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  Politik
 
Vermummte störten Deutschen Kreis - 10.3.2009
Nürtingen beschäftigt Verfassungsschutz wie Staatsschutz

 

(mw) Etwa 30 Vermummte haben am Abend des 19. Februar in Nürtingen eine Versammlung des Vereins „Deutscher Kreis von 1972“ im „Blauen Salon“ des Hotels Pflum gestört. Zunächst durch Sprechchöre und Plakate, danach drangen mehrere der Vermummten in das Hotel an der Steinengrabenstraße ein, wurden dann aber von dort Anwesenden wieder ins Freie gedrängt. Andere der Vermummten schlugen drei Fensterscheiben ein. Einige Mitglieder des "Deutschen Kreises" gaben an, unter Atembeschwerden durch Reizgas zu leiden, das nach dem Zerschlagen der Fensterscheiben in den Raum gesprüht worden sei. Nach Polizeiangaben entstand dabei ein Sachschaden von 2000 Euro. Nach dem Zwischenfall konnte die Versammlung, an der etwa 35 Menschen teilnahmen, fortgesetzt werden und Jutta Retz von der „Deutschen Partei - Die Freiheitlichen“ (DP) referierte weiter.
Die sofortige Fahndung nach den Vermummten blieb offensichtlich erfolglos. Die einen – der „Deutsche Kreis“ -  beschäftigen schon seit langem den Verfassungsschutz, die anderen nun wegen Landfriedensbruch den Staatsschutz, der gegen die Vermummten ermittelt.

Die Vermummten

Der Esslinger Polizeisprecher Fritz Mehl geht von Tätern aus der linken Szene aus: "Das ist eine lokale Auseinandersetzung".
Das Webangebot "Indymedia Linksunten" - ein partizipatives Nachrichtenportal aus der in autonomen Gruppen organisierten radikalen Linken - berichtet über „knapp 70 anwesende Gegen-DemonstrantInnen“. „Sehr erfolgreich“ sei dabei „die Zusammenarbeit von Autonomen Antifaschisten, Anwohnern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu werten“. Es habe eine „kurze, lautstarke und entschlossene Spontan-Demonstration aus der Innenstadt direkt vor den Veranstaltungsort“ gegeben, dabei sei „versucht worden, den antifaschistischen Protest auch direkt in das Hotel zu tragen, wobei es zu einer Rangelei zwischen den AntifaschistInnen und den Nazis“ gekommen sei. Bei dem Treffen seien „knapp 50 Nazis im Alter von 20 - 90 Jahren anwesend“ gewesen. Ein Video hierzu sei in youtube zu sehen.

Der „Deutsche Kreis“
 
Der „Deutsche Kreis von 1972 e.V.“ besteht seit dem 20. November 1973. Seinen Sitz hat er in Nürtingen. Die Aktivitäten des Vereins bestehen in monatlichen Zusammenkünften in Form von Vortrags-Veranstaltungen mit hauptsächlich rechtsextremen Referenten. Der Nürtinger Dr. Rolf Kosiek, ein einschlägig bekannter rechtsextremer Multifunktionär und Netzwerker, ist seit 2001 Erster Vorsitzender. Frühere Erste Vorsitzende waren bis 1984 Dr. Gustav Jonak, danach Studiendirektor Götz Eberbach. Im Hotel Pflum trifft sich der „Deutsche Kreis“ traditionsgemäß seit langem. Der Inhaber Werner Pflum ist für die "Freien Wähler" im Gemeinderat. Bis weit in die 90er-Jahre erschienen in der Nürtinger Zeitung zweispaltige Pressemeldungen über den Inhalt der Vorträge. Vom Verfassungsschutz ist der „Deutsche Kreis“ als rechtsextreme Vereinigung eingestuft und findet sich sogar in dessen Publikation "Rechtsextremismus".

