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Wege durch die Trauer - 20.11.2014
Am vergangenen Freitag wurden die Nürtinger und Kirchheimer "Stillen Tage" mit einer Lesung eröffnet

  (to) Wenn ein Kind gestorben ist, ist gar nichts mehr gewiss - nicht einmal das Gefühl der Trauer, denn dieses wird dann oft von Schuldgefühlen und schlechtem Gewissen erstickt. Wege, mit einem solchen Schicksalsschlag umzugehen, wies am vergangenen Freitag die Kirchheimer Autorin Angelika Nill in der Alten Seegrasspinnerei auf. Die Lesung aus ihrem Buch "Alles ist anders" zum Auftakt der Nürtinger Stillen Tage stieß auf große Resonanz und war sicherlich für viele Zuhörer hilfreich.

Denn Angelika Nill, die als psychologische und pädagogische Beraterin arbeitet, ist nicht nur fachlich kompetent, sondern ist auch eine Betroffene: Einen ihrer Söhne hat sie verloren, als dieser mit gerade mal elf Jahren bei einem Fahrradunfall tödlich verunglückte. Nill hat bei der Lesung ihre persönliche Geschichte nur kurz gestreift, diese findet sich ausführlich in ihrem Buch dargestellt.

Umso berührender war es, als die Autorin einen Brief vorgelesen hat, den ihr Sohn ein Jahr vor seinem Tod an seinen gerade verstorbenen Großvater geschrieben hatte: "Wenn wir jemanden verlieren, ist es oft ganz still. Alles ist anders. Man muss ohne die gewisse Person leben. Erinnerungen an denjenigen schmerzen sehr. Man gießt die Trauer oft mit Tränen ab". Man glaubt es kaum, dass diese Zeilen von einem Zehnjährigen sind, vielleicht - so die Mutter - habe sich darin ja schon eine Vorahnung ausgesprochen.

Der Rest des Abends war allgemeineren Ratschlägen gewidmet: Nill ermunterte dazu, die Trauer auch in einem so schrecklichen Fall zuzulassen, sei dieses Gefühl doch die einzige Brücke zu dem geliebten Kind. Man solle sich nicht von Erwartungen anderer verunsichern lassen: Wie lange die Trauer dauere, liege nämlich allein bei den Betroffenen und soll nicht durch gesellschaftliche Zwänge beschränkt werden.

Überhaupt werde man die Trauer nach einem solchen Schicksalsschlag nie mehr ganz los und das sei auch gut so: "Trauer ist nicht einzelnes Gefühl, das irgendwann mal vorbei geht, sondern gehört fortan zu unserem Leben", sagte Angelika Nill. Das heiße aber nicht, dass man sich davon erdrücke lassen müsse - im Gegenteil: Die Autorin machte geradezu Mut, auch nach dem Tod eines Kindes seinem Leben nicht nur mit Trauer, sondern auch mit ganzer Freude zu begegnen. Dementsprechend lautete Nills trostreiche Botschaft: "Unser totes Kind möchte nicht, dass wir fortan aus schlechtem Gewissen nichts mehr genießen. Es will im Gegenteil nichts mehr, als dass wir glücklich leben und lieben".

Passend zu dieser Einsicht spielte das Ensemble "Flöten inTakt" nicht nur Kompositionen, die Traurigkeit, Schmerz und Trauer ausdrückten, sondern auch solche, die neue Hoffnung und

Freude am Leben spürbar werden ließen - so das Allegro aus einem Concerto von Antonio Vivaldi.

Die "stillen Tage" gehen noch bis Sonntag. Das Programm findet sich hier.


 


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