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  Zukunftsfähiges NT
 
Die Liebe zum Leben erwächst aus dem Todesgedenken - 27.11.2014
Am Totensonntag gingen die ersten Nürtinger „Stillen Tage“ zu Ende.

  (to) „Eine Reise ohne Wiederkehr / des Wanderers Rucksack / ist bodenlos.“ Mit diesem alten Haiku endeten am vergangenen Sonntag die „Stillen Tage – lebendig Abschied nehmen“, die vier Wochen lang in Nürtingen und Kirchheim das kulturelle Leben bereicherten.

Thomas Oser hat obige Verse ganz am Schluss der Matinee zum Totensonntag „endlich leben!“ im Nürtinger Bestattungshaus Riempp vorgetragen. Begleitet wurde er hierbei von der australischen Querflötistin Amanda Chominsky, der griechischen Sängerin Maria Amiradis und der japanischen Tänzerin Sawako Nunotani, die auf die Vielzahl der kurzen philosophischen und poetischen Texte mit ihren Künsten antworteten. Beeindruckend war nicht zuletzt ihre Darbietung der Arie „When I am laid in earth“ von Henry Purcell: Maria Amiradis saß zunächst gebeugt auf einem Stuhl und zog dann, während sie sang, langsam ein langes, rotes Tuch zu sich heran, genauso langsam schritt Sawako Nunotani auf sie zu.

Aber nicht nur solche kleinen szenischen Einsprengsel machten die Aufführung interessant: Amiradis, die sonst vor allem an Münchnern Opernhäusern singt, beeindruckte durch eine genauso präzise wie ausdrucksstarke Stimme. Nunotani, zusammen mit Amiradis Teil von vocaldanceONE, hatte ihren stärksten Part, als sie zu Bachs Sarabande sich auf einem Tisch filigran, mitunter fast akrobatisch bewegte. Chominsky zeigte ihre Klasse nicht zuletzt, als sie ganz zu Beginn bei Claude Debussys „Syrinx“ die darin zum Ausdruck kommenden Gefühle - zerbrechliche Ängstlichkeit und sehnendes Verlangen – feinsinnig ineinander fließen ließ.

So ausdrucksstark die Musik und der Tanz bei dieser Matinee waren, so vielseitig waren die Texte: Sie gingen von den Erfahrungen, die wir beim Tod von uns nahen Menschen machen aus: Schock, Erinnerung und Liebe; dann kreisten sie um das Thema „Todesgedenken“, wobei Thomas Oser einen Bogen von Montaignes Sterben lernen bis zu stimmungsvollen Haikus von Tomas Tranströmer schlug. Zum Schluss kam dann der Sterbeprozess selbst in den Blick, wobei nicht nur unschöne Arten wie fortschreitende Demenz (Kurt Marti) beschrieben wurden, sondern auch eine erhellende Nahtoderfahrung des ungarischen Schriftstellers Péter Nádas. Den Tenor der Texte brachte ein Ausspruch von Albert Schweitzer auf den Punkt: „Aus dem Todesgedenken kommt die wahre Liebe zum Leben.“

Die Resonanz vonseiten des Publikums war nicht nur bei dieser Abschlussveranstaltung der Stillen Tage gut. Bereits am Donnerstag berührten in der Alten Seegrasspinnerei Marion Musch und Michael Knopp mit ihrem Programm „Engel – wenn du sie suchst“ ihre Zuhörerinnen und Zuhörer.

Außer diesen beiden Veranstaltungen gab es im Rahmen der „Stillen Tage“ in Nürtingen und Kirchheim noch ein Vielzahl weiterer Veranstaltungen, die weitgehend gut besucht waren, und auch berührten: So auch die Lesung (link zu Artikel STTZ) mit der Autorin Angelika Nill über die Erfahrungen mit dem Tod ihres elfjährigen Kindes.

Die Resonanz auf Veranstaltungen, die öffentlich eine neue Trauerkultur befördern wollten, ermutigt die Veranstalter, im kommenden Jahr in die zweite Runde zu gehen – dann in engerer Abstimmung mit Initiativen, die bereits auf diesem Gebiet tätig sind.


 


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