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  Bauen
 
Internationales Kongress-Flair in Nürtingen - 29.11.2019
Viertes iba-Plenum in der Stadthalle

 

(th) Eine Woche, nachdem der iba‘27-Intendant Andreas Hofer im Gemeinderat anlässlich des Abschlusses eines Kooperationsvertrags zur Aufnahme der Bahnstadt als iba‘27-Projekt verkündet hatte, dass die Arbeit der Internationalen Bauausstellung 2027 (iba'27) für die Projektträger kostenlos ist, zeigte das iba‘27-Plenum in der Stadthalle, dass dafür dennoch hohe Qualität geboten wird.

Zum Auftakt hatten BesucherInnen und Beteiligte Gelegenheit, auf dem Markt der Möglichkeiten zwischen Stellwänden und Stehtischen sich mit VertreterInnen von Arbeitsgruppen und Projekten auszutauschen, zu informieren und sich eventuell zur Mitarbeit motivieren zu lassen. Dabei konnte man sich mit ausreichenden Häppchen und Getränken stärken.

Im Vortragsteil begrüßte Oberbürgermeister Johannes Fridrich die Anwesenden und wies auf das bereits weit gediehene Projekt Bahnstadt hin, wo bereits Fledermäuse und Eidechsen ausquartiert seien und einer Bebauung nicht mehr im Wege stünden. Mit Blick auf die Diskussion im Gemeinderat, in der der Stellplatzschlüssel eine große Rolle gespielt hatte, meinte er „Wir müssen alle in Nürtingen etwas moderner denken!“

Der Aufsichtsratsvorsitzende der iba‘27-GmbH und Stuttgarter Oberbürgermeister Fritz Kuhn stimmte in das Leiden am Artenschutz ein, bevor er über den Stand und die Ziele der Bauausstellung sprach. Er war glücklich, dass bereits 80 Vorhaben in der ganzen Region, nicht nur in Stuttgart, in das iba’27-Netz aufgenommen wurden. Vor 100 Jahren habe sich die Werkbund-Ausstellung auf dem Weißenhof, aus der die inzwischen zum Weltkulturerbe gehörende Weißenhof-Siedlung entstanden ist, der Frage gestellt, wie der moderne Mensch leben will und dafür architektonische Lösungen entworfen. Die Lösung folgte dem Prinzip der Funktionstrennung von reinen Wohngebieten mit Licht, Luft und Ruhe, von denen die Arbeits-, Einkaufs- und Erholungsgebiete mit dem Auto erreicht werden konnten. Ein wichtiges Ziel war damals auch, mit architektonischen Lösungen soziale Unterschiede zu überwinden. Die Gebäude beeindrucken noch heute, wenn auch die Funktionstrennung nicht mehr das Ideal darstelle, sondern eine Stadt der kurzen Wege, in der Wohnen, Arbeiten, Einkaufen und Erholung im räumlichen Zusammenhang stattfinde und die Wege mit öffentlichen und umweltschonenden Verkehrsmitteln zurückgelegt werden können. Für die iba’27 stellt sich die Frage „Wie wollen wir in Zukunft leben?“ Und dabei geht es nicht darum, wie wir in acht Jahren leben wollen, sondern wie die Zukunft danach aussehen soll. Für Fritz Kuhn müssen daher Gebäude entstehen, die man auch in 100 Jahren noch toll findet und die sich die Allgemeinheit nicht nur anschauen, sondern auch leisten kann. Er wünscht sich, dass man im Ausstellungsjahr mit dem Elektro-Fahrrad zu den verschiedenen iba‘27-Standorten fahren und die Projekte entdecken kann, ohne dass Schilder darauf hinweisen. Es solle eine Erkennbarkeit in der Vielfalt entstehen.

Der iba‘27-Intendant Andreas Hofer erklärte, dass sich das Konzept der Ausstellung mit ihrer Entstehung entwickelt. So wächst einerseits noch die personelle Organisation, andererseits haben sich die fünf Themen der iba’27 aus den eingereichten Vorhaben ergeben, zu denen die folgenden Vorträge internationale Impulse lieferten.

Internationale Vorträge

Bei der produktiven Stadt geht es um die Stadt als kreatives Zentrum, als Ort für Wohnen und Arbeiten, den Einzelhandel, emissionsarme Industrie und urbane Landwirtschaft.
Markus Schaefer vom Züricher Büro „Hosoya Schaefer Architects“ widmete sich in seinem Beitrag über die „Industrious City“, der arbeitssamen, schaffigen Stadt, den Möglichkeiten, Industriequartiere in städtischen Lagen zu erhalten und für zukünftige Nutzungen zu gestalten. Eine wichtige Maßnahme ist für ihn die Organisation von verschiedenen Produktionen auf mehreren Ebenen. Die Entwicklungen müssten schrittweise, mit flexiblen Typologien unter Einbindung der künftigen Nutzer geplant werden. Niedrige Grundstückspreise gewährleisten dabei ein breiteres Spektrum an Betrieben.

