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  Zukunftsfähiges NT
 
Überflüssige Produkte und unnötige Arbeit - 16.10.2015
Christian Kreiß sprach in der Reihe „Forum zukunftsfähige Stadt – Nürtingen“

  (forumNT) Dank des großartigen technischen Fortschritts könnten wir zu einem guten Teil von unserer Arbeit entlastet werden und unsere hoch entwickelten Maschinen könnten Produkte herstellen, die zugleich nützlich und langlebig sind. All dies ist möglich, aber eben (noch) nicht wirklich – diese Auffassung vertrat Christian Kreiß in seinem Vortrag „Wirtschaftswachstum als Selbstzweck“ am vergangenen Mittwoch im mehr als voll besetzten Panoramasaal der Nürtinger Stadthalle. Eingeladen hatten den Professor für Finanzierung an der Hochschule Aalen die BUND-Ortsgruppe, die Volkshochschule Nürtingen und das Forum zukunftsfähiges Nürtingen.

Wie immer in der Reihe „Forum zukunftsfähige Stadt - Nürtingen“ stand am Anfang die Kunst: Der Unterensinger Maler Jörg Seemann schlüpfte in die Rolle eines Versicherungsmanagers und bot den Zuhörern humorvoll eine Police an, mit der sie sich gegen den Fall versichern können, dass die Erde von einem schwarzen Loch verschluckt wird.
So etwas brauchen wir natürlich nicht. Und doch in unsere Realität nicht allzu weit davon entfernt: Allerorten Produkte, deren Gebrauchswert zumindest zweifelhaft ist und die unnötig kurzlebig sind – unter anderem deshalb, weil sie gar nicht oder nur sehr schwer repariert werden können. Davon wissen nicht zuletzt die bei dem Vortrag zahlreich vertretenen Freiwilligen des Repair-Cafés in der Alten Seegrasspinnerei ein Lied zu singen.

Für ihre  Suche nach Hintergründen und Lösungen war Kreiß der richtige Fachmann, denn er hat nicht nur das Buch „Geplanter Verschleiß“ geschrieben, er hat außerdem ein vielbeachtetes Gutachten verfasst, das über den Bundestag bis hin zur Bild-Zeitung für Aufsehen sorgte. Insofern war es nicht überraschend, dass der Referent mit einer Vielzahl von einschlägigen Beispielen aufwarten konnte: der Drucker, der just nach der Garantiezeit seinen Geist aufgibt, die elektrische Zahnbürste, deren Akku eingeschweißt ist und deshalb nicht ausgetauscht werden kann.

Kreiß nahm da insbesondere die Großkonzerne ins Visier: Diese trieben uns mit bedenklichen Mitteln dazu an, immer mehr und immer schneller zu konsumieren. In diesem Zusammenhang kritisierte er auch die Werbung, die mehr verschleiere als informiere, die Produkte nur teurer mache und uns zudem dazu bringe, Dinge zu kaufen, die wir nicht wirklich brauchen.
Die Folgen seien, so Kreiß, nicht nur immer höher wachsende Müllberge und unverantwortlicher Ressourcenverbrauch, sondern auch fahrlässige Verschwendung unserer wertvollen Lebenszeit. Wenn wir dagegen ökologisch und menschengerecht produzierten, könnten wir mehr Zeit für den sozialen und kulturellen Bereich verwenden, was schon allein wegen des demografischen Wandels mehr als nötig sei. Oder aber wir könnten die Wochenarbeitszeit um ein paar Stunden senken oder unseren Urlaub verlängern, was vor allem den Familien zugutekäme.

Dass die aktuellen Trends aber in die entgegengesetzte Richtung liefen, dafür machte Kreiß nicht einmal die Konzernchefs verantwortlich, sondern unser irrationales Wirtschaftssystem, dem ein Wachstumszwang eingeimpft sei. Dieser ließe keine andere Wahl, als die Gewinne Tag für Tag zu steigern. Wer nicht mitziehe, würde einfach durch den nächsten ersetzt. Auf der Strecke blieben, so Kreiß, meist die Moral und die Wahrheit.

Kreiß ist davon überzeugt, dass auch ein anderes Wirtschaften möglich ist, und verwies auf den Ökonom Niko Paech, der die Grundlinien einer Postwachstums-Ökonomie ausgearbeitet hat und am 6. November in der Kirchheimer Stadthalle hierzu einen Vortrag halten wird.

Wie Paech sieht auch Kreiß vielfältige Möglichkeiten, wie sich Einzelne für einen Wandel des Systems stark machen können. Falsch wäre es auf jeden Fall auf die Politik zu warten, vielmehr könne jeder sich einfach fragen: „Was brauche ich wirklich?“ und so sein Konsumverhalten verändern. Des Weiteren nannte Kreiß auch ein Vielzahl von Initiativen, die ihn hoffnungsfroh stimmten: Car-Sharing, Slow-Food und eben Repair-Cafés zum Beispiel, von denen es nicht nur in Deutschland immer mehr gäbe.

Am Ende seines Vortrags verwies Kreiß – mit Bezug auf Albert Schweitzer und andere – auf eine noch tiefere und grundlegendere Dimension: Die dringend erforderliche Transformation unseres Systems beruhe nicht zuletzt darauf, dass wir jedem Menschen und Wesen mit Achtung und Mitgefühl begegneten.   
 


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