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  Soziales
 
Arbeitskreis Leben feierte 25jähriges Bestehen - 22.10.2008
Heute 35 freiwillige Krisenbegleiter/innen – Hilfe in Krisen und Suizidgefahr

 

(mw) Seit einem Vierteljahrhundert bietet der Arbeitskreis Leben (AKL) in Nürtingen Hilfsangebote für Menschen in Krisensituationen und Selbsttötungsgefahr an. Grund genug zu feiern. Dies tat der AKL in der Kreuzkirche. Dabei waren neben den Initiatoren des AKL, den ehrenamtlichen Krisenbegleiterinnen und Festgästen auch so hochkarätige Redner wie Prälat i.R. Martin Klumpp.

Gründung
Frau der ersten Stunde ist Lore Hofmann. Zusammen mit Frieder Alberth hat sie den AKL hier gegründet. Frieder Alberth ist heute in der AIDS-Hilfe in der Ukraine tätig (connect plus) ist und hat für seinen Einsatz gegen AIDS und dessen Folgen den Bambi verliehen bekommen, einen der wichtigsten deutschen Medienpreise für Menschen, die im Laufe des Jahres Besonderes geleistet haben. Angeregt durch den ersten Arbeitskreis Leben (AKL) in Baden-Württemberg in Tübingen wollten Lore Hofmann und Frieder Alberth Hilfe für Suizidgefährdete und Suizidprävention auch im Bereich Nürtingen - Kirchheim aufbauen. 1983 wurde der Verein gegründet. Unterstützt wurden die beiden "Urgesteine" des AKL von Frieder Alberths Schwester Gabriele. Von Anfang an war die Mitarbeit von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zentraler Bestandteil: Bereits Ende 1983 standen 23 ehrenamtliche Helfer/innen zur Verfügung.

Der ehemalige Krisenbegleiter Jürgen Wünsch überreichte unter anhaltendem Applaus einen Blumenstrauß an Lore Hofmann (siehe Foto oben), die so lange den Nürtinger AKL geprägt hatte und nun im (Un)ruhestand ist - ihr Terminkalender ist immer noch übervoll.

Finanzierung
Das „liebe Geld“ war immer wieder ein Problem. Mit viel Phantasie, Kreativität und Motivation wurde es immer wieder gelöst. Nach den anfänglichen zwei Jahren Durststrecke sichert seit 1985 die Anerkennung als Ehe- Familien- und Lebensberatungsstelle des Landkreises Esslingen einen verlässlichen Finanzierungsteil. Allerdings: Finanzierungsprobleme begleiten die Arbeit nach wie vor. Weitere Elemente der Finanzierung sind mittlerweile die Förderung durch das Land Baden-Württemberg (ab 1989) sowie Fördermittel der Kommunen Nürtingen und Kirchheim. Der Eigenmittelanteil beträgt über 40 % des Etats. Was heißt das? Eigenmittel wurden und werden aufgebracht durch Stiftungsgelder, durch Spenden, dann durch Klientenbeiträge derer, die sich solche leisten können, und schließlich durch Benefizaktionen wie der Versteigerung von gespendeten Kunstwerken und vieles mehr.
Die Krisenbegleiterinnen und Krisenbegleiter arbeiten alle ohne Honorar. Sie erhalten lediglich eine Erstattung ihrer Sachkosten. Dieses ehrenamtliche Engagement ist die Stärke des AKL.

Einige Zahlen: Klienten und Angebote
Wie viele Menschen kommen jährlich zum AKL, wagen den Schritt über die Schwelle beim Fuchsloch in der Bahnhofstarße? Ursula Strunk, die Geschäftsführerin im Nürtinger Büro, gibt Antwort: „Im Durchschnitt der letzten 5 Jahre haben sich pro Jahr knapp 400 Menschen an uns gewandt. Aus ungefähr der Hälfte dieser Anfragen entwickelt sich dann entweder eine Beratungsarbeit bei einer hauptamtlichen Fachkraft wie Gerth Döring und/oder eine Begleitung bei einer ausgebildeten Krisenbegleiterin / einem Krisenbegleiter.“
Neben diesen Einzelangeboten findet wöchentlich ein offener Kontakttreff - der so  genannte AKL-Treff im Kneiple der katholischen Kirche in der Vendelaustraße - für Menschen in belastender Lebenslage statt. Honorarkraft Evelin Falter ist für den AKL-Treff zuständig. Dazu "schmeißen" viele Ehrenamtliche den Treff wie Isabell Meister-HahnChrista Holderer, oder Almuth von Mollard. Im AKL gibt es dazu wechselnde aber auch über viele Jahre laufende Selbsthilfegruppen, z.B. für Hinterbliebene nach Suizid.
Viele Präventions- und Öffentlichkeitsveranstaltungen werden Jahr für Jahr durchgeführt. Beispiele sind: Sprechstunden an Schulen, Klassenbesuche im Rahmen von "Gesundheitstagen", Fortbildungen für Mitarbeiter der Altenhilfe, Vorträge für Fachkollegen und die allgemeine Öffentlichkeit.