Die Zukunft der Zentren behandelt die Frage, welche neuen Nutzungen und Gestaltungen die Stadtzentren prägen werden, wenn Handel und Dienstleistungen sich an die Peripherie und ins Internet verlagern.
Martina Baum vom Städtebau-Institut der Universität Stuttgart beschäftigt sich in Forschung und Lehre damit, wie in Städten die Verheißung eines besseren Lebens durch Räume für Interaktionen gefördert werden kann. Sie präsentierte dazu studentische Entwürfe für das „Täglich“ als öffentliches Gebäude am Wilhelmsplatz in Bad Cannstatt

Die Gestaltung von Bahnhöfen und S-Bahn-Haltestellen als lebendige urbane Orte steht im Mittelpunkt des Themas Orte der Bewegung und Begegnung.
Kristian Villadsen vom Büro „Gehl – Making Cities for People“ in Kopenhagen geht davon aus, dass man den Lebensstil der Menschen ändern kann mit einer geänderten Stadt. In seinem ersten Vortrag in einem sympathischen, dänisch geprägten Deutsch erklärte er, dass man Fuß- und Radwege verbessern muss, wenn man den öffentlichen Personenverkehr fördern will, denn schon jetzt kämen 98 % der Nutzer auf diesen Wegen zum Bahnhof. Natürlich ist auch eine Aufwertung des Bahnhofs mit seinem Umfeld erforderlich. Die Entwicklung im Automobilbereich zu selbstfahrenden Autos führe dazu, dass die Autoindustrie künftig keine Fahrzeuge sondern Mobilitätsservices anbiete. Damit bestünde auch die Gelegenheit, die Regeln für die Nutzung von Straßenräumen neu festzulegen. Als Charakteristikum der iba’27 plädierte er dafür, das Leben in den Räumen zwischen den Häusern zu entwickeln.

Im Thema Das Erbe der Moderne werden neue Strategien für den Umgang mit großen und baukulturell oft wertvollen Gebäudekomplexen aus der Nachkriegsmoderne der 1960er- und 1970er-Jahre und Ideen für eine respektvolle Erneuerung der Weissenhofsiedlung gesucht.
Kerstin Müller (Baubüro in Situ, Basel) berichtete von den Erfahrungen des Re-Use von Bauten auf allen Ebenen vom Quartier über Gebäude und Bauteile bis zu Baumaterialien. Beeindruckend war vor allem der letzte Aspekt. Sie zeigte, wie aus fehlproduzierten Fenstern und Resten von Isoliermaterial in Holzrahmenbauweise neue Wandelemente entstanden, die mit wiederverwendeten Trapezblechen verkleidet wurden. Das Spannende daran sei, dass man erst die Baumaterialien habe und sich dann überlegen müsse, wie das Gebäude aussehen soll, in das sie hinein passen, meinte Kerstin Müller. In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass der bei vielen Konversionen von Industriearealen praktizierte Abriss und Neubau die Ansiedlung von kapitalstarken Investoren nach sich ziehe anstatt die Nutzung durch Kleingewerbe zu ermöglichen. Oft komme man auch zu dem Ergebnis, dass neue Materialien billiger seien, was zum einen an den hohen Arbeitskosten liege, zum anderen daran, dass die Preise oft nicht die Umweltkosten für Rekultivierung, Deponierung und Luftverunreinigungen enthalten.
Leona Lynen erzählte von dem im boomenden Berlin über zehn Jahre leerstehenden Gebäude des ehemaligen Hauses der Statistik der DDR mit 50.000 m² Nutzfläche. KulturarbeiterInnen und Kreative haben über Jahre Ideen und Konzepte für eine Nutzung des Gebäudes entwickelt. Als nun die Stadt Berlin ein neues Rathaus für den Bezirk Mitte benötigte, entstand die Gelegenheit für eine umfassende Neunutzung des Gebäudes, in dem auch die Finanzabteilung des Berliner Senats, Wohnungen und KünstlerInnen ihren Platz finden sollen.

Schließlich sollen für den Neckar als Lebensraum Pilotprojekte zur Rückgewinnung des Neckars und seiner Nebenflüsse als Lebensraum und identitätsstiftendes Band der Region Stuttgart entwickelt werden. Dazu berichtete Johann Senner von Planstatt Senner über den Masterplan Neckar, die Verpflichtung der Bundesregierung nach der Wasserrahmenrichtlinie den schiffbaren Teil des Neckars in einen guten Zustand zu überführen und verschiedene Projekte, die bereits verwirklicht oder geplant sind.
Tim Edler von realities:united, Studio for Art and Architecture, Berlin stellte die Überlegungen für das Flussbad Berlin im Spreekanal am Westrand der Museumsinsel vor. Es ist vorgesehen, den 1,9 km langen Kanal in einen naturnahen Wasserlauf, einen Pflanzenfilter zur Reinigung des Flusswassers und einen anschließenden Bereich zum Freiwasserschwimmen zu gliedern. Das Projekt wurde zwar mehrfach mit Millionenbeträgen zur Entwicklung und Vermittlung des Vorhabens sowie den Bau einer Freitreppe zum Wasser gefördert, ob es letztlich umgesetzt wird ist aber noch ungewiss.

Nach diesen anregenden Beiträgen hatten ZuhörerInnen, ReferentInnen und AkteurInnen Gelegenheit, sich in lockerer Atmosphäre bei warmem Buffet, Imbiss, kalten und warmen Getränken über die Möglichkeiten der iba’27 auszutauschen und einen gelungenen Abend zu beenden.


 


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