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  Zukunftsfähiges NT
 
Adrenalin oder Oxytocin - 3.5.2015
Beim philosophischen Café denk-art ging es am Sonntag um Kooperation oder Konkurrenz

  (forumNT) Das neue philosophische Café in Nürtingen hat nun auch einen eigenen Namen: denk-art. Moderator Thomas Oser führte am vergangenen Sonntag zu Beginn aus, dass beim sonntäglichen Philosophieren in der Alten Seegrasspinnerei nicht nur das gemeinsame Denken als eine Kunst zu begreifen sei, sondern dass auch immer künstlerische Elemente das Café bereichern sollten.

Dieses Mal übernahmen diesen Part die japanische Choreografin Sawako Nunotani und die afrobrasilianische Schauspielerin Pierangela: Die beiden zeigten eine teilweise improvisierte tänzerische Performance zum Thema des Cafés: Kooperation oder Konkurrenz. Zunächst sah man die beiden Tänzerinnen vereinzelt an zwei Tischen inmitten des Publikums sitzen, nach und nach begannen sie, sich unnatürlich zu bewegen: Sie verbogen sich, schlugen mit dem Kopf auf. Dann fanden sie zusammen, bewegten sich im Gleichklang, mitunter schienen sie fast aneinander zu kleben, irgendwann ergab sich ein gemeinsamer Tanz der Hände. Dieses harmonische Szenario brach jedoch wieder ab: bedrohliche Blicke wurden getauscht, ein zwanghaftes Versteckspiel begann, bis schließlich die beiden Tänzerinnen wieder auf Ihren Stühlen zu sitzen kamen.

Diese Performance war ein hervorragendes Sprungbrett für die Ausführungen von Klaus Nägele. Dieser hatte kürzlich in seinem  Reuderner Wohnprojekt WIR im Rahmen der Reihe „Forum zukunftsfähige Stadt“ einen Vortrag zum Thema „Gemeinschaftliches Wohnen“ gehalten. Da er außerdem Vorstand des Trägervereins Freies Kinderhaus ist, kann er als ein Praktiker kooperativen Lebens gelten. Am Sonntag war nun seine damit verbundene Philosophie gefragt: Klaus Nägele (Vorschaubild) führte aus, dass Kooperation letztlich spannender sei als Konkurrenz, letztere habe meist nur eine kurzfristige Wirkung und bedürfe fast zwanghaft stetiger Steigerung. Dagegen seien, so Nägele, kooperative Erfahrungen langfristig erfüllender, sie erforderten auch eine größere emotionale Kompetenz, da es bei Kooperationen immer auf gegenseitiges Vertrauen ankäme.

Im anschließenden Gespräch wurden verschiedene Modelle, wie Kooperation und Konkurrenz zusammengedacht werden könnten, vorgestellt. Ein Gast verwies auf indianische Gemeinschaften, in denen es sehr wohl Konkurrenz unter den einzelnen Mitgliedern gebe, diese sei aber eingebunden in ein Ganzes, das auf Kooperation beruhe.
Bemerkt wurde daraufhin, dass es sich in unserer modernen Gesellschaft gerade andersherum verhalte: Da würde beispielsweise in den einzelnen Unternehmen immer mehr kooperiert, aber nur mit dem Ziel auf dem Markt konkurrenzfähig zu sein. Das Herrschende in unserer Gesellschaft sei nicht die Kooperation, sondern die Konkurrenz. Dies sei letztlich kein Segen, wie neoliberale Ideologen meinten, sondern zeitige katastrophale ökologische und soziale Folgen.

Anthropologisch gesehen habe der Mensch, so ein anderer Gast,  aber sowohl die Anlage zur Konkurrenz als auch zur Kooperation, für erstere gebe es das Adrenalin, für zweitere das Hormon Oxytocin. Wie wir aber mit dieser spannungsreichen Disposition umgingen, stünde uns in gewissen Grenzen frei. Oft sei es so, dass es erst eines äußeren Feindes bedürfe, damit Konkurrenzen im Inneren überwunden würden. Heutzutage könnte dieser Feind der Klimawandel sein, doch dieser habe leider kein wahrnehmbares Gesicht und seine Auswirkungen ließen sich immer nur zeitlich versetzt erkennen.

Damit blieb die Frage am Sonntag offen, wie heutzutage die Kooperation über die Konkurrenz die Oberhand gewinnen kann. Dass aber Kooperation, nicht nur damit zu tun hat, sich selbst zurückzunehmen, sondern mehr noch damit, gemeinsam mit anderen zu wachsen, machte Oser deutlich, indem er am Ende einen Satz von Marianne Williamsen vorlas, den Nelson Mandela berühmt gemacht hat: „Wenn wir unser eigenes Licht erscheinen lassen, geben wir unbewusst anderen Menschen die Erlaubnis, dasselbe zu tun.“
 
 


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