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Peter Härtling wird 75 - 8.11.2008
Herzlichen Glückwunsch!

  (mw)

Am 13. November feiert der Nürtinger Ehrenbürger Peter Härtling seinen 75sten Geburtstag. Peter Härtling gehört zu den wichtigsten und populärsten deutschsprachigen Autoren der Gegenwart. Zu seinem umfangreichen literarischen Werk zählen Gedichte, Kinderbücher, Erzählungen, Romane und Essays. Peter Härtling wurde mit vielen Auszeichnungen bedacht.

Am 13. November 1933 erblickte Peter Härtling in Chemnitz das Licht der Welt. Seine Kindheit verbrachte er in Hartmannsdorf. 1942 übersiedelte die Familie nach Olomouc (Ölmütz). Dort, im "Protektorat", machte sich sein Vater als Rechtsanwalt, der auch Juden und Tschechen vertrat, bei den NS-Behörden unbeliebt, war auch nicht begeistert, dass sein Sohn die Parolen des Jungvolks aufsog. Sein tschechischer Onkel Beppo war im Widerstand gegen die deutschen Okkupanten, hatte den Pimpf aber dennoch gern. Von Olmütz flüchtete die Familie 1945 nach Zwettl in Niederösterreich. Dort erlebte Härtling den Einmarsch der Roten Armee. Sein Vater starb kurz darauf im russischen Kriegsgefangenenlager Döllersheim. Seine Mutter Erika Härtling wurde von einem russischen Offizier vergewaltigt, seine Schwester musste das mit ansehen und ist zeitlebens dadurch traumatisiert.

Härtling flüchtete mit seiner Mutter, Schwester, Großmutter und Tante über viele Stationen weiter nach Westen – Endstation Nürtingen. Dort brachte sich seine Mutter im Oktober 1946 um ihr Leben, ihr Sterben dauerte Tage, sie ist auf dem alten Friedhof am Neckar begraben. Peter Härtling erlebte in Nürtingen wenig Schönes. Er wurde anfangs oft als unerbetener Flüchtling behandelt, als Fremdling. Aber er fand Unterstützung: den Lehrer Erich Rall, den Pfarrer Martin Lörcher und vor allem Hildegard und Fritz Ruoff. Von Anfang an empfand er Nürtingen als wenig lernfähig aus der Nazizeit, musste aber auch sich selbst mühsam vom braunen Unrat befreien, was ihn dann wiederum von Nürtingen entfremdete. Sein väterlicher Freund Fritz Ruoff hatte als Kommunist unter den Nürtinger Nazis gelitten, fühlte sich in Nürtingen seitdem auch fremd. Peter Härtling kam "mit den Lehrern nicht zurecht, die ihren Dienst versahen, wie sie das seit den Nazis gewohnt waren". Wegen mancher Lehrer, deren braune Haltung ihm unerträglich war, die ihn provozierten und ihm die Perspektive nahmen, vor allem dem Lehrer Pönitz („Frosch“), verließ er im Winter 1951 das Nürtinger Gymnasium (heute Max-Planck-Gymnasium). Die ersten Olmützer Trachten sah er auf einem Heimatabend. Als Peter Härtling äußerte, in Olmütz habe doch niemand diese Kleidung getragen, erhielt er ob dieser Wahrheit erboste Reaktion. Nach einem kurzen Aufenthalt in der Bernsteinschule HAP Grieshabers arbeitete er zuerst beim Greiner. Dann machte er ab August 1952 ein Volontariat bei der Nürtinger Zeitung.

1953 erschien „poeme und songs“ bei Bechtle in Eßlingen. Glücklich hielt er diese erste Veröffentlichung in seinen Händen. 1954 verließ Peter Härtling nach Beendigung seiner Volontariats Nürtingen und wurde Redakteur bei der Heidenheimer Zeitung. Weitere Stationen waren die „Deutsche Zeitung“, die Zeitschrift „Der Monat“ und der „S. Fischer-Verlag“ in Frankfurt. Seit 1973 arbeitet Peter Härtling als freier Schriftsteller. Politisch unterstützte er aktiv den Wahlkampf Willy Brandts (SPD). Er beteiligte sich am Widerstand gegen die „Startbahn West“ am Flughafen Frankfurt. In dieser Zeit entstand auch die Nürtinger STATTzeitung und natürlich findet sich damals ein Interview mit Peter Härtling zu diesem Thema in der STATTzeitung. Peter Härtling engagierte sich zeitlebens dagegen, dass Menschen fremd gemacht werden, gegen Gewalt und Krieg. In einem großen Teil seines literarischen Werkes – sowohl in der Lyrik als auch in der Prosa – thematisierte er die Aufarbeitung der NS-Geschichte und der eigenen Vergangenheit sowie soziale Inhalte, und immer wieder Fremdsein und Heimat. Ein Beispiel dieser Auseinandersetzung ist sein Werk „Der Wanderer“, Luchterhand, Hamburg; Zürich 1988, das in der STATTzeitung rezensiert ist. In der STATTzeitung findet sich auch eine Stellungnahme zur Verleihung der Ehrennadel an Walter Staffa. 2004 wurde Peter Härtling trotz des Widerstands vor allem der „Freien Wähler“ Ehrenbürger der Stadt Nürtingen. Diese unguten Geburtswehen fochten ihn nicht an, dankbar und freudig nahm er diese höchste Auszeichnung der Stadt an.

Peter Härtling war von 1998 bis 2006 Präsident der Hölderlin-Gesellschaft. Neben der Lebensgeschichte Friedrich Hölderlins widmete er sich in Veröffentlichungen Wilhelm Waiblinger und E. T. A. Hoffmann sowie der Komponisten Franz Schubert und Robert Schumann. Er ist Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz, der Akademie der Künste von Berlin und Brandenburg und der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt. Peter Härtling ist Namengeber für 16 Schulen, darunter auch einer in Nürtingen.

Herzlichen Glückwunsch, Peter Härtling!

Biografie, Bibliografie, aktuelle Termine: http://www.haertling.de


 


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