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  Zukunftsfähiges NT
 
Der Papst, Chico Mendes und die ökologische Frage - 26.6.2015
Das sechste denk-art Café stand unter dem Motto „Rettet die Natur!“

  (forumNT) Auch wenn Christen nicht gerne sehen, wenn am Sonntag etwas anderes als ein Gottesdienst stattfindet, wären sie wohl gegenüber dem sechsten philosophischen Café denk-art an diesem heiligen Tag nachsichtig gewesen: Denn in diesem ging es nicht zuletzt um die aktuelle päpstliche Enzyklika, in der Franziskus unter dem Titel „Über die Sorge für das gemeinsame Haus“ ausführlich auf die ökologische Frage eingeht. Das Gespräch vertiefte die Gedanken, die Karl-Heinz Frey am Mittwoch zuvor in seinem Vortrag „Umweltschutz in Zeiten des Wachstumszwanges“ im Stadtmuseum vorgetragen hatte.

Am Sonntag in der Alten Seegrasspinnerei, zu dem die Grötzinger Philosophin Christine Engel als Expertin eingeladen war, zeigte sich, dass der Papst und seine Kirche ein ernstzunehmender und überaus inspirierender Teil der gegenwärtigen Umweltbewegung ist. Dies nicht nur, weil er das zwanghafte ökonomische Wachstumsstreben und das einseitige technokratische Denken geißelt, sondern auch, weil er der Natur einen Wert unabhängig von menschlichen Verwertungsinteressen zuspricht und – in der Nachfolge Franz von Assisi – jedes einzelne Lebewesen liebevoll wertschätzt.

Diskutiert wurde am Sonntag auch der Zusammenhang der ökologischen mit der sozialen Frage. Auch hierzu finden sich in der Enzyklika klare Worte: „Es geht darum, die Klage der Armen ebenso zu hören wie die die Klage der Erde.“ Damit war auch die Brücke zu Chico Mendes geschlagen, der eingangs ausführlich gewürdigt wurde:
Der brasilianische Naturschützer setzte sich in den 1980er-Jahren für die Rechte der indigenen Kautschukpflanzer im Regenwald ein und verfasste mit diesen das „Manifest der Völker des Waldes“, in dem nur eine solche ökonomische Nutzung des Regenwaldes befürwortet wird, die die zerbrechlichen Kreisläufe dieses Biotops nicht beeinträchtigt. Sein Engagement bezahlte Mendes mit seinem Leben: 1988 wurde er von einem Großgrundbesitzer, der seinen Profit schwinden sah, ermordet.

Die konkrete Vision von Mendes fand unter den rund 30 Gästen des Cafés Zuspruch, war man sich doch einig, dass es um ein einträchtiges Zusammenwirken von Mensch und Natur gehe. Der Mensch dürfe weder als selbstherrliche Krone der Schöpfung gesehen werden noch als lästiger Pilzbefalll der Erde, der am besten so schnell wie möglich wieder verschwinden oder zumindest so gut gar nicht auf die Natur einwirken solle.
Pate für diese Sichtweise war nicht zuletzt der Künstler Joseph Beuys, der im künstlerischen Schaffen ein nachahmenswertes Modell für das menschliche Wirken in der Natur und Kultur sah. Gefragt sei darüber hinaus ein ästhetischer Zugang zur Natur, welcher vor der Kunst im werkhaften Sinne steht und eine Verbindung von Mensch und Natur ermöglicht. Ein solche sei dann wirklich gelebt, weil damit auch das Gefühl und die Sinne mit ins Spiel kämen. Rationale moralische Regeln, wie man mit der Natur umgehen solle, wurden in dem Café dagegen eher kritisch gesehen.

Bei aller Naturverbundenheit, die am Sonntag ausgedrückt wurde, wurde aber auch deutlich, dass die Natur nicht romantisch verklärt werden solle: Bei aller Schönheit und Zweckhaftigkeit berge sie immer auch einen Gefahrenpotential, gegen welches sich der Mensch zu Recht schütze. Nur dürfe er dies nicht in einer Weise tun, die alles noch viel schlimmer mache.

Das nächste denk-art Café am 12. Juli, welches vom Forum zukunftsfähiges NT, der nn-akademie und der Alten Seegrasspinnerei veranstaltet wird, führt diese Gedanken fort: Dann wird Professor Michael Weingarten aus Stuttgart Einblicke in Ernst Blochs Idee einer Allianz-Technik geben.


 


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