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  Wirtschaft
 
Grüne Gentechnik und Welternährung - 19.6.2012
Vortrag von Prof. Matin Qaim

 

(emu) Matin Qaim, Professor für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung an der Universität Göttingen, hielt im Rahmen des Studium generale der Nürtinger Hochschule für Wirtschaft und Umwelt einen Vortrag zum Thema „Grüne Gentechnik und Welternährung“.

Kann Gentechnik dazu beitragen, den Mangel an Nahrung zu beheben bzw. die Produktion von Nahrungsmitteln vor allem für die stark wachsende Bevölkerung der Dritten Welt zu steigern?

Matin Qaim zitierte eine Prognose, nach der bis 2050 mehr Nahrungsmittel hergestellt werden müssten, damit der Bedarf gedeckt werden kann und das Essen bezahlbar bleibt. Mehr Nahrung zu produzieren, könnte einerseits bedeuten, die Ackerflächen auszuweiten, andererseits den Ertrag der Sorten zu erhöhen, was auch mit Hilfe von gentechnischen Züchtungen versucht wird.

Matin Qaim beschrieb gentechnische Veränderungen des Saatgutes, die herbizidtolerante (HT-) Pflanzen heranwachsen lassen, die zum Beispiel den Einsatz des Mittels Roundup der Firma Monsanto ohne Schaden vertragen, während Unkraut dadurch vernichtet wird. Dies soll die Kosten für die Bearbeitung des Bodens um 60 % senken. Zum andern führen gentechnische Veränderungen durch das Einschleusen von Erbgut des Bazillus thuringiensis (BT) dazu, dass z.B. Mais gegen den Fraßschäden anrichtenden Maiszünsler geschützt wird. Bei Baumwolle, die in Indien, China und Pakistan angebaut wird, wurden bereits beide gentechnischen Veränderungen zusammen durchgeführt, so dass die entstandenen Sorten sowohl vor Fraßschäden durch Raupen geschützt sind als auch Roundup tolerieren. Mit Hilfe der Gentechnik könnten Pflanzen auch so verändert werden, dass sie z.B. mit weniger Wasser auskommen, was eine immer knapper werdende Ressource sei. Während in den Anfängen der angewandten Gentechnik zum Beispiel nur drei Sorten gentechnisch veränderte Baumwolle Einsatz fanden, sind inzwischen 600 Sorten im Handel für die verschiedenen Standorte und Klimazonen.

Diese Maßnahmen führen nicht direkt zu einer Steigerung der Ernte im Vergleich mit gentechnisch unverändertem Saatgut. Matin Qaim verwies aber darauf, dass mithilfe der Gentechnik auf große Mengen an giftigeren Pflanzenschutzmitteln verzichtet werden könne, wodurch der Arbeitsaufwand reduziert werde und die Bauern und Landarbeiter gesündere Arbeitsbedingungen hätten. So sei in Indien, wo zu 86 % gentechnisch veränderte Baumwolle angebaut werde, seit 2002 der Gebrauch von Insektenvernichtungsmitteln drastisch gesenkt, der Ertrag um 37 % vergrößert, die Saatgutkosten um 166 % erhöht und der Gewinn um 89 % gesteigert worden was pro ha zu einem Gewinn von $ 135 geführt habe. Ebenso seien in Südafrika und auf den Philippinen mithilfe der Gentechnik der Ertrag erheblich gestiegen und der Verbrauch von Insektiziden gesunken.

Trotzdem hält Matin Qaim Gentechnik nicht für eine Wunderwaffe gegen den Hunger. Gentechnik sei nur für agrartechnische Unternehmen, wie Monsanto, die das Saatgut und passende Herbizide produzieren und verkaufen, sowie für Großunternehmer mit Monokulturen, die Nahrungsmittel auch für den Export produzieren, interessant. Kleinbauern dagegen würden dem Unkraut wie in alten Zeiten mit der Hacke zu Leibe rücken.

Für die gesteigerte Ernte würden aber mehr Erntearbeiter gebraucht, wodurch mehr Arbeitsplätze entstehen, aber auch neue Wege und Maschinen benötigt. Der Gewinn durch gentechnisch veränderte Pflanzen könne längerfristig zu einem erhöhten Lebensstandard führen, weil mehr Menschen ein höheres Einkommen erwirtschaften könnten, mit dem sie sich auch eine bessere Ernährung leisten könnten.

Der nächste Vortrag des Studium generale zur Welternährung beschäftigt sich am 27. Juni 2012 um 19.30 Uhr im Altbau der Hochschule mit der nachhaltigen Produktion von Nahrungsmitteln.


 


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