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  Soziales
 
Die letzte Woche Hartz IV - 26.4.2011
knapp geschafft

  (th)

In der letzten Woche meines vierwöchigen Selbstversuches mit Hartz IV gibt es als Sonntagsfrühstück Brot mit selbst gemachter Marmelade und Schmand sowie eine Kanne Tee für den Vormittag. Mittags mache ich mir zwei Scheiben Brot mit Käse und Abends gibt es nochmal Spinat-Schafskäse-Tarte. Zum "Tatort" knabbere ich 100 Gramm Crunchy-Müsli. Tagesverbrauch: 4,27 €.

Die Arbeitswoche beginnt am Montag mit Marmeladenbrot und Tee, weil ich vergessen habe Milch fürs Müsli zu kaufen. Zum Vespern gibt es vier Scheiben vom selbst gebackenen Brot mit Aufstrich und Käse. Am Abend mache ich mir Wirsing-Bratlinge. Bei der Redaktionssitzung überziehe ich mit zwei Glas Sprudel endgültig das Gastronomie-Budget. Ansonsten hat der Tag 3,29 € gekostet.

Am Dienstag gibt es morgens wieder Müsli und Tee und zum Vespern vier Scheiben eigenes Brot mit Aufstrich und Käse. Am Abend mache ich mir einen Gemüsestrudel. Für das abendliche Schnabulieren habe ich kernige Lieblingskekse für 99 Cent pro Packung entdeckt, wovon ich eine halbe Rolle beim Fernsehen vernasche. Tagesgesamtkosten: 4,70 €.

Am Mittwoch gibt es morgens wieder Müsli und die letzten vier Scheiben eigenes Brot mit Käse. Da ich unterwegs bin, verpflege ich mich mit einem Brötchen und einem Schokocroissant, was mich für den Rest des Tages sättigt. Am Abend nasche ich noch eine halbe Packung Kekse und trinke drei Tassen Tee.

Donnerstags gibt es morgens wieder Müsli. Zum Vespern muss ich wieder auf gekauftes Brot mit Käse und Aufstrich zurückgreifen, da ich nicht zum Backen gekommen bin. Am Abend gibt es nochmal Gemüsestrudel und danach Tee und ein bissschen Crunchy-Müsli zum Knabbern. Tagesbedarf 5,27 €.

Am Freitag gibt es morgens Müsli und zum Vespern 5 Scheiben Brot mit Aufstrich und Käse. Am Abend mache ich mir Gemüse-Lasagne und knabbere 100 g Crunchy-Müsli zu zwei Tassen Tee. Gesamtkosten 4,97 €

Am Samstag Morgen habe ich wieder Besuch. Sie isst Müsli und Brot mit Honig, ich esse Brot mit Marmelade. Dazu gibt es Tee. Mittags verspern wir Brot mit Käse. Am Abend bin ich wieder allein und beende die Fastenaktion mit einer Portion Nudeln und selbst gemachter Gemüse-Tomatensoße. Mit Gastverpflegung kostet das 4,61 €.

Fazit

An den Wochenberichten fällt mir zunächst auf, dass ich abends durchaus keine schlauen Bücher lese, sondern den Tag eher vor dem Fernseher beschließe. Wie ich im Abschlussfragebogen der Diakonie angegeben habe, ist im Hartz IV-Satz nicht viel Spielraum für ein bisschen süßes oder salziges Knabberzeug, was mir am meisten Schwierigkeiten gemacht hat, auch wenn das nicht lebenswichtig ist. Grundsätzlich kann man erkennen, dass es nicht ganz unmöglich, aber schwierig und wohl auch nicht vorgesehen ist, sich mit dem vollen Hartz IV-Satz für Lebensmittel biologisch zu ernähren – ich habe es nicht geschafft. Aber wenn ich mich im Lebensmittel-Einzelhandel (nicht beim –Discounter) versorgt hätte, wäre ich mit dem Geld ausgekommen. Man muss sein Essen dabei konsequent selber zubereiten und sich vor teuren Zutaten wie Pinienkernen oder Mangos hüten. Ich kann mir vorstellen, dass es auf Dauer nervtötend ist, sich immer zu überlegen, ob dieses oder jenes noch im Budget drin ist. Allerdings ist es meines Erachtens nicht nur für Menschen, die mit einem knappen Haushaltsgeld auskommen müssen, positiv mehr selber zu machen als sich machen zu lassen. Man ist einfach selbständiger, wenn man eine Pizza selber macht anstatt sie nur aufzutauen, wenn man die eigenen Hände anstatt Haushaltsmaschinen zum Teig kneten, Dosen öffnen oder Zitronen auspressen einsetzt. Zugleich erhält man sich die Freiheit Geld für andere Dinge einzusetzen.

Und wie steht es mit den anderen im Hartz IV-Satz enthaltenen Kosten, die monatlich anfallen? Den Etat für Freizeit, Unterhaltung und Kultur von 40,20 € habe ich mit einem Fest für ein Dutzend Gäste, einem Geburtstagsgeschenk, einem Kinobesuch und den Kosten für einen Besuch bei meiner Tochter – ohne die Fahrtkosten – um 3,30 € unterschritten. Das Verkehrsbudget von 22,92 € hat mir den Kinobesuch in Stuttgart ermöglicht, wobei noch eine Menge übrig geblieben ist. Das Gastro-Budget von 7,20 € habe ich mit einem Hefeweizen und sechs sauren Sprudeln bei den Redaktionssitzungen gerade eingehalten.

Meine Schlußfolgerungen aus diesem vierwöchigen Selbstversuch: Mit Disziplin und ohne unbezwingbare Süchte kann man mit dem Budget für Lebensmittel auskommen. Auch die Anteile für die meisten anderen Ausgabenbereiche könnten hinkommen, wenn nicht gleich die Waschmaschine kaputt geht und man die Anteile mehrerer Monate anspart, ohne dass man große Sprünge machen kann. Was meines Erachtens bei uns für einen Einpersonenhaushalt überhaupt nicht passt ist der Anteil für Wohnnebenkosten, den ich als Wasser- und Energiesparer ohne einen Großverbraucher um 60 % überschreite und damit reicht das Geld vorne und hinten nicht mehr. Außerdem habe ich den Eindruck, dass sich der Satz an einem durchschnittlichen sparsamen Verbraucher orientiert und nicht die Besonderheiten berücksichtigt, die bei jedem anders ausfallen. Der eine braucht Medikamente, die die Kasse nicht bezahlt, der andere will seiner Umgangspflicht (!) gegenüber seinen Kindern nachkommen. Ich fände es daher o.k., wenn es ein zusätzliches Budget für „Besonderes“ gäbe, auch wenn dann jemand, der keine besonderen Ausgaben hat, dann etwas mehr Geld zur Verfügung hat, als er als durchschnittlicher sparsamer Verbraucher benötigt. Es sei ihm gegönnt, wenn dadurch berechtigte Bedürfnisse anderer nicht durch das Raster der Pauschalsätze fallen.

4 Wochen mit Hartz IV (Auftaktveranstaltung)

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