Forum

  Nachrichten
Kommunalpolitik
Politik
Umwelt
Kultur
Stattzeitung aktuell
Sport
Nürtingen global
Jugend
Personalia
Verkehr
Arbeitswelt
Soziales
Geschichte
Bauen
Presseschau
Wirtschaft
Kurznachrichten
Zukunftsfähiges NT
NTegration
Veranstaltungstipp
Foto der Woche
EssBar
LesBar

  
Terminkalender
Veranstaltungen
Ausstellungen

  
Kulturtipps
Kneipentest
Bücher
Filme
Musik
Lyrik
Reisen
Hörbücher
NTouren
NThörBar
Musikmachende

  Schatzkästle
Fotogalerie
Fortsetzungsroman
Links
Was kochsch du?
Gabi Zapf (Roman)
Fundgrube
Rundschlag
Jahreszeiten
Hausmittel
Kleinanzeigen

  Über uns


 

  Zukunftsfähiges NT
 
Engagierter Umweltschutz am brasilianischen Neckarstrand - 25.6.2015
Karl-Heinz Frey referierte beim „Forum zukunftsfähige Stadt – Nürtingen“ im Stadtmuseum

  (forumNT) Sie heißen Knut oder Wilbär und sind, beziehungsweise waren, die Shooting-Stars der Tierwelt. Die allermeisten anderen Lebewesen fristen dagegen ein Schattendasein, sofern ihnen überhaupt ein Lebensrecht zugestanden wird. Dabei ist die Natur ein einziger großer Organismus, bei dem alle Wesen existenziell voneinander abhängen und zusammenwirken. Deshalb ist es wichtig, dass alle Tier- und Pflanzenarten erhalten bleiben.

Auf diese grundlegenden Zusammenhänge verwies Karl-Heinz Frey in seinem Vortrag „Umweltschutz in Zeiten des Wachstumszwanges“, den er im Rahmen der Reihe „Forum zukunftsfähige Stadt – Nürtingen“ am vergangenen Mittwoch im Stadtmuseum hielt. Er untermauerte seine These auch dadurch, dass er gerade solche Lebewesen auf die Leinwand projizierte, nach denen kein Hahn kräht oder die geradezu für entbehrlich gehalten werden, wie die in Nürtinger Gewässern selten gewordene spitze Sumpfdeckelschnecke oder die Quell-Erbsenmuschel, von lästigen Insekten wie der schwarzen Kammschnake ganz zu schweigen.

Otmar Braune bezeichnete in seiner Einführung Karl-Heinz Frey, der vor Kurzem die Stauffer-Medaille verliehen bekommen hat, als denjenigen Nürtinger, der die heimische Pflanzen- und Tierwelt am besten kennt: „Jede Ringelnatter im Bauernwald ist ihm persönlich bekannt.“ Braune verwies zugleich darauf, dass sein Mitstreiter beim BUND schon manchen Strauß mit den Behörden ausgefochten habe – leider habe er da oft auf Granit gebissen.

Dass Herr Frey ein unbequemer Naturschützer ist, zeigte sich auch am Mittwoch: Hart ging er mit dem herrschenden Wirtschaftssystem und seinen Apologeten ins Gericht: Wer glaube, dass permanentes Wirtschaftswachstum keinen Preis habe, sei entweder verblendet oder zumindest naiv. „Unser Wohlstandsstreben geht nicht zuletzt auf Kosten der Umwelt“, hob er hervor. Den nur scheinbar ökologischen Ausgleichsmaßnahmen  erteilte er eine Absage: So seien die Umsiedlungen von Eidechsen im Zuge der Bauarbeiten von Stuttgart 21 nichts weniger als zweifelhaft.

Fast in religiöse Bereiche wagte sich Karl-Heinz Frey vor, als er die Selbstherrlichkeit von uns Menschen im Umgang mit der Natur brandmarkte: Nur unser Wohlbefinden zähle, die anderen Lebewesen hätten dagegen keinen Selbst. „Damit sägen wir aber den Ast ab, auf dem wir Menschen sitzen, denn wir sind selbst nur ein Teil der Natur“, gab er zu Bedenken.

An die Stadtplaner (auch die in Nürtingen) gerichtet, sagte er, dass es mitunter das Beste sei, Flächen auch einfach mal frei zu lassen und nicht alles verplanen und ökonomisch verwerten zu wollen. An diesem Punkt zeigte sich, dass der Ort des Vortrages mit Bedacht gewählt war: Denn gleich neben dem Stadtmuseum erstreckt sich das Wörth-Areal, das in den letzten Jahren Schauplatz widerstreitender Planungsabsichten war.

Eine stimmige Bereicherung des Abends waren die brasilianische Sängerin Luze Machado und der Gitarrist Thomas Wagner, sie spielten Lieder aus ihrem Programm „Voz das Flores“ (Stimme der Pflanzen), das Chico Mendes gewidmet ist: Der brasilianische Gewerkschafter und Umweltschützer wurde von einem Großgrundbesitzer umgebracht, weil er sich zu sehr für den Regenwald engagiert hatte. Am Ende schlug Machado musikalisch einen Bogen von Brasilien nach Nürtingen, indem sie singenderweise eine Amazonas-Ente kurzerhand an den Neckarstrand versetzte.

Unvollständige Liste gefährdete Tiere und Pflanzen im Nürtinger Raum:
Spitze Sumpfdeckelschnecke (Viviparus contectus),
Flussdeckelschnecke (Viviparus viviparus),
Kleine Bachmuschel (Unio crassus),
Quell-Erbsenmuschel (Pisidium personatum),
Gemeine Erbsenmuschel (Pisidium casertanum).
Schwarze Kammschnake (Ctenophora atrata),
Große Goldkäfer (Potosia aeruginosa),
Gelbbraune Brachkäfer (Rhizotrogus aestivus),
Bremse (Tabanus sudeticus).
Violette Stendewurz (Epipactis purpurata),
Acker- und blaue Gauchheil (Anagallis arvensis + Anagallis foemina),
Reiherschnabel (Erodium cicutarium)
Waldgelbstern (Gagea lutea).


 


Anzeigen




Impressum
© 2004-2017 Nürtinger STATTzeitung