Forum

  Nachrichten
Kommunalpolitik
Politik
Umwelt
Kultur
Stattzeitung aktuell
Sport
Nürtingen global
Jugend
Personalia
Verkehr
Arbeitswelt
Soziales
Geschichte
Bauen
Presseschau
Wirtschaft
Kurznachrichten
Zukunftsfähiges NT
NTegration
Veranstaltungstipp
Foto der Woche
EssBar
LesBar

  
Terminkalender
Veranstaltungen
Ausstellungen

  
Kulturtipps
Kneipentest
Bücher
Filme
Musik
Lyrik
Reisen
Hörbücher
NTouren
NThörBar
Musikmachende

  Schatzkästle
Fotogalerie
Fortsetzungsroman
Links
Was kochsch du?
Gabi Zapf (Roman)
Fundgrube
Rundschlag
Jahreszeiten
Hausmittel
Kleinanzeigen

  Über uns


 

  Zukunftsfähiges NT
 
Der ökologische Fußabdruck eines Riesen - 2.3.2015
Sven Simon referierte in der Vortragsreihe „Forum zukunftsfähige Stadt – Nürtingen“

  (forumNT) Die Zuhörer, die am vergangenen Mittwoch zu dem Vortrag „Der ökologische Fußabdruck eines Riesen“ von Sven Simon nach Unterensingen kamen, wurden zunächst von gemalten und collagierten Ansichten der schwäbischen Alb empfangen: ein vertrauter Anblick – nur auf den ersten Blick: Denn in den Bildern waren immer auch weiße Flächen ausgespart. Der Künstler Jörg Seemann wies einleitend darauf hin, dass uns durch unseren verschwenderischen Lebensstil auch mehr und mehr unsere heimatliche Landschaft verloren gehe.

Damit erwiesen sich die Bilder als ideales Sprungbrett für den Vortrag: Denn in diesem ging es nicht zuletzt auch um den weltweit steigenden Flächenverbrauch, welcher das ökologische Gleichgewicht bedrohe und auch der deutschen Landwirtschaft wertvolle Ackerböden entziehe. Insofern lag es nahe, dass sich Sven Simon auch immer wieder spannungsreich auf den Ort des Vortrags bezog: das Unterensinger Bauunternehmen Schwenk. Simon kritisierte nicht das Unternehmen, sondern die deutsche Politik, die den Wert von Ackerflächen unterschätze und gleichzeitig den Erhalt der vorhandenen Infrastruktur vernachlässige. Dies sei nicht nur ein ökologisches, sondern auch und vor allem ein großes wirtschaftliches und soziales Risiko.

In den weiteren Ausführungen des Referenten zeigte sich, dass dieser mit seinem Thema bestens vertraut ist: Simon ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule Konstanz für das Kompetenzzentrum Energiewende. Darüber hinaus engagiert er sich beim BUND und ist einer der Koordinatoren des „Forum zukunftsfähiges NT“, welches diesen Vortrag in Kooperation mit VHS veranstaltet hat.

Simon breitete ein weites Spektrum an ökologischen Krisenszenarien aus, welches derzeit die Existenz des Planeten, zumindest die der Menschheit bedroht. Dabei kamen zum Teil absonderliche Geschichten zum Vorschein: Weil bei uns vom Hähnchen meist nur die Brust verspeist wird, werden die anderen Teile nach Afrika verschifft und dort zu Dumpingpreisen verkauft – zum Schaden der einheimischen Landwirte. Außerdem fischten riesige westliche Fangflotten vor den Küsten Afrikas, weil die Meere im Norden schon völlig überfischt sind. In den Netzen der afrikanischen Fischer, die zum Teil von der EU als Entwicklungshilfe gespendet wurden, verfangenen sich dagegen immer weniger Fische.

Zudem beträfe der Klimawandel, der vor allem von den Industrieländern verursacht würde, Simon zufolge, insbesondere die ärmeren Länder. Die Schwemme von Altwaren aus den Ländern des Nordens, der Raubbau an den natürlichen Ressourcen, der Klimawandel und der häufig daraus folgende Wassermangel seien eine unheilvolle Kombination, die eine wirtschaftliche Entwicklung vielerorts unmöglich mache und zur Folge hätte, dass viele Menschen aus diesen Ländern in den Norden flüchteten. Deshalb zweifelte der Referent auch an, dass es sinnvoll sei, weiterhin pauschal in „gute“ Kriegsflüchtlinge und „schlechte“ Wirtschaftsflüchtlinge zu unterscheiden. Man müsse die Ursachen von Flucht in Zeiten des Klimawandels und angesichts unseres eigenen ökologischen Fußabdrucks wesentlich differenzierter betrachten. Solange eine wachsende Zahl von Menschen keine Existenzgrundlage im eigenen Land habe, würden die Flüchtlingsströme nicht abreißen. Helfen könne der Menschheit nur eine andere Ressourcenpolitik.

Simon beließ es deshalb auch nicht bei Katastrophenberichten: Im letzten Teil seines Vortrags führte er eine Vielzahl von Möglichkeiten auf, wie wir natürliche Ressourcen nachhaltig und fair nutzen können. Dabei reichte die Spanne der Vorschläge von einer ökologischen Steuerreform, welche vor allem den Ressourcenverbrauch und nicht die Arbeit besteuere und somit viele Arbeitsplätze sichern könne, über eine erfolgreiche Energiewende bis zu lokalen Projekten. Simon verwies darauf, dass es in Nürtingen beispielsweise seit einiger Zeit Gruppen gäbe, die solidarische Landwirtschaft betreiben und ein Repaircafé aufbauen.

Die Themen dieses Vortrags werden beim nächsten philosophischen Café am Sonntag, 15. März, um 11 Uhr in der Alten Seegrasspinnerei vertieft. Dabei wird es um die Frage gehen, wie lange wir uns unsere Konsumfreiheit im Westen noch leisten wollen angesichts der Tatsache, dass diese die Freiheit von Menschen in ärmeren Ländern massiv beschneidet. Der nächste Vortrag der Reihe „Forum zukunftsfähige Stadt – Nürtingen“ findet am 15. April um 19.30 Uhr statt. Dann wird Klaus Nägele vom Verein „Wohnen in Reudern“ über die Zukunftsfähigkeit gemeinschaftlichen Wohnens referieren.



 


Anzeigen




Impressum
© 2004-2017 Nürtinger STATTzeitung