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  Zukunftsfähiges NT
 
Die Hölderlinstadt als soziale Plastik - 5.2.2015
Andreas Mayer Brennenstuhl über Kunst und Leben im „Forum zukunftsfähige Stadt“

  (forumNT) „Lern im Leben die Kunst, im Kunstwerk lerne das Leben!“ Diese Aufforderung Friedrich Hölderlins darf in keinem Vortrag, in dem es um das Verhältnis der Kunst zum Leben geht, fehlen – zumal wenn dieser in Nürtingen gehalten wird.  So zitierte auch Andreas Mayer-Brennenstuhl diesen Ausspruch gleich zu Beginn seiner Ausführungen am vergangenen Mittwoch im Rahmen der Vortragsreihe „Forum zukunftsfähige Stadt – Nürtingen“ im Kulturverein Provisorium.

Dem Titel „Wie kann ‚Leben‘ neu gedacht werden? Fragen und Antworten aus der Sicht der Kunst“ wurde der Nürtinger Künstler und Kunstprofessor  gerecht, indem er zunächst einen großen Bogen spannte von den magischen Anfängen der menschlichen Erkenntnisweisen bis zu den Einsichten der modernen Wissenschaften. 

Was dies mit der Frage nach der Kunst zu tun hatte, wurde durch die Grundthese des Vortrags sogleich verdeutlicht:  „Der Mensch ist Geschöpf und Schöpfer in Personalunion,  jeder  Mensch ist seiner Natur nach ein ‚Künstler‘, ob er will oder nicht.“  Diese von Joseph Beuys inspirierte Einsicht umriss sogleich die Problemstellung des Vortrags: Wenn wir Menschen die natürliche Evolution mitgestalten und sie darüber hinaus kulturell überformen, dann kommt es darauf an, dass wir dies verantwortungsbewusst und im Einklang mit der Natur tun, ansonsten droht der ökologische Kollaps.

Für diese mögliche Katastrophe machte Mayer-Brennenstuhl das einseitig rationale Denken verantwortlich, das sich im alten Griechenland herausgebildet und fortan die abendländische Zivilisation geprägt hat – bis in unsere Tage. Diese Denkweise ermögliche dem Menschen zwar eine unerhörte Freiheit und einen ungeahnten technischen Fortschritt, zugleich führe diese aber auch zu einer heillosen Entfremdung des Menschen von der Natur. Denn abstrakte Rationalität  könne das Leben nur mechanistisch und äußerlich begreifen:  Statt zu einem lebendigen Zusammenwirken von menschlicher Schöpfung und natürlicher Evolution führe diese Denkweise zu einer zerstörerischen Unterwerfung der Natur.

An dieser Stelle könne, so die Sichtweise des Referenten,  die Kunst – unterstützt von neueren wissenschaftlichen Einsichten – als Korrektiv wirken. Denn von ihr ließe sich lernen, wie man mit und nicht gegen die Natur schöpferisch sein könne: Künstlerisches Handeln vertraue nämlich auf Intuition und schüfe damit wieder eine innere Verbindung zum Leben;  sie übe darüber hinaus Achtsamkeit und bewahre so den Lebensgrund – diese und zahlreiche weitere Charakteristika der Kunst lägen außerhalb der Reichweite modernen Rationalität und müssten deshalb dringend entwickelt werden, um den Planeten zu retten.

Von daher erklärte sich, dass für den Referenten Bildung eine kaum zu überschätzende Rolle spielt. Deshalb habe er auch die nn-akademie mit ins Leben gerufen – ein Weiterbildungs- und Forschungslabor, welches Potentiale der Kunst und Philosophie für ein zukunftsfähiges Leben erkundet.  Denn diese beiden Disziplinen eigneten sich als „ein ideales Übungsfeld  für den Ernstfall des Lebens“.

Dabei gehe es aber, so Mayer-Brennenstuhl,  nicht nur darum, schöne Bilder für eine Ausstellung zu malen, vielmehr sei für ihn ausgehend von Joseph Beuys der erweiterte Kunstbegriff leitend, wonach sowohl das persönliche als auch das gesellschaftliche Leben als ein künstlerischer Prozess zu begreifen ist.

Im anschließenden Gespräch ging der Referent noch ganz konkret auf die Hölderlinstadt ein: Gerade durch ihre Überschaubarkeit könne Nürtingen als eine Art von sozialer Plastik gesehen werden. Karl Heinz Türk, dessen Schüler Mayer-Brennenstuhl einst war,  hätte dies bei der Gründung der Freien Kunstakademie im Auge gehabt und an dieses Erbe gelte es heute wieder anzuknüpfen – zumal jetzt, da der Ideenwettbewerb für das Melchiorareal auch ein Kunst- und Kulturzentrum vorsieht. Aber auch unabhängig davon gäbe es in Nürtingen eine Vielzahl von Initiativen, die auf dem Weg seien, Nürtingen zukunftsfähiger zu mache.



 


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