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  Geschichte
 
Heller - 29.5.2005
Gebrüder mit unterschiedlichen Verdiensten

 

(mw) Die Anfänge: Gebrüder Hermann und Ernst Heller
Der Gründer des Werkes, Hermann Heller, geboren am 21. November 1869 in Jebenhausen bei Göppingen, ließ sich am 7. Februar 1894 in Nürtingen als Gewerbetreibender eintragen. Seine Firma hatte die Bezeichnung: "Hermann Heller, Handelsgeschäft und Produktion von geschützten Artikeln und Uhrmacherwerkzeug".
Als der Steinerne Bau (am heutigen Standort der Volksbank) durch den Auszug der Firma Entreß frei geworden war, zog die Firma Heller dort im Oktober 1894 ein. Neben Schraubstöcken stellte sie mit fünf Arbeitern anfangs Schornstein-Aufsätze, eiserne Wendeltreppen und Ventilatoren her. Vier Jahre später produzierte Heller auch Kalt-Kreissägemaschinen zum Sägen von Metallen und Säge-Schärfmaschinen. Die Firma florierte und 1899 erstellte Hermann Heller in der "Neuffener Vorstadt" ein eigenes Fabrik-Gebäude, das im Jahr darauf bezogen wurde. Die Nürtinger nannten die Firma "Blechlete", wegen des auf Grund der Metallbearbeitung nach außen dringenden Lärms.
Nun trat ein Bruder von Hermann Heller, Ernst Heller (geboren 1866), als Teilhaber in die Firma ein und ihre Bezeichnung lautete von da an: "offene Handelsgesellschaft Gebr. Heller, Werkzeug- und Maschinenfabrik". Mehrere Erweiterungen zeugten von der Prosperität der Firma. Weil die erzeugten Maschinen immer schwerer wurden, baute Heller im Winter 1917/18 einen eigenen Gleisanschluss, der heute noch neben der Steinach zu sehen ist.
Hermann Heller starb am 8. September 1931 auf einer Geschäftsreise in England, Ernst Heller starb im Jahr 1936.


