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  Zukunftsfähiges NT
 
Zukunftsfähig Wohnen im Mehrgenerationenhaus - 26.4.2015
Klaus Nägele referierte vor großem Publikum

  (forumNT) Wie möchten wir in Zukunft wohnen? In Zeiten dramatischer Wohnungsknappheit erscheint diese Frage wie ein Luxusproblem. Dass es aber angesichts zunehmender sozialer Vereinzelung und ökologischer Bedenken wichtig ist, darüber nachzudenken, zeigte am Klaus Nägele bei seinem Vortrag „Leben in einem Mehrgenerationenhaus“ im Rahmen der Reihe „Forum Zukunftsfähige Stadt – Nürtingen“.

Beim Blick auf die Statistiken scheint die Antwort auf die Frage, wie die meisten Menschen wohnen möchten, eindeutig: alleine. Der Anteil der sogenannten Single-Haushalte nimmt seit vielen Jahren kontinuierlich zu und liegt mittlerweile bei rund 40 Prozent. Doch nicht jeder, der alleine wohnt, tut dies freiwillig. Die Ursachen der Vereinzelung sind ebenso vielfältig wie ihre Folgen. Die ökologischen und sozialen Auswirkungen werden allerdings oft vergessen.

Zwischen 1992 und 2012 ist die zu beheizende Wohnfläche um 28 Prozent von 36 m² auf 46 m² Quadratmeter pro Person gestiegen. Dieser Flächenzuwachs vollzog sich vor allem zu Lasten landwirtschaftlich genutzter Flächen. Zugleich stiegen die Nahrungsmittelimporte Deutschlands erheblich, was angesichts der weltweiten Verknappung der Ackerflächen alles andere als eine nachhaltige Entwicklung darstellt. Außerdem nehmen mit der Vereinzelung auch der Stromverbrauch und der Konsum von Haushaltswaren pro Person deutlich zu.

Nicht selten bedeutet die Vereinzelung aber auch Vereinsamung - vor allem in größeren Städten ist dies eine unübersehbare Tendenz, wobei ältere Menschen besonders betroffen sind. Eine Alternative hierzu stellte Klaus Nägele in seinem Vortrag vor: Als Mitbegründer des Vereins „WIR – Wohnen in Reudern“ erfanden er und seine Mitstreiter das Wohnen für sich neu. Seit zehn Jahren leben sie in einem ehemaligen Gewerbebau, den sie in Gemeinschaftsarbeit mit viel Kreativität zum Wohnbau umgebaut haben. „Unterm Strich war das viel günstiger als ein Neubau“, erklärte Nägele.
Das Gebäude ist allerdings nicht wie üblich in Eigentumswohnungen aufgeteilt. „Jeder zahlt seinen Anteil in die ‚Vereinskasse‘ und kann dafür hier wohnen“, führte Nägele aus: „Falls man irgendwann wieder auszieht, bekommt man exakt den Betrag zurück, den man zuvor beigetragen hat.“ Augenzwinkernd fügte Nägele hinzu, dass dieses Modell für Spekulanten natürlich nichts sei. Dafür biete dieses Konzept eine schöne Möglichkeit, etwas von dem finanziellen Druck aus dem Wohnungsmarkt zu nehmen.
Neun Wohnungen sind durch den Umbau in Reudern entstanden, mit knapp 40 Quadratmetern Wohnfläche pro Person. Diese sind nicht nur günstiger, sondern auch wesentlich geräumiger als viele Besucher erwartet hatten – nicht zuletzt weil die meisten keine Küche haben. Zwar gibt es die Anschlüsse dafür in jeder Wohnung, doch fast alle ziehen es vor, die Gemeinschaftsküche zu nutzen. „Alleine ist man hier nur, wenn man alleine sein will“, sagte Nägele, „wer das nicht will, findet beispielsweise beim Frühstück immer Gesellschaft.“
 
Schnell wurde den Vortragsgästen deutlich, dass das Lebensgefühl hier ein anderes ist, als in einer Eigentumswohnung. „Es fühlt sich anders an, wenn man hier nach Hause kommt“, erklärte eine „Mitbewohnerin“ Nägeles. „Wenn das Essen schon fertig ist und man sich einfach dazusetzen kann, ist das doch wunderbar.“ Einen Koch- oder Putzplan gibt es nicht. Jeder, der kocht, kocht gerne für drei oder vier andere mit. „Wenn etwas zu tun ist, wird es getan und nicht anderen überlassen.“ Das gleiche sich im Laufe der Zeit wunderbar aus und vermeide schlechte Stimmung. „Wir haben das nicht einmal geplant, das hat sich einfach mit der Zeit so entwickelt und als das Beste herausgestellt“, fügte Nägele hinzu.
 
Ob es sich dabei um eine zukunftsfähige Art Wohnens handelt? Offensichtlich, denn das Interesse der gut 50 Zuhörer war groß.

Wer Gleichgesinnte für ein ähnliches Projekt finden möchte, kann sich an das Forum zukunftsfähiges Nürtingen wenden: (07022 / 216166).
 
Um die Zusammenhänge zwischen Siedlungswachstum und Umweltschutz wird es unter anderem auch im nächsten Vortrag der Reihe gehen: Am 17. Juni um 19.30 Uhr wird Karl-Heinz Frey im Stadtmuseum über „Umweltschutz in Zeiten des Wachstumszwangs“ sprechen.



 


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