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  Soziales
 
Was heißt Hartz IV? - 25.3.2011
... auf jeden Fall kürzer treten

 

(th) Ich habe beschlossen, an der Fastenaktion des Kreisdiakonieverbandes „4 Wochen mit Hartz IV“ teilzunehmen und mich dabei nicht nur auf den Bedarf für Nahrungsmittel  zu beziehen.

Leben ohne Hartz IV

Mein derzeitiges Leben sieht so aus, dass ich für die laufenden Ausgaben monatlich 400 bis 500 € zur Verfügung habe. Das reicht für ein gutes Leben, bei dem ich meine durchweg vegetarischen möglichst saisonalen Lebensmittel am Bio-Stand auf dem Markt und im Bioladen kaufe. Ich ernähre mich morgens von Müsli und Tee, koche einmal am Tag etwas Warmes und vesper ansonsten Brote. Auf einer Vereinssitzung und bei ein bis zwei Kneipenbesuch pro Woche trinke ich jeweils zwei Viertele, am Samstag trinke ich noch einen Kaffee nach dem Marktbesuch und eine Halbe in der Kneipe beim Fußball gucken. Ich nutze gelegentlich ein Handy ohne Vertrag und habe zu Hause keinen Internetanschluss, aber eine Jahresgebühr von 25 € bei der Stadtbücherei bezahlt. Ich muss einmal pro Vierteljahr zum Arzt, um mir regelmäßig benötigte Medikamente verschreiben zu lassen.

Leben mit Hartz IV

Der Regelsatz von aktuell 364 € für einen volljährigen Alleinstehenden wie mich wird wie folgt aufgeteilt:

Für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke: 129,24 €, das sind im März 4,17 € pro Tag. Ich bin froh, dass ich mich schon aus gesundheitlichen Gründen beim Konsum von Tabak und Alkohol gut eingebremst habe, die Frau von der Leyen bei der Neuregelung nicht mehr als Genussmittel, sondern gleich generell als Suchtmittel bezeichnet hat, die von Hartz IV nicht mehr finanziert werden (aber von der Bundesregierung bei Empfängen großzügig ausgeschenkt werden).

Für Bekleidung und Schuhe können pro Monat 30,58 € ausgegeben werden. Das ist schwierig einzuschätzen und zu handhaben, weil die Kosten nicht regelmäßig anfallen, aber dann in größerem Umfang. Ich müsste dafür eine eigene Kasse führen und eventuell zu Secondhandmode greifen.

Für die Wohnung (zusätzlich zur Warmmiete), Strom etc. sind 30,42 € vorgesehen. Bisher zahle ich für Strom, Wasser und Abfall monatlich gut 50 € ohne besondere Großverbraucher wie Wäschetrockner, Gefriertruhe zu betreiben oder mehr als einmal im Monat zu baden, da ich immer dusche. Gehören etwa die Rundfunkgebühren auch noch zu diesem Posten? Ich habe keine Ahnung, wo ich da sparen sollte!

Innenausstattung (Möbel) und Haushaltsgegenstände dürfen monatlich 27,58 € kosten. Das ist noch schwieriger als mit den Klamotten. Also auch eine Extrakasse führen und eventuell auf Gebrauchtgeräte umsteigen.

Für die Gesundheitspflege bekäme ich mit Hartz IV 15,64 € pro Monat. Bisher muss ich jedes Vierteljahr die Praxisgebühr von 10 € zahlen, Nahrungsergänzungsmittel für 15 € kaufen und eine Eigenbeteiligung für Medikamente von 10 € leisten. Da würde das Budget noch Platz für weitere Heilmittel gegen die jährliche Erkältung bieten.

Für Verkehr könnte ich 22,92 € ausgeben. Glücklicherweise wohne ich in Nürtingen und kann daher die meisten Ziele zu Fuß und mit dem Rad erreichen, an dem ich auch viel selbst reparieren kann. Einen Besuch bei meiner Tochter in Franken mit der Bahn könnte ich damit aber nicht bezahlen.

Für Nachrichtenübermittlung (Telefon, Internet) können 32,15 € verwendet werden. Ohne dass ich das Telefon im Büro für private Anrufe nutze, habe ich zur Verzweiflung meines Anbieters für meinen Festnetzanschluss monatliche Kosten von 25 €. Für die Nutzung des Internets würde ich in die Stadtbücherei gehen, wo mich die Jahresgebühr als Hartz IV-Empfänger 12,50 € kostet, also müsste ich damit auskommen. Aber mit Kindern, die für ihre Schulaufgaben im Internet recherchieren müssen, wäre das wohl keine geeignete Lösung.

Für Freizeit, Unterhaltung und Kultur: 40,20 € - dafür sind immerhin mehrere Kino- und Schwimmbadbesuche möglich oder gar ein Abonnement der vom Kulturamt organisierten Theater- und Konzertveranstaltungen. Ich gebe zu, dass ich diese Angebote gar nicht so oft nutze. Ich würde damit eher meine Tochterbesuche finanzieren.

Und dann gibt es noch den Posten für Bildung: 1,40 € im Monat. Das könnten zum Beispiel zwei Vorträge im Haus der Familie pro Jahr sein. Obwohl das nicht viel ist, ist es mehr, als ich für Bildungsangebote ausgebe.

Für Beherbergungs- und Gaststättenleistungen dürfte ich 7,20 € ausgeben! Das sind knapp drei Bierchen oder (ja, Frau von der Leyen) vier saure Sprudel. Nett, dass es dafür einen eigenen Posten gibt. So wird klar, dass ich bei der Vereinsversammlung nicht auf dem Trockenen sitzen müsste. Aber für sonstige Beherbergung müsste ich ein paar Monate auf den sauren Sprudel verzichten.
Für sonstige Waren und Dienstleistungen (zum Beispiel Körperpflege und Hygiene) sind 26,66 € vorgesehen. Haareschneiden einmal im Vierteljahr kostet 14 €. Da bleiben noch 12,66 € für Waschmittel, Seife, Shampoo, Zahnpasta, Deo und Rasierzeug – könnte gehen.

Mal sehen, welche Erfahrungen ich im Selbstversuch mache.


 


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