Forum

  Nachrichten
Kommunalpolitik
Politik
Umwelt
Kultur
Stattzeitung aktuell
Sport
Nürtingen global
Jugend
Personalia
Verkehr
Arbeitswelt
Soziales
Geschichte
Bauen
Presseschau
Wirtschaft
Kurznachrichten
Zukunftsfähiges NT
NTegration
Veranstaltungstipp
Foto der Woche
EssBar
LesBar
Leserbriefe

  
Terminkalender
Veranstaltungen
Ausstellungen

  
Kulturtipps
Kneipentest
Bücher
Filme
Musik
Lyrik
Reisen
Hörbücher
NTouren
NThörBar
Musikmachende

  Schatzkästle
Fotogalerie
Fortsetzungsroman
Links
Was kochsch du?
Gabi Zapf (Roman)
Fundgrube
Rundschlag
Jahreszeiten
Hausmittel

  Über uns


 

  Zukunftsfähiges NT
 
Mythos Aufklärung? - 21.6.2016
Das Café denk-art hinterfragte die Überheblichkeit der westlichen Kultur

  (forumNT) Eigentlich war die Aufklärung im 18. Jahrhundert angetreten, alle Mythen mittels der Vernunft hinter sich zu lassen. Ob die Menschen der westlichen Kultur infolge dieser geistige Bewegung wirklich mehr von sich und der Welt verstehen oder ob sie sich zu Unrecht darauf etwas einbilden, darum ging es beim Café denk-art am vergangenen Sonntag in der Alten Seegrasspinnerei.

Das Forum zukunftsfähiges Nürtingen, die Volkshochschule und das nn-institut hatte den Nürtinger Kunstdozenten Andreas Mayer-Brennenstuhl eingeladen, über die Frage "Mythos Aufklärung?" zu referieren. Vor gut 30 Gästen beleuchtete dieser die Entwicklung vom Mythos zum Logos und endete schließlich bei der epochemachenden Schrift "Dialektik der Aufklärung" von Horkheimer und Adorno, den beiden Koryphäen der Frankfurter Schule. Diese stellten in ihrem 1947 erschienenen Buch die provokante These auf, dass die Aufklärung durch den mit ihr einhergehende einseitigen Rationalismus mittverantwortlich für das Aufkommen des