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  Jugend
 
Flächendeckende Schulsozialarbeit kommt in Nürtingen gut an - 12.11.2012
Pressemeldung der Stadt Nürtingen

 

(pm) Als erste Stadt im Landkreis hat Nürtingen Schulsozialarbeit flächendeckend an allen öffentlichen Schulen eingeführt. Seit Schuljahresbeginn kümmert sich ein 13-köpfiges Schulsozialarbeiter-Team aus acht Frauen und fünf Männern um rund 5500 Schüler. An den 13 Grund-, Werkreal-, Realschulen und Gymnasien in der Stadt wurden sie von Lehrern und Schülern mit offenen Armen empfangen. Inzwischen wissen die Schulsozialarbeiter, wo es brennt, und haben auch schon die ersten Projekte realisiert.

Dabei verstehen sich die Pädagogen, die aus verschiedenen Sparten der Jugendarbeit kommen, nicht nur als Feuerwehr. „Mit Schulsozialarbeit werden immer Probleme assoziiert. Wir wollen aber nicht nur Probleme lösen, sondern idealerweise erst gar keine entstehen lassen“, sagt Stefan Felder-von Hahn, Jugendreferent der Stadt Nürtingen.

Gegen das, was die Umstände den Kinder aufbürden, richtet freilich auch Schulsozialarbeit nichts aus. Zu den häufigsten Handicaps der Kinder gehören auf der einen Seite der Gesellschaft fehlende Väter und überforderte Eltern in prekären Arbeitsverhältnissen. Auf der anderen Seite leiden die Kinder unter Wohlstandsverwahrlosung mit einem enormen Leistungsdruck und totaler Reizüberflutung. Beides führt zu Orientierungs- und Wertelosigkeit und äußert sich nicht selten in Aggressionen. „Wir können den Schülern helfen, besser damit besser umzugehen“, sagt Felder-von Hahn.

Dafür hat die Schulsozialarbeit Rezepte wie das soziale Kompetenztraining. Unter diese Rubrik fällt der Klassenrat, den die Schulsozialarbeiter derzeit überall einrichten. Hier bespricht die Klasse nach gemeinsam erarbeiteten Regeln, was aktuell Positives und Negatives passiert, und wie es jedem einzelnen damit geht, wenn beispielsweise im Unterricht einer ständig dazwischenredet. Schulsozialarbeiter Marc Rösel, der gemeinsam mit einer Kollegin die Grund-schulen betreut, baut dort gerade „Lob- und Motzrunden“ als Vorstufe zum späteren Klassenrat auf.

Diese Strukturen sollen Kinder und Jugendliche zu einer demokratischen Gesprächs- und Konfliktkultur befähigen. „Konflikte zwischen Lehrern und Schülern liegen in der Natur der Sache. Das lässt sich nicht wegdiskutieren, aber  man kann besser damit umgehen“, so Felder-von Hahn. Auch Gewalt an Schulen „gab und gibt es immer, denn eine Schule ist eine Zwangsgemeinschaft“. Heute kommt die Gewalt allerdings anders daher. Schulsozialarbeiterin Daniela Fraenkel beobachtet, dass es weniger offene Prügeleien gibt, dafür ist Cybermobbing sehr verbreitet. „Da wird jemand von der gemeinsamen Facebook-Seite gelöscht, ein anderer findet heikle Bilder von sich im Internet verbreitet“, berichtet Daniela Fraenkel, die am Max-Planck-Gymnasium arbeitet. Sie stellt fest, dass Schülern und Lehrern vor allem Zeit fehlt. „Obwohl ich ganz viele Lehrer mit hoher Motivation und großem Engagement treffe, bleibt vor allem bei den Gymnasien mit ihren engen, vollen Lehrplänen wenig Raum für die sozialen Belange.“ Den muss man erst schaffen. Als kleine Lockerung zwischendurch verordnet Daniela Fraenkel ihren Schülern gerne mal einen „Energizer“: Bevor weitergepaukt oder diskutiert wird, ist für einige Minuten kollektives Brüllen und Zappeln angesagt. Die Sozialarbeiter nennen das „energiegeladene, intensive Rhythmusübung“. Den Schülern macht es Spaß und nimmt Dampf raus.

Nach Lehrplan klingt das alles nicht und das hat auch seine Richtigkeit. „Schulsozialarbeiter  sind kein Lehrerersatz“, so Felder-von Hahn. „Wir fragen nicht, „was leistest du“ sondern „wie geht es dir“, ergänzt Marc Rösel. Im Unterricht sind die Schulsozialarbeiter dennoch oft präsent. Sei es, um still zu beobachten, was nonverbal zwischen Schülern und Lehrern läuft. Sei es, um den Unterricht mit Fachwissen zu ergänzen bei Themen wie Sucht, Sexualität oder Internet.

„Ich bin überzeugt, dass wir mit der flächendeckenden Einrichtung von Schulsozialarbeit eine gute Entscheidung getroffen haben“, so Oberbürgermeister Otmar Heirich. Dafür spricht die positiver Rückmeldung vom Schulsozialarbeiter-Team, von Lehrern, Schülern und Eltern. Das Ganze gibt es zwar nicht zum Nulltarif aber immerhin ohne zusätzliche Kosten: Die Stadt Nürtingen nutzte das Angebot von Land und Landkreis, ab dem Schuljahr 2012 je ein Drittel der Kosten für neue Schulsozialarbeiter zu übernehmen. So kann die Stadt mit dem Geld, das sie bisher für vier reguläre Stellen ausgab, geförderte neun Vollzeit- beziehungsweise 13 Teilzeitstellen finanzieren.


 


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