Die Söhne: Hermann und Werner Heller
Hermann Heller hatte drei Söhne: Hermann (geboren 1908), Rolf (geboren 1909) und Werner (geboren 1911). Ernst Hellers Söhne kamen ums Leben: Der älteste Sohn Karl fiel 1918 im Ersten Weltkrieg, der jüngster Sohn Ernst starb 1928.
Nach dem Tod von Ernst Heller senior ging die Leitung des Betriebs in die Hände des ältesten Sohnes von Hermann Heller über: Dipl.-Ing. Hermann Heller junior. Er war 1933 in die Firma eingetreten und 1935 Teilhaber geworden. Auch Rolf und Werner Heller waren im Betrieb tätig.
Nach Kenntnis von Ernst Planck, der anfangs die Nürtinger Spruchkammer als Vorsitzender leitete, betrat Hermann Heller die nationalsozialistische Bühne nicht als unbeschriebenes Blatt: Er sei schon vor der "Machtergreifung" der Nazis als Förderer rechtsradikaler Organisationen aufgetreten. Im braunen Nürtingen sei er prompt "Ratsherr" geworden, als nur noch Nazis im "Gemeinderat" zugelassen waren, und habe Funktionen beim "Reichsministerium für Rüstung und Kriegsproduktion" gehabt.
Im Betrieb wurden Zwangsarbeiter (fünfhundert bis siebenhundert "Fremdarbeiter", "Kriegsgefangene" und "Ostarbeiter") aus Frankreich, Belgien, den Niederlanden und der Sowjetunion beschäftigt. Da die Firma Heller Rüstungsgüter hergestellt habe, seien geringe oder vermeintliche Vergehen der beschäftigten Zwangsarbeiter schnell als Sabotage ausgelegt worden. Bei geringsten Verstößen seien sie geschlagen worden: "Bei der Firma Heller wurden ... Zwangsarbeiter im Büro misshandelt", so der Zeitzeuge Ernst Planck. Um Exempel zu statuieren habe die Firma nicht nur damit gedroht, Zwangsarbeiter, die auffällig geworden waren, der Nürtinger Polizei und/oder der Stuttgarter Gestapo zu übergeben, sondern dies auch in mehreren Fällen getan. Dann seien sie ins Gefängnis, in das "Arbeitserziehungslager" Oberndorf oder sogar - wie in einem Fall belegt - in ein Außenlager des KZ Natzweiler-Struthof ("Unternehmen Wüste") gekommen. In den "Arbeitserziehungslagern" herrschten Bedingungen, die denen in einem KZ glichen. Im Betrieb sollten, wie auch anderenorts für Zwangsarbeiter üblich, "Leistungsernährung" und "innerbetriebliche Strafmittel" gefügig machen.
Französische, niederländische und belgische Zwangsarbeiter waren im "Lager Hirsch" in der Oberboihinger Brunnenstraße untergebracht gewesen. Ab Sommer 1942 waren Baracken für "Ostarbeiter" auf den Mühlwiesen in Nürtingen errichtet worden. Dort stehen heute die Nürtinger Realschulen. Die aus der Sowjetunion verschleppten Männer und Frauen mussten dort hinter Stacheldraht in Baracken leben. Morgens trieb man sie als Kolonne durch die Stadt zu der Firma und abends wieder zurück. Das Schlurfen ihrer Holzschuhe haben manche Nürtinger noch im Ohr. Abends seien von den "arischen Herren" Festgelage im Außenlager auf den Mühlwiesen veranstaltet worden. Ernst Planck erinnerte sich an die Aussage einer Dolmetscherin, die darlegte, dass sich die rechtlosen Russenmädchen an solchen Abenden haben entkleiden und Nackttänze aufführen müssen. Nach Belieben seien dann Mädchen ausgesucht worden. Autos Nürtinger Bürger und "Parteigenossen" sollen an solchen Abenden vor dem Lager gestanden haben. Quittungen, an die Ernst Planck sich anlässlich seiner Arbeit als damaliger Spruchkammer-Vorsitzender erinnerte, hätten darauf hingewiesen, dass bei den Russenmädchen bei Bedarf Abtreibungen vorgenommen worden seien, die Heller in Rechnung gestellt worden seien.
Nachdem der Nationalsozialismus von den Alliierten besiegt worden war, begann die Amerikanische Militärregierung eine groß angelegte "Entnazifizierung". Ab 1946 waren dafür die Spruchkammern, Laiengerichte unter deutscher Verwaltung, zuständig. Der erste Vorsitzende der Nürtinger Spruchkammer war der schon erwähnte Ernst Planck. Er erinnerte sich, dass ihm im Jahre 1947 der Heller-Betriebsrat mitgeteilt hatte, dass im Betrieb Unterschriften gesammelt werden, um Hermann Heller das Durchkommen durch die Spruchkammer zu ermöglichen. Das Unterschreiben sei allerdings keine freie Entscheidung gewesen, sondern unter der Angst und dem Druck zu Stande gekommen, dass wenn Hermann Heller wieder in den Betrieb käme, demjenigen persönliche Nachteile entstehen könnten, der seine Unterschrift verweigert habe. Mit der Zeit verlor die amerikanische Militärregierung das Interesse an Nazitätern, der "kalte Krieg" begann und auch der Südweststaat wollte das Kapitel der "Entnazifizierung" Ende der 40er Jahre abschließen. So wurde - soweit wir bis jetzt wissen - das Spruchkammer-Verfahren gegen Heller mit der Auflage einer Geldzahlung beendet.
Am 30. Juli 1949 wurde die Firma "Gebr. Heller, Maschinenfabrik GmbH" wieder in das Handelsregister der Stadt Nürtingen eingetragen.


Heller heute
Das Unternehmen Heller hat sich  auf Maschinen zur zerspanenden Bearbeitung von Metall wie Fräsmaschinen, Bohrmaschinen, Sägemaschinen, deren Steuerung, Transferstraßen und flexible Fertigung spezialisiert. Heller-Niederlassungen finden sich in zahlreichen Orten Deutschlands, Europas, Amerikas, Asiens, Afrikas und in Australien. Der Umsatz wird mit über 250 Millionen Euro angegeben. Die Firma Gebrüder Heller hat 2,5 Millionen in den Entschädigungsfonds für Zwangsarbeiter gezahlt.


Quellen:
Jakob Kocher: Geschichte der Stadt Nürtingen, Band 3, Stuttgart 1928, S. 105 f.. und 151.
Hans Schwenkel (Hrsg.): Heimatbuch des Kreises Nürtingen, Band 2, Würzburg 19532, S. 882 ff.
Gespräche mit Ernst Planck, Nürtingen, im Jahr 1997.
Studienkreis: Deutscher Widerstand (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stättten des Widerstandes und der Verfolgung 1933 - 1945. Frankfurt am Main 1991, Band 5, S. 176.
Homepage der Firma Heller: http://www.heller.co.uk vom 6. Februar 2005.

 


 


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