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  Soziales
 
4 Wochen mit Hartz IV - 21.3.2011
Auftakt der Fastenaktion

 

(th) Zum Auftakt der Fastenaktion des evangelischen Kreisdiakonieverbandes im Landkreis Esslingen „4 Wochen mit Hartz IV“ bestätigte Dr. Günter Banzhaf, dass man mit dem Regelsatz, den Hartz IV-Empfänger erhalten, durchaus leben kann, ohne zu hungern. Armut in Deutschland sieht nicht so aus, wie in Bangladesh, wo Arme betteln müssen und nicht einmal genug zum essen haben. Hartz IV reicht zum Überleben, aber zum Mitleben in unserer Gesellschaft reicht es nicht. Er schilderte, wie Kinder damit umgehen, wenn sie merken, dass ihre Eltern nicht genug Geld haben, um alles zu kaufen, was sie möchten und sie zum Beispiel bei der Geburtstagsfeier nicht den gleichen Aufwand bieten können, wie ihre Freunde. Er beschrieb, wie eine Mutter sich schämt, weil sie ihren Kindern nicht mehr bieten kann, wie sie das Geld für die Neurodermitis-Medikamente der Tochter zusammenkratzt und wie sie überlegt, ob sie die Wohnung in der vertrauten Umgebung aufgeben soll oder den nicht bewilligten Mietanteil auch noch aus dem Budget für die Lebenshaltung bezahlen kann. Er erzählte von dem arbeitslosen Ingenieur, der das Gefühl hat nicht mehr dazu zu gehören, seit er sich nicht mehr beim Stammtisch blicken lässt. Und mit Hartz IV bekommt man ja nicht nur genau abgezählte Hilfe zum Lebensunterhalt, sondern auch noch Vorurteile und abfällige Bemerkungen zu hören.

Dr. Günter Banzhaf beklagte auch, dass das Prinzip „Fordern und Fördern“, das den Hartz-Reformen zu Grunde lag, sich immer mehr aufs Fordern konzentriert habe. Während Berechtigte wochenlang auf die Bewilligung ihrer Anträge warten müssten, drohten ihnen sofort Kürzungen, wenn sie die Erfüllung von Auflagen versäumen. Zudem seien zahlreiche Bescheide mangelhaft, wie die hohe Erfolgsquote bei Einsprüchen und Klagen zeige. Die Reform, die eine Erhöhung von 5 € pro Monat in diesem Jahr, mindestens weitere 3 € pro Monat im nächsten Jahr und das Bildungspaket für Kinder gebracht habe, bewirke im Endeffekt Einsparungen bei den Sozialleistungen um 1 Milliarde Euro pro Jahr, indem für Hartz IV-Empfänger das Elterngeld und Rentenbeiträge gestrichen wurden und zahlreiche Fördermaßnahmen weggefallen seien.

Die betroffenen Gesichter der Anwesenden wurden sodann durch eine Szene von Eberhard Haußmann und Monika Moll wieder aufgeheitert, die humorvoll zeigte, auf wie viele Produkte des wöchentlichen Einkaufs man verzichten müsste und könnte, wenn man für Nahrungsmittel nur das Budget eines Hartz IV-Empfängers zur Verfügung hätte. Mit 4,31 € pro Tag nach den aktuellen Werten kann man sich keine Schokoriegel und kein Fläschchen Wein für Gäste leisten. Da bei Haushalten mit mehreren Erwachsenen deren Budget auf 90 % reduziert wird, gehen die Initiatoren der Aktion auch von einem Tagesbudget für Nahrungsmittel nur noch 3,88 € aus, obwohl die Synergieeffekte eines größeren Haushaltes weniger bei den Lebensmittelkosten, als bei Wohnnebenkosten und Haushaltsausstattung verzeichnet werden können. Trotzdem sagten sich viele Anwesende, dass sie das mal ausprobieren wollen, mit ihrem Lebensmittelbudget als Hartz IV-Empfänger zu leben. Damit soll nicht bewiesen werden, ob das geht oder nicht, sondern erspürt werden, welche Einschränkungen damit verbunden sind.

Ich bin auch dabei und werde darüber berichten.


 


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