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  Zukunftsfähiges NT
 
Lebendige Demokratie ist wie ein künstlerischer Prozess - 15.11.2015
Beim denk-art-Café ging es um das Unvorhergesehene und Unberechenbare

  (forumNT) „Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können.“ Dieser Nietzsche-Satz spielte eine prominente Rolle am vergangenen Sonntag beim denk-art-Café in der Alten Seegrasspinnerei. Der Physiker Alfred H. Dürr und der Kunstdozent Andreas Mayer-Brennenstuhl hinterfragten dabei die Tendenz der Wissenschaften und Technik, alles Unvorhergesehene auszuschließen, um damit alles zu kontrollieren.

Dürr ging dabei unter anderem auf das Phänomen der Fraktale ein, welche der amerikanisch-französische Mathematiker Benoît Mandelbrot in den 1970er-Jahren erstmals systematisch erforscht hatte. Dieser Begriff besagt, dass selbst in der Geometrie nicht alles genau gemessen und berechnet werden kann. Dürr führte mit Bezug auf die Quantenphysik aus, dass dies nicht der Ungenauigkeit unserer Messinstrumente geschuldet sei, sondern in der Sache selbst liege. Er kritisierte, dass die Wissenschaft unreflektiert davon ausgehe, dass ihre Denkstrukturen mit dem Wirklichen übereinstimmen.

Insbesondere lebendige Prozesse, aber auch Phänomene wie das Wetter, seien immer so verfasst, dass sie sich prinzipiell nie genau vorausbestimmen ließen. In diesem Zusammenhang verwies Dürr auf den so genannten „Schmetterlingseffekt“, der in der Chaos-Forschung eine  bedeutende Rolle spielt: Ein minimales Ereignis wie der Flügelschlag eines Schmetterlings kann demnach gewaltige Folgen zeitigen.

An diese naturwissenschaftlichen Ausführungen knüpfte Mayer-Brennenstuhl an und zog daraus Schlüsse für die Kunst und das Feld des Ästhetischen. Zunächst präsentierte er Bilder, die – eindrucksvoll eingefärbt – fraktale Gebilde zeigten. Die Frage, ob dies wirkliche Kunst sei, beantwortete Mayer-Brennenstuhl dahingehend, dass Computer-Simulationen weit hinter realen lebendigen Systemen zurückblieben. Auch bedeutende Maler kämen dem wirklichen Leben wesentlich näher als noch so leistungsstarke Computer.

Überhaupt verläuft Mayer-Brennenstuhl zufolge künstlerisches Schaffen analog zu lebendigen Prozessen: Beide bewegen sich im Spannungsfeld von Kontingenz (Zufall) und Kohärenz (sinnhaftem Zusammenhang). Ohne erstere erschiene ein Werk starr und leblos, ohne letztere käme nur ein wildes Durcheinander heraus.

Diesen Befund übertrug Mayer-Brennenstuhl sodann auf gesellschaftliche Prozesse: „Demokratie kann von der Kunst lernen“ – so die These des Kunstdozenten, der diese  sinngemäß wie folgt erläuterte: Eine gelebte Demokratie unterscheide sich sowohl vom Herrschaftsanspruch eines Führers beziehungsweise eines universalen Gesetzes als auch von der Strategie der Destabilisierung, welche jegliche Handlungsfähigkeit verunmögliche.

Im zweiten Teil dieses denk-art-Café wurde die Diskussion auf die einzelnen Tische verlagert, so dass jeder Besucher die Möglichkeit hatte, sich mitzuteilen. Dabei ging es dann vor allem um den persönliche Aspekt des Themas: Wie kann unser Leben gelingen, wenn wir uns eingestehen, dass wir weder alles planen und kontrollieren noch auf Verlässlichkeit ganz verzichten können.

Das nächste denk-art-Café findet am 6. Dezember statt. Dann geht es vor dem Hintergrund der Flüchtlingsfrage um das Thema „Der Andere – zwischen Vergötterung und Verdammung“.


 


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