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  Soziales
 
Diagnose Bipolar: Himmelhoch jauchzend – zu Tode betrübt - 19.11.2014
Dr. Kristina Fuhr und die Nürtinger Bipolar-Selbsthilfegruppe informierten im Bürgertreff über manisch-depressive Krankheiten

 

(pm) Die Selbsthilfegruppe für bipolar Erfahrene und Angehörige Nürtingen informierte im Bürgertreff des Rathauses Nürtingen über bipolare Krankheiten, die auch unter der Bezeichnung manisch-depressive Erkrankungen bekannt sind. Die Patienten pendeln zwischen den Extrempolen Himmel und Hölle. Ihr Leben gleicht einer Gratwanderung. Schnell kann man die Balance verlieren und abstürzen: in die Depression oder in die Manie. Etwa siebzig interessierte Zuhörer erfuhren von Dr. Kristina Fuhr vom Psychologischen Institut der Universität Tübingen den aktuellen Wissensstand zu dieser Krankheit und hatten Gelegenheit, Fragen zu stellen.

Zahlreiche berühmte Personen wie Amy Winehouse, Vincent van Gogh und Robert Schumann litten an dieser Krankheit, die aber in allen Bevölkerungsschichten vorkomme. "Depressive Episoden sind gekennzeichnet durch Niedergeschlagenheit, Hoffnungslosigkeit, Verlust der Freude und des Interesses", so Kristina Fuhr. Dazu kämen emotionale Leere, Antriebslosigkeit, Energielosigkeit und Gefühle der Wertlosigkeit, wie auch körperliche Symptome und Gedanken an den Tod bis hin zu Suizidgedanken. „Manische Phasen hingegen zeichnen sich", so Kristina Fuhr, „durch eine übertrieben euphorische Stimmung aus. Weniger bekannt im Allgemeinwissen ist aber, dass in der Manie auch übertrieben gereizte Stimmung auftreten kann."

Sogar bei Ärzten sei dies oft nicht bekannt, so dass dann die gereizte Stimmung als Kriterium für eine bipolare Erkrankung nicht selten verkannt wird.

Dazu, so Kristina Fuhr, sei die Manie innerhalb der bipolaren Störung „gepaart mit einem gesteigerten Aktivitätsniveau, geringem Schlafbedürfnis, Ablenkbarkeit, übertriebenem Redebedürfnis, und einer übermäßigen Beschäftigung mit subjektiv angenehmen Dingen."

Negative Konsequenzen

In der Mehrzahl der Fälle führten diese Symptome aber zu negativen Konsequenzen, so werde beispielsweise oft zu viel Geld ausgegeben oder fahrlässig Auto gefahren, und es könne aufgrund der gesteigerten Libido zu zahlreichen, oft unüberlegten sexuellen Kontakten kommen. Weniger ausgeprägte übersteigerte Zustände nennt man „hypomane Phasen". Daneben kommen auch gemischte Phasen vor, in der Symptome der Depression und der Manie auftreten. In der Bipolar-I-Störung sind Manien zu verzeichnen, in der Bipolar-II-Störung geht der Ausschlag nach oben nicht über Hypomanien heraus. Da meist nur die depressiven Phasen von den Patienten als krankhaft empfunden würden, so Kristina Fuhr, blieben die Hypomanien oft unerwähnt, so dass dann meist die falsche Diagnose „unipolare Depression" gestellt wird. Bipolare Erkrankungen benötigten allerdings teils andere Behandlungen, manche Antidepressiva bergen für Bipolare die Gefahr, dass mit ihnen auch Manien ausgelöst werden können. Doch die Diagnostik erweise sich oft als unvollständig. Die richtige Diagnose werde immer noch zu oft erst Jahre nach der Erstdiagnose gestellt. Eine besonders schwerwiegende Form der Krankheit ist das „rapid cycling", das durch schnellen Wechsel der bipolaren Phasen gekennzeichnet ist, auch Mitglieder der Nürtinger Selbsthilfegruppe leiden darunter.

Drastisch erhöhte Suizidrate

Bipolare Störungen sind schwerwiegende psychische Krankheiten. Die Suizidrate sei gerade bei bipolaren Störungen um ein Vielfaches erhöht, legte Kristina Fuhr dar. Doch auch andere schlimme Folgen seien häufig zu verzeichnen wie Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit oder Partnerschaftsprobleme. Auch Stigmatisierungen der Patienten erschweren eine gesellschaftliche Teilhabe. Bei den Ursachen für die Erkrankung spielten genetische Ursachen eine Rolle, allerdings gebe es eine multifaktorielle Genese der Krankheit, bei der auch Persönlichkeitscharakteristika und Umwelteinflüsse wie Stress wichtige Rollen spielen. Auf Initiative der Deutschen Gesellschaft für bipolare Störungen (DGBS), die wechselseitig auch mit der Nürtinger Selbsthilfegruppe zusammenarbeitet, seien so genannte S3-Leitlinien mit Empfehlungen für bestimmte Medikamente und bestimmte Psychotherapien entwickelt worden. Nicht alle Psychotherapien werden von den Krankenkassen übernommen, so empfehle es sich, zuvor dort nachzufragen. Wichtig sei es, sich an einen Facharzt für Psychiatrie zu wenden, da Medikamente bei dieser schwerwiegenden Krankheit unerlässlich seien.

Aktuelle Studie

Dipl.-Psych. Stefan Lüttke vom Psychologischen Institut Tübingen stellte danach kurz eine aktuelle Studie vor, die er durchführt. Diese Studie untersucht die Emotionserkennung bei Personen mit Depression oder Bipolarer Störung. Die entscheidende Fragestellung ist hierbei, ob und inwiefern sich Patienten mit Depression oder Bipolarer Störung von gesunden Personen in der Fähigkeit, die Gefühle anderer Menschen wahrzunehmen, unterscheiden. Bei dieser Studie werde auch eine Diagnostik durchgeführt.

Informationen und Selbsthilfegruppen sind wichtig

Wissensvermittlung über die Krankheit sei für Patienten ganz wichtig, diese werde durch Therapieformen wie Psychoedukation vermittelt, wie auch durch Selbsthilfegruppen oder bipolare Gesprächsgruppen. Silvia Sollner von der Selbsthilfekontaktstelle im Bürgertreff ergänzte, dass die „Selbsthilfegruppe für bipolar, also manisch-depressiv, Erfahrene und Angehörige Nürtingen" eine Dienstagsgruppe wie auch eine Mittwochsgruppe anbiete, beide begännen jeweils um 19.30 Uhr im Bürgertreff. Die Dienstagsgruppe trifft sich am zweiten und vierten Dienstag im Monat, die Mittwochsgruppe am ersten und dritten Mittwoch im Monat. Die Mittwochsgruppe ist auch für Angehörige, nicht nur für Erkrankte offen. Mehr Informationen zur Selbsthilfegruppe gibt es über die Selbsthilfekontaktstelle im Bürgertreff und über die Webseite bipolar-shg-nt.jimdo.com.

Rückfragen: Selbsthilfekontaktstelle im Bürgertreff,

Telefon: +49 (0) 7022 75369

 


Foto "Gratwanderung" aus bipolar-shg-nt.jimdo.com, alle Rechte vorbehalten!


 


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