Zusammenspiel Fachkräfte und Ehrenamt
"Die Ehrenamtlichen machen den AKL erst stark" - denn ohne dieses Engagement wäre der Wirkungskreis der Arbeit sehr viel bescheidener. Über viele Jahre entwickelte der AKL die Ausbildung, Förderung und Supervision der Freiwilligen immer weiter. Dies ist eine wichtige Aufgabe der hauptamtlichen Fachkräfte.
Der erste Kontakt der Nachfrager findet immer mit einer Fachkraft statt, die eine "Sondierung" leistet. Ergebnis ist je nach Anfrage ein Angebot durch die AKL-Fachkraft, eine qualifizierte Vermittlung (z.B. in Therapie, medizinische Versorgung, Selbsthilfegruppe, Fachberatung…), oder eine ehrenamtliche Krisenbegleitung durch den AKL.
Aktuell sind im AKL Nürtingen-Kirchheim e.V. zwei Fachkraftstellen (die aber von drei Mitarbeitern ausgefüllt werden), eine 50%-Verwaltungsstelle und 35 freiwillige Krisenbegleiterinnen und Krisenbegleiter tätig. Dazu kommen weitere Freiwillige, die andere Aufgaben im Verein übernehmen (Vorstandstätigkeit, Technik, Büro etc.). Wenn man die Räume des AKL in der Bahnhofsstraße betritt wird man freundlich empfangen von Michaela Saliari, Ursula Strunk und Gerth Döring.

Spektrum der Nachfragen
Neben den Betroffenen selbst kommen auch Angehörige von Menschen in – meist suizidalen - Krisen und Hinterbliebene nach Suizid zum AKL. Die Problemfelder der Nachfragenden sind vielfältig. An der Spitze stehen Gefühle von Überforderung und Sinnlosigkeit, psychische Auffälligkeiten wie Depressionen, selbstverletzendes Verhalten, die Sorge um einen nahe Stehenden, Probleme mit Arbeits-, Schul- und Ausbildung, Beziehungsprobleme. Die Mehrzahl der Nachfrager ist zwischen 31 und 60 Jahre alt.

Redebeiträge
Höhepunkt der Veranstaltung war das thematisch passende Referat „Krisen zwischen Leiden und Wachsen - wie wir einander helfen können“ von Prälat im Ruhestand Martin Klumpp, dem Mitbegründer des Hospiz Stuttgart und hochkarätigem Experten auf diesem Feld. Viele seien im Nachhinein geschockt, Signale bei nahen Menschen, die Dunkles durchmachen und oft nicht überstehen, übersehen zu haben. So zählte Martin Klummp Symptome von Depression auf. Diese sollen - so der Prälat i.R. - zur Allgemeinbildung gehören, in den Schulen ausführlich behandelt werden. Das gesamte Referat von Martin Klumpp ist hier in der STATTzeitung als upload verfügbar. Irene Gekle, die 1. Vorsitzende des AKL-Vorstandes, hielt ebenfalls eine kurze Ansprache. Neben OB Heirich hielt auch Kreis-Sozialdezernent Dieter Krug eine Ansprache.

Stimmen
Martin Klumpp vermittelte die Botschaft, es sei zwar "oft sehr anstrengend und belastend, lang anhaltende und tief gehende Krisen bei einem Menschen mitzuerleben". Auf der anderen Seite aber können einen „Begleitung von Menschen in Krisen selbst bereichern.“ Ein ehrenamtlicher Krisenbegleiter, Oskar Waibel, weiß auf die Frage, was jemand mitbringen möchte, der sich beim AKL engagieren will: „Interesse für Fragen, wie Leben gelingen kann. Motivation, das eigene Leben zu gestalten und Mitmenschen bei der Lebensgestaltung zu unterstützen.“ Der von der oft grausamen manisch-depressiven Erkrankung betroffene Klient Melancho Blumenbunt fügt hinzu: „Wenn ich an den AKL denke, dann tauchen vor meinem inneren Auge vor allem Gesichter auf, freundliche Portraits von Lore, von Isabel, von Michaela, von Christa, Evelin und Almuth, und von Gerth ... In schweren Zuspitzungen von Krisenzeiten halfen mir Lore und manch andere mit stützenden Gesprächen und helfenden Vorschlägen ... 25 Jahre wird der AKL nun alt! Die letzten zehn Jahre hat er mir immer wieder beiseite gestanden. Lang soll er leben!"“

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AKL - Arbeitskreis Leben Nürtingen und Kirchheim e.V.
Hilfe in Lebenskrisen und bei Selbsttötungsgefahr
72622 Nürtingen, Bahnhofstraße 2/1    
Krisenberatung (07022)19298    
Geschäftsstelle (07022)39112   
Telefax (07022)38590
AKL 73230 Kirchheim/Teck, Alleenstraße 92     
Krisenberatung (07021)75002 

www.akl-nuertingen.de
akl-nuertingen (ät) t-online.de

Spenden an:
Kreissparkasse Esslingen
Kontonummer 8 549 604
Bankleitzahl 611 500 20)


 


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