CDU), der ergreifend gegen den Vorschlag predigte, hat schon recht, wenn er einräumt, dass mit diesem Votum nicht der Untergang des christlichen Abendlandes eingeläutet wird.“ Und brachte es damit auch in die Überschrift zu diesem Artikel. (August/September 1991)

Im Januar 1991 wurde beschlossen, eine erforderliche Brandschutzdecke zwischen den Veranstaltungsräumen des Clubs Kuckucksei und den Räumen des Freien Kinderhauses im ersten Stock einzubauen. „Nur Stadtrat Rauscher wunderte sich lauthals über die überraschende Stimmungsänderung zugunsten des Kinderhauses, die seiner Meinung nach nicht begründet ist.“ (Februar 1991)

Dann war es lange Zeit still, nicht um Reinhold Rauscher, sondern um die Stattzeitung. Im Oktober 1993 kam die letzte gedruckte Ausgabe heraus – und im Juli 2004 feierte die Stattzeitung im Internet ihre Auferstehung – und Reinhold Rauscher war immer noch im Gemeinderat und zwar nun als Fraktionsvorsitzender der CDU, der, inzwischen Großvater geworden, sich nun für die Entwicklung der Kinderbetreuungseinrichtungen einsetzte.

Am 8. Dezember konnte über seine Rede in der Generaldebatte zum Haushalt 2005 berichtet werden: „Reinhold Rauscher (CDU) ersparte den Zuhörern eine Analyse der Ursachen für die schwierige Haushaltssituation aus seiner Sicht und Seitenhiebe auf die Verantwortlichen auf anderen politischen Ebenen und in anderen politischen Lagern. Er forderte aber die Verwaltung auf, sich für ein Mitspracherecht der Kommunen im Gesetzgebungsverfahren einzusetzen, ähnlich dem Bundesrat auf nationaler Ebene.
Um trotz der schwierigen Ausgangslage ohne neue Kreditaufnahme auszukommen befürwortet Rauscher Kürzungen im städtischen Leistungsspektrum, ohne genau zu sagen wo. Stattdessen forderte er die Verwaltung auf seine Vorstellungen zu konkretisieren. Bei zurückgehender Bautätigkeit und zurückgehenden Kinderzahlen sieht er aber die Möglichkeit in den entsprechenden Bereichen der Verwaltung das Personal zu reduzieren. Außerdem sollen Gebäude, die nicht für städtische Aufgaben benötigt werden, verkauft werden. Er sieht für das Haushaltsjahr 2005 zusätzliche Aufgaben für die Stadt. So soll ein Leitbild für Nürtingen entwickelt werden und in einer Zukunftswerkstatt ein City-Marketing-Konzept entstehen. Wichtig ist der CDU auch die Betreuung von unter drei Jahre alten Kindern und der Erhalt, aber nicht die Erweiterung des kulturellen Angebotes. Besonders originell ist Rauschers Vorschlag, 1-Euro-Jobs für die Wahrung von Sicherheit und Ordnung einzurichten. Ein Gackern machte die Runde: 1-Euro-Sheriffs auf Streife?“

Im nächsten Jahr lagen Stolpersteine auf dem Weg der Haushaltsverabschiedung. Bevor es zur Generaldebatte kam, verkündete der OB, dass ein Antrag vorliegt, den Haushaltsentwurf ohne Beratung in den Ausschüssen an die Verwaltung zurückzuverweisen, um erstmal einen Vorschlag zum Ausgleich des Defizits im Verwaltungshaushalt von 2,2 Millionen Euro vorzulegen. „Das Lachwort im Publikum war deshalb jedenfalls, daß die CDU künftig 'unpopuläre Einsparungen mittragen' würde, was Reinhold Rauscher (CDU) verkündete. In den letzen Sitzungen war davon, wie gesagt, nämlich nicht sehr viel zu spüren.“ (23.11.2005)

Den Sprung in den Nürtinger Rundschlag der STATTzeitung schaffte Reinhold Rauscher Anfang 2006 dank seiner Eigenheit, sich leidenschaftlich zu Wort zu melden, auch wenn er gar nicht an der Reihe ist, insbesondere beim verbalen Ballspiel mit Peter Rauscher (NL/G).  "Es war haarstäubend. Eigentlich war Frau Kehl-Maurer mit einem Redebeitrag an der Reihe, sie kam aber nicht die Bohne zu Wort, denn die beiden Rauschers von der CDU und von der Nürtinger Liste / Grüne lieferten sich ein lautstarkes Wortduell. Weil das nicht die ersten Störungen der Herren an diesem Abend waren und der OB schon mehrfach mahnende Worte sprach, platzte ihm der Kragen. Er erteilte den Störenfrieden eine Rüge und drohte ihnen "Wenn Sie nicht aufhören, werden Sie an der nächsten Sitzung nicht teilnehmen. Alle beide". "

Im Juli 2006 warf das Opern Air des Jahres 2007 seinen Schatten voraus. “In der Debatte machte Reinhold Rauscher von der CDU gleich eingangs deutlich, dass ein Zuschuss in der beantragten Höhe angesichts der angespannten städtischen Haushaltslage nicht machbar sei und sprach sich stattdessen für einen Sonderzuschuss von 16.750 € aus, der damit immer noch über den Mitteln von 2005 läge.“, was dann auch so beschlossen wurde (4.8.2006)

Noch vor einem knappen Jahr diskutierte der Gemeinderat über die Bildung eines Sonderausschusses für die Wahl eines Stadtbaumeisters. „Reinhold Rauscher hatte sachlichere Erklärungen parat, der VA wäre mit der Anhörung von acht Bewerbern zeitlich überfordert.“ und so wurde der Sonderausschuss gebildet. (25.10.2006)

Hin und her gerissen war man anscheinend beim neuen Anstrich des Marktbrunnens „Reinhold Rauscher (CDU) und seine Fraktion könnten mit der grünen Farbe leben und vertrauen den Fachleuten, wollen aber emotional nicht recht von dem bisherigen "eleganten" Grau des Brunnens loslassen.“ (06.02.2007)

Die bisher letzte Erwähnung vor seiner Verabschiedung fand Reinhold Rauscher in der Stattzeitung am 10. Juni dieses Jahres, nachdem er sich im Gemeinderat nicht an die abgesprochene fraktionsweise Reihenfolge der Redebeiträge zur Neubebauung des Schöll-Areals gehalten hatte.


 


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