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  Politik
 
Businesskrieg im Kongo - 15.11.2010
Vianey Mushegera sprach in der Alten Seegrassoinnerei

 

(th) Bereits 24-mal beschäftigte sich eine Veranstaltung der Nürtinger Friedenswochen mit der Situation im Kongo. Aber zum ersten Mal sprach in diesem Jahr ein Kongolese über das Thema. Vianey Mushegera stellte die Frage, ob es sich bei den Kämpfen in dem zentralafrikanischen Staat um einen „Bürgerkrieg oder Businesskrieg“ handelt. Zunächst erklärte er den Zuhörern und Zuhörerinnen in der Alten Seegrasspinnerei die aberwitzige Entstehung des Staates Kongo. Das Gebiet war auf der sogenannten Kongo-Konferenz von 14 europäischen Staaten 1884/85 in Berlin dem belgischen König als Privatbesitz zugesprochen worden. In dem Gebiet wurden damals 70 % der Industriediamanten und andere Rohstoffe gefördert, wodurch Belgien zu einem der reichsten Länder der Welt wurde. Die kongolesische Bevölkerung wurde mit Gewalt zur Arbeit in den Minen et c. gezwungen. In den ersten Jahrzehnten der königlichen Herrschaft kam etwa die Hälfte der einheimischen Bevölkerung um. Diese unmenschlichen Verhältnisse führten zu massiven Protesten in Belgien, die dazu führten, dass der König 1908 den Kongo für 200 Millionen belgische Franc an den belgischen Staat verkaufte. (Der Kongo blieb bis zum Jahr 1960 belgischen Kolonie).

Seit Jahren ist das Land Schauplatz blutiger Auseinandersetzungen, zu deren grauenhaften Auswüchsen systematische Vergewaltigungen, der Einsatz von Kindersoldaten und hunderttausende Flüchtlinge gehören. Wenn man die Definition von Bürgerkrieg z. B. bei Wikipedia liest, dann trifft die Beschreibung „bewaffneter Konflikt auf dem Gebiet eines einzigen Staates zwischen mehreren inländischen Gruppen, häufig unter Einmischung ausländischer Mächte“ genau auf die Situation im Kongo zu. Aber die Ursachen eines Bürgerkrieges („Die Gründe dafür können politischer, ethnischer, religiöser oder auch sozialer Natur sein. In einigen Fällen erstreben die Aufständischen die Herrschaft über das Staatsgebiet, in anderen die Abtrennung bzw. Autonomie eines Teils des Gebietes“) fehlen hier. Wie Vianey Mushegera betont, will dort niemand die Regierung absetzen.

Die Konflikte konzentrieren sich auf die Minenregionen in Ost-Kongo, in denen insbesondere Gold, Wolfram, Coltan und Zinn, wichtige Rohstoffe für unsere High-Tech-Konsumgeräte und Spitzentechnologie, gefördert werden. Für Vianey Mushegera ist daher klar, dass im Kongo ein Businesskrieg herrscht. Als Akteure identifiziert er neben der Regierung und den Milizen auch die UNO, Nachbarstaaten, multinationale Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen. Die Regierung beschreibt er als notorisch korrupt, die eine Willkürherrschaft ausübt, in der Verbrecher straffrei bleiben, wenn sie die richtigen Verbindungen oder genügend Geld einsetzen, und die eine Armee unterhält, die die Bevölkerung nicht verteidigt, sondern unterdrückt. Die UNO hat ihre Präsenz seit 1999 von 500 Beobachtern auf 16.200 Blauhelmsoldaten ausgeweitet. Aber Vianey Mushegera misstraut ihnen und ihrem Auftrag. So sei ihre Rolle bei einem Massaker im Jahr 2003 in Ituri unklar, es wird behauptet, sie hätten Verbindungen zu den von Uganda unterstützten LRA (Lords Resistance Army) -Rebellen und UNO-Soldaten seien am illegalen Waffen- und Rohstoffhandel beteiligt. Sie sorgen eher dafür, dass die bestehende Situation erhalten bleibt, als dass die staatliche Souveränität des Kongo wieder hergestellt wird. Die Nachbarstaaten, insbesondere Ruanda und Uganda unterstützen die Milizen der LRA, FDLR (Demokratische Kräfte zur Befreiung Ruandas) et c.. Sie fördern Bodenschätze im Kongo und bekriegen einander auf kongolesischem Boden. Die multinationalen Unternehmen kaufen ohne erkennbare Skrupel kongolesische Rohstoffe von unrechtmäßigen Besitzern und betreiben dafür Vertretungen in Kigali (Ruanda) und Kampala (Uganda).

Vianey Mushegera ist stolz darauf jetzt in einem Land zu leben, zu dessen Grundsätzen es gehört, dass die Würde des Menschen unantastbar ist. Im Kongo ist man meilenweit davon entfernt. Die Würde der Menschen spielt gar keine Rolle. Die Menschen sind nur Mittel zum Zweck der billigen Rohstoffbeschaffung für Handys, Computer et c., sie sind die verachteten und betrogenen Opfer.


 


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