Der Vorsitzende des „Deutschen Kreises“ Rolf Kosiek

Dr. Rolf Kosiek ist ein Multifunkionär im rechtsextremen Netzwerk. Er wohnt in Nürtingen. Nach seinem Ausschluss aus dem Staatsdienst auf Grund des Radikalenerlasses im Jahr 1980 arbeitet er beim rechtsextremistischen „GRABERT-Verlag“/„Hohenrain-Verlag“, mehrfach wurden Bücher aus den Verlagsprogrammen wegen Volksverhetzung, Beleidigung, und Verunglimpfung Verstorbener eingezogen oder indiziert.
Rolf Kosiek gehört dem Führungskreis der im Jahr 2000 von bekannten Rechtsextremisten gegründeten „Deutschen Studiengemeinschaft“ (DSG) an. Vorsitzender der mit der DSG eng vernetzten "Gesellschaft für freie Publizistik" (GfP), Oberboihingen, die nach Einschätzung des Bundesamtes für Verfassungsschutz „die mitgliederstärkste rechtsextremistische Kulturvereinigung in Deutschland“ ist, war er von 1991 bis 2005. Seit 2005 ist er stellvertretender GfP-Vorsitzender.
Er war bzw. ist Vorstandsmitglied des von Walter Staffa geleiteten „Deutschen Seminars", sitzt im Beirat der rassistischen, von dem Holocaust-Leugner Jürgen Rieger geführten Gesellschaft für biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung (GbfAEV), ist Mitglied des „Witikobundes“, und weiteren einschlägigen Organisationen. Kosiek war von 1968 bis 1972 Landtagsabgeordneter der NPD in Baden-Württemberg, von 1973 an im NPD-Bundesvorstand und 1977 stellvertretender NPD-Vorsitzender in Baden-Württemberg. Kosiek galt als einer der Chefideologen der Partei. Seit 2006 setzt er sich für die NPD-Denkfabrik Dresdner Schule ein, die sich in Abgrenzung zur Frankfurter Schule um Max Horkheimer und Theodor W. Adorno versteht und "den Multikulturalisten und Umvolkern den politischen Kampf ansagt“.
Kosiek schrieb viele Bücher und tritt bei Gruppen wie der "Deutschen Liga für Volk und Heimat", "Schutzbund für das deutsche Volk", etc. als Referent auf. Kosiek hat immer noch große Bedeutung als Stratege und Ideologe der NPD und ähnlicher Gruppierungen. Darstellungen der jüngeren deutschen Geschichte, insbesondere jene, die den Nationalsozialismus aufzeigen und bewerten, nennt er ein "System antideutscher Fälschungen", das von Lügnern erstellt sei, das Stuttgarter Schuldbekenntnis der evangelischen Kirche stuft er als "durch Drohung und Täuschung erschlichen" ein.

Die Referentin

Jutta Retz ist Beisitzerin der Bundesvorstands der rechtsextremen „Deutsche Partei - Die Freiheitlichen“ (DP), die 1993 (neu)gegründet wurde und in Baden-Württemberg ca. 60 Mitglieder hat (im Bund ca. 500).

Teilnehmer

Linksradikale Webangebote wie der „infoladenludwigsburg“ und „indymedia“ posten, dass bei dem gestörten Treffen HDJ-Mitglieder und Walter Staffa dabei gewesen seien. Die "Heimattreue Deutsche Jugend e. V." (HDJ) ist ein rechtsextremer deutscher Jugendverband mit neonazistischer Ausrichtung und mehreren hundert Mitgliedern. Der Nürtinger Dr. Walter Staffa war Vorsitzender des Witikobundes und ist im Vorstand der rechtsextremen Gruppierungen „Deutsches Seminar“ mit Sitz in Nürtingen und „Deutscher Studienkreis“ mit Sitz in Leonberg, wo auch Dr. Rolf Kosiek zu finden ist. Der Witikobund e.V. ist laut Wikipedia ein sudetendeutscher Kulturverein, der vom Bundesministerium des Inneren als rechtsextrem eingestuft wurde und versucht, Vertriebenenverbände zu radikalisieren, zu unterwandern und Positionen in Kommunalpolitik, Staat und Wirtschaft zu besetzen, um dort seine rechtsextreme, nationalistische Propaganda bis in die gesellschaftliche Mitte zu tragen. Auch Mitglieder der „Jungen Witikonen – Landesverband Baden-Württemberg", darunter "Marco Reese (Burschenschafter, Bundesvorsitzender der „Jungen Witikonen“, Autor in der „Jungen Freiheit“, „Blauen Narzisse“ und „Nation & Europa“)" und Christian Elser, sowie Mitglieder der Studentenverbindung „akademische Gildenschaft Ernst Wuche“ sollen laut Infoladen Ludwigsburg teilgenommen haben.

Gegen Nazis engagieren:

In unserer pluralistischen Demokratie kann man sich legal gegen Nazis engagieren, Hinweise hierfür gibt zum Beispiel das empfehlenswerte "Netz gegen Nazis": www.netz-gegen-nazis.de


 


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