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  Zukunftsfähiges NT
 
Gefangen in der Wachstumsspirale? - 27.1.2015
Das neue Nürtinger philosophische Café hatte am Sonntag Premiere

  (forumNT) Im Anfang war der Klang – dann erst kam das Wort. Diese für ein philosophisches Café ungewöhnliche Abfolge war am vergangenen Sonntag in der Alten Seegrasspinnerei mitzuverfolgen: Die Nürtinger Klangkünstlerin Alexandra Ott stimmte mit Gong, Klangschalen und anderen exotisch anmutenden Instrumenten auf die inhaltlichen Ausführungen von Otmar Braune zum Thema „Irrsinn und Sinn des Wachstums„ ein.

Dieser hatte im Herbst im Rahmen der Vortragsreihe „Forum zukunftsfähige Stadt – Nürtingen„ in der Freien Kunstakademie einen Vortrag über Alternativen zu unserer auf wirtschaftlichen Wachstum fixierte Gesellschaft gehalten. Zu Beginn des Cafés brachte er seine Kernthesen noch einmal auf dem Punkt: „Wie kann es sein, dass die Politik sich zwar Nachhaltigkeit auf die Fahnen schreibt, zugleich aber in ihrem konkreten Tun an dem verhängnisvollen Ziel eines unaufhörlichen Wachstums festhält?„

In diesem Widerspruch seien auch, so Otmar Braune, wir selbst befangen: Viele von uns wüssten oder spürten, dass ein unendliches Wachstum in einer endlichen Welt ein Irrsinn sei, zugleich hielten wir aber daran fest, den materiellen Wohlstand zu steigern, obwohl dieser zumindest in den westlichen Ländern nicht zu mehr Lebenszufriedenheit führe. Zum Ende seiner Ausführungen zitierte er den nigerianischen Schriftsteller Ben Okri: „Es ist seltsam, aber der materielle Erfolg hat uns in den seelischen und moralischen Bankrott geführt.„

Dieser Satz war der Ausgangspunkt für ein breitgefächertes Gespräch unter den rund 50 Gästen. Einig waren sich diese weitgehend darin, dass die Wachstumsspirale, in der wir gefangen sind, uns nicht zuträglich sei – doch wie man ihr entkommen könne, daran schieden sich die Geister. Manche äußerten Skepsis: Der wirtschaftliche Wachstumszwang sei ein Schicksal, dem wir auch dann nicht entkämen, wenn wir dies aufrichtig wöllten: zu übermächtig sei seine Herrschaft. Im Gegenzug wurde darauf verwiesen, dass jeder bei sich selbst anfangen könne, dass man darüber hinaus gemeinschaftlich Inseln eines schöneren Lebens mit mehr Muße und Kreativität schaffen könne, welche nach und nach auf die Gesellschaft ausstrahlten. Hierbei wurde unter anderem auf die Alten Seegrasspinnerei verwiesen.

Im Gegenzug zu all diesen Beiträgen wurde gefragt, ob wir dem wirtschaftlichen Wachstum und damit unserem materiellen Reichtum nicht unsere auch politische Freiheit zu verdanken hätten. Gekontert wurde mit der Feststellung, dass unsere Gesellschaft den Einzelnen mit einer Vielzahl von Zwängen konfrontieren würde: Wir seien gezwungen zu konsumieren, in Konkurrenz miteinander zu treten und unter einem unerhörten Zeitdruck zu leben – ein erfüllendes Leben sähe anders aus. Überdies würde unser Wohlstand auf Kosten der ärmeren Länder erkauft, deren Bürger unsere Freiheiten verwehrt würden.

Einen hohen Grad an Differenziertheit erreichte das Gespräch als Otmar Braune ausführte, dass unaufhörliches Wachstum nur bezüglich des Verbrauchs der materiellen Ressourcen unmöglich sei. Wir müssten unseren ökologischen Fußabdruck so klein halten, dass wir dauerhaft im Einklang mit der  Natur leben könnten, ansonsten drohe unter anderem der Klimakollaps.

Davon abgesehen sei aber in vielen Bereichen ein unendliches Wachsen nicht nur möglich, sondern geradezu wünschenswert: Wir Menschen hätten geradezu die Anlage, unaufhörlich zu wachsen, sagte ein Teilnehmer. Angeführt wurden dann die Bereiche des Wissens, der Bildung, der Kunst, der sozialen und persönlichen Beziehungen und nicht zuletzt der Spiritualität. All diese Ressourcen seien unerschöpflich und diese zu nutzen, darin läge auch letztlich der Sinn des menschlichen Lebens.

An letztere Zusammenhänge wird das nächste philosophische Café am 15. Februar um 11 Uhr in der Alten Seegrasspinnerei anknüpfen: Dann wird Andreas Mayer Brennenstuhl von der nn-akademie eingangs das Potential der Kunst für ein erfüllendes Leben in den Blick rücken.


 


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