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  Wirtschaft
 
UTAMTSI - Kaffee aus Kamerun - 4.6.2012
Die Geschichte einer Begegnung

 

(pm) "U" heißt „Wir“ und bedeutet „Gemeinsam“. "TAM" heißt „Begegnen“ und bedeutet „Die Geschichte der Menschheit ist von ständiger Begegnung geprägt“. "TSI" heißt „Wasser“ und bedeutet „Uraltes Heilmittel, das Kraft schenkt“, und an dem es in der Heimat von Morin Fobissie Kamga in guter Qualität mangelt, so erklärt er den Namen der von ihm und seinem Freund Stephan Frost gegründeten Organisation, für die er auf Einladung der Eine-Welt-Gruppe e.V. von Bremen nach Nürtingen gekommen war.

Beim Vortrag im Bürgertreff am Freitag den 18. Mai zum Thema „Rund um die Kaffeebohnen entlang der Wertschöpfungskette und die Organisation UTAMTSI“, berichtete er, wie er 1992 als Student der Betriebswirtschaft in Bremen für 500 g Kaffee 10,00 DM bezahlte, während sein Vater in Kamerun für ein Kilo Rohkaffee 30 Pfennig erhielt. Nun muss man wissen, dass die Bauern in Morin Kamgas Heimat ca. ½ bis 1 ha Land für den Eigenbedarf bewirtschaften. Sie bauen Bohnen Mais, Yams und Bananen an, dazwischen werden Kaffeesträucher gepflanzt. Der Erlös der Kaffeeernte dient ausschließlich dazu Güter zu kaufen, die sie nicht selbst produzieren können, wie Salz, Seife, Medikamente, Schulgebühren. Die Ernte dieser Kleinbauern betrug zwischen 1 – 20 kg im Jahr.

Die Frage, wie die Spanne zwischen 30 Pfennig und 20 DM pro Kilo zustande kommt, führte die Freunde zurück nach Kamerun. Dort erfuhren sie, dass der Rohkaffee bis zu 12 Mal den Besitzer wechselt, ehe er exportiert wird. Den Bauern wurde in Notsituationen Geld auf die künftige Ernte geliehen, die zu einem miserablen Preis verrechnet wurde. Beseelt von dem Wunsch, diesen Teufelskreis zu durchbrechen, schufteten die Freunde 2 Semesterferien in der Schwerindustrie, um an Geld zu kommen. Wieder zurück in Kamerun regten sie die Bildung  einer Genossenschaft an, um die Ernte der weit in den Bergen verstreut lebenden Bauern zusammen zu führen. Sie boten 1,32 € pro kg Rohkaffee, auf die Hand ausbezahlt bei Ablieferung. Die Bauern wurden in ökologischen Anbau mit EM Technologie ( Effektive Mikroorganismen) geschult, aus Verantwortung für die Umwelt, für das Produkt und auch für ihre eigene Gesundheit und die ihrer Familien. Inzwischen können die Bauern 50 – 60 kg Rohkaffee abliefern und erhalten 2 € /kg.

Wie es verschiedene Kartoffelsorten gibt, wachsen auch verschiedene Arabica-Kaffee-Sorten. In Kamerun wird die Sorte „Jamaica Blue Mountain“ angebaut. Diese Sorte ist weniger ertragreich als „Bourbon“ (Südamerika) und ab einer Höhe von 1800m gewinnt sie die optimale Würze. Die Bearbeitung der Kaffeekirschen nach der Ernte trägt entscheidend zum Kaffeegeschmack in der Tasse bei, so erklärte Morin Kamga. Man unterscheidet die Nass- und Trockenaufbereitung. Bei der Nassaufbereitung werden die Kaffeekirschen gequetscht, die Bohnen herausgewaschen und anschließend getrocknet, während bei der Trockenaufbereitung die reifen Kaffeekirschen in der Sonne getrocknet werden. Das Fruchtfleisch wird braun und welk, die Bohne fermentiert. Dieser Vorgang verleiht dem Kaffee besondere Würze. Die Bohne behält ihr Silberhäutchen und heißt „Permakaffee“.

Über Bekömmlichkeit, Säuregehalt und Würze entscheidet letztlich der Röstvorgang. Langzeitröstung sei kein geschützter Begriff, so Morin Kamga. Konventionell gerösteter Kaffee wird in 90 Sekunden bei bis zu 500 Grad C. schockgeröstet und der Kaffee verliert dabei wenig Wasser. Das Wasser jedoch transportiert die Gerb- und Chlorogensäure, d. h. bei wenig Wasserverlust bleibt der Kaffee säurebetont, verursacht Unwohlsein, Magenschmerzen und Herzflattern. Bei 12 – 25 Minuten Langzeitröstung auf 190 – 210 Grad Celsius verliert der Kaffee bis zu einem Fünftel seines Gewichts und damit fast komplett die Restfeuchtigkeit, er wird säurearm und macht munter. Ab 12 Min. Röstzeit erschließen sich die Kaffeefette, das ätherische Öl tritt aus der Bohne, sie glänzt fettig und duftet. Der Gehalt an ätherischem Öl  trägt zur Bekömmlichkeit bei und fördert die Verdauung. Beim Espresso oder Cappuccino in der Tasse bildet er die Crema. 8 Gramm gemahlener Kaffee (ca. 1 voller Teelöffel) genügen dann für eine Tasse (210ml) statt der 12 Gramm bei herkömmlicher Röstung.

Inzwischen importiert UTAMTSI 38 t Rohkaffee im Jahr. Jeden Tag wird in der Trommelröstmaschine Kaffee geröstet und UTAMTSI bietet ein breites Angebot an verschiedenen Röstungen. Die Organisation trägt zahlreiche Früchte, so Morin Kamga, 1 Jahr nach Gründung wurde ihnen angetragen, Menschen mit Behinderung in Kamerun in den Verarbeitungsprozess mit einzubeziehen. Heute arbeiten Behinderten-Werkstätten in Kamerun wie in Deutschland an der Aufbereitung bzw. Verpackung des Kaffees. Es entwickelte sich ein Schüler- und Studentenaustausch und jedes Jahr reisen interessierte Kundengruppen nach Kamerun, um die Arbeit vor Ort mit eigenen Augen zu sehen.

Bei der Kaffeeverkostung am Samstag vor dem Weltladen konnten die begeisterten Zuhörer und die Passanten am Rand des Maientagumzugs den vollmundig würzigen Kaffee aus Kamerun als Espresso oder Cappuccino genießen.

Ulrike Soulas


 


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