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  Arbeitswelt
 
Arm - ein Leben ohne Chance? - 30.12.2014

  Die Wirtschaftskrise hat viele Menschen um ihre Existenz gebracht. Andere trafen Schicksalsschläge. Tatsache ist, dass viele Menschen weit unter dem Existenzminimum leben. Für die, die ein geregeltes Einkommen haben, ist oft nicht nachvollziehbar, was das konkret bedeutet. Werner H. ist von HARTZ IV betroffen und gibt einen kleinen, bitteren Einblick:

"Um seine Existenz gebracht worden zu sein heißt, Einschränkungen vorzunehmen. Rechnungen hinauszuzögern. Und oftmals zu hungern. Bei Bekannten betteln zu gehen. Diskriminiert zu werden. Wenn andere feiern gehen, zu Hause zu bleiben und statt dessen die Schuldenfalle zu "genießen". Die genießen wir Arbeitslosen nun mit all ihren Facetten und Varianten in vollen Zügen.

Mit Klingeling zu Weihnachten ist es nun vorbei - wenn es klingelt steht der Gerichtsvollzieher vor der Tür. Er stellt sich als zukünftiger neuer und enger Bekannter vor. Er kommt öfters als all deine Freunde vorbei. Jetzt erkennt auch der Dümmste, dass das Abrackern unsinnig war. Man muss feststellen, dass die angeblich so hochgelobte Konsumfreiheit endet in „außer Spesen nicht gewesen".

Stubenhocken und Wunschträumen bestimmen den Alltag. Nun weiß man endlich, was Luxus war. Schlaflose Nächte und neue Krankheiten treten auf, zum Beispiel Magersucht und Kopfschmerzen. Viele angebliche Freunde zeigen plötzlich, ob sie es wirklich sind, oder nicht. Ade, du schöne, heile Welt! Diese Erfahrungen können einen sehr traurig machen.  

Eingefädelt wurde dies von Politikern, die sich mit derartigen Problemen nicht herumzuschlagen haben. Deren Diäten werden in aller Regelmäßigkeit saftig erhöht. Das einzige was sonst noch wächst, sind die Gewinne und die Gehaltsunterschiede, die Lohnschere öffnet sich mehr und mehr. Die Partei, die sich als sozial betitelt, hat einen wesentlichen Beitrag hierfür geleistet. Selbst konservative Politiker wie der CDU-Abgeordnete Norbert Blüm wollten dies nicht haben. Er hat Hartz IV aufs Schärfste verurteilt und bezweifelt die Wirksamkeit der Maßnahme. Anstatt Nägel mit Köpfen zu machen, wird die „Sache" heruntergespielt. Man lässt sich nicht davon abhalten, die betroffenen Menschen zu sanktionieren und zu gängeln. Und Namensgeber Peter Hartz hat es gut.

Wer ist alles betroffen?
Ungefähr drei Millionen Arbeitslose, die unterhalb des Existenzminimums leben, „Niedriglöhner", deren Lohn nicht zum Leben reicht, 450-Euro-Jobber, Werksvertragsinhaber, Zeitarbeiter mit Löhnen unter zehn Euro.

Bei den drei Millionen Arbeitslosen ist dazu zu sagen, dass die Dunkelziffer der Arbeitslosen weitaus höher ist, so durch die Selbständigen, die mit Hartz IV aufstocken müssen, und die, die sich gerade in Ausbildungen oder Fortbildungen befinden.

Vielen wird Faulheit nachgesagt. Zur Stellensuche sei angemerkt, dass zum Beispiel in der Automobilbranche für ab Vierzigjährige selten ein Job zu haben ist, ab fünfzig Jahren sind die Chancen auch in anderen Jobs so gut wie aussichtslos. Schon allein die Antragstellung von Hartz-IV, die vielen Freiheitsbeschränkungen und möglichen Sanktionen sind mit der Menschenwürde nicht vereinbar, vor allem auch durch die gesellschaftliche Ausgrenzung. Was also tun? Zum Glück ist bei derartigen Verhältnissen noch keiner hier verhungert, aber jeder braucht doch etwas, wofür es sich lohnt zu leben, oder?"


 


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