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  Soziales
 
AHOI Nürtingen veranstaltete Suppenaktion in der Innenstadt - 22.12.2017
Initiative engagiert sich für Bettler und für ehemalige Bettler

  (mw) AHOI ist eine Nürtinger Initiative, die sich in Nürtingen für die Ärmsten der Armen einsetzt, vor allem für aus Not bettelnde Menschen. Ein weiteres Feld ist die Unterstützung derer, die ihre Situation und die ihrer Kinder verbessern wollen und selber hierbei aktiv sind.

An einem kalten Samstagvormittag im Dezember veranstaltete AHOI eine Suppenaktion in der Nähe der Kreuzkirche. Die Idee hierzu hatte Magdalena S., die sich ehrenamtlich in AHOI engagiert. Die Suppe gekocht hat Daniel Richter, der sich beruflich derzeit in der Aktion Brückenschlag, im Tagestreff und ehrenamtlich in AHOI engagiert. Es war eine gute Hühnersuppe, mit Kurkuma und Ingwer, die zuvor sechs Stunden lang gezogen hat. AHOI hat die Suppe mit Gaskochern heiß gemacht. Ob Trottwar-Verkäufer, ob Straßenmusiker, ob Bettlerinnen und Bettler, ob obdachlos oder nicht, ob Flüchtling oder hier geboren, alle haben die Suppe gerne angenommen. In einer halben Stunde war der große Topf leer.

AHOI, auch AHOJ geschrieben, ist ein Gruß in Tschechien und der Slowakei, und daher auch bei den ärmsten Romnija und Roma, die in Nürtingen betteln, bekannt. Viele von ihnen kommen aus der Slowakei, wo ihnen gegenüber oftmals eine Apartheid und in der Folge Perspektivlosigkeit und Armut herrscht. AHOI steht einmal für diesen Willkommensgruß, zum zweiten für Engagement gegen Armut, Hunger und Ohnmacht, die zu oft die Lebensrealität der ärmsten Roma in Nürtingen und deren Familien im Herkunftsland bestimmt. Das „I“ in AHOI steht für Ignoranz gegenüber ihrer Lebensrealität und deren distanzierenden Beweggründen bei den meisten Mitgliedern der Mehrheitsgesellschaft. Diese führt dazu, dass sich solche armen Roma wegen ihrer Armut in Verbindung mit ihnen gegenüber angewendetem Rassismus dort und hier fühlen - auch auch behandelt werden, als seien sie „egal wo, der Dreck“. Hierbei will AHOI Abhilfe oder wenigstens Linderung schaffen.

Es geht somit nicht um Roma allgemein in Nürtingen. Nicht um die, die - oft ohne sich als Roma zu erkennen zu geben - seit ihrer Geburt oder jedenfalls schon sehr lange in denselben Standards wie die Mehrheitsgesellschaft lebt und sich diese genauso erarbeiten und erarbeitet haben wie andere auch. Es geht um die Allerärmsten, die extrem Armen und ihre Familien, meist Romnija und Roma, aber auch Nicht-Roma, und um die, die sich nur noch als ehemalige Bettler betrachten müssen. Es geht aber auch darum, die in der Regel ihnen gegenüber vorgefassten und äußerst negativen Meinungen bei der Mehrheitsgesellschaft mit der Lebensrealität aus Not bettelnder Roma zu konfrontieren, um diese im Idealfall durch angemessenere Sicht- und Handlungsweisen zu ersetzen. Es geht darum, dass keine Menschen als Menschen zweiter Klasse behandelt werden oder noch darunter. Auch nicht extrem arme Roma. Vor allem geht es darum, ihnen zu helfen. Ob mit Schlafsäcken und Isoliermatten oder bei der Arbeitssuche.

AHOI strebt vor allen Hilfe zur Selbsthilfe an. Andocken an gleichberechtigte Teilhabe entweder hier in Deutschland oder in Herkunftsländern wie auch Verschwinden antiziganistischer Hemmschuhe sind wichtige Ziele. Gegenseitige Solidarität muss hierbei nicht "beigebracht" werden, sie bestimmt sowieso schon in beeindruckender Weise in aller Regel die gegenseitigen Beziehungen. Viele könnten davon lernen.

In AHOI engagieren sich helfend Romnija und Roma gleichermaßen und gemeinsam mit Nicht-Romnija und Nicht-Roma. Die große Stärke von AHOI ist: Manche der solcherart Engagierten waren früher selber Bettler oder haben selber auf der Straße geschlafen. Oft haben sie selber Diskriminierung und Rassismus erfahren. Dadurch können sie ihr aus eigener Erfahrung gespeistes Expertenwissen einbringen. Andere wiederum haben andere Fähigkeiten, können zum Beispiel übersetzen, ein Fax schicken, Schlafmaterial tagsüber bei sich bewahren, oder erklären und Tipps geben, weil sie wissen, wie hier die Verhältnisse "ticken". Alle sind wertvolle "Brückenbauer*innen" oder zumindest solche, die Linderung verschaffen.

Jetzt im Dezember organisierte AHOI in Nürtingen und Umgebung ansonsten auch Pakete in die Slowakei, half bei der Wohnungssuche, bei der Arbeitssuche, bei behördlichen Schreiben, beim Beschaffen von Essen, Kleidung, Schulmaterial oder wenigstens mit Schlafsäcken und Isomatten. Dazu kommt immer wieder alltägliche gegenseitige Hilfe und Solidarität.

Das Hauptziel von AHOI ist: Dass die Kinder der Bettler nicht mehr als Bettler – oder schlimmer – leben müssen! Einige davon gehen jetzt auf eine viel bessere Schule als zuvor, wo sie nun eine Perspektive haben.

Das Spendenkonto ist bislang: Park- and Ride-Konto Manuel Werner, EU-Girokonto 7448939341 bei BW-Bank Nürtingen, Stichwort: AHOI, IBAN DE35 6005 0101 7448 9393 41, BIC: SOLADEST600. Dort kann keine Spendenbescheinigung ausgestellt werden, es ist ein privates Unterkonto.



 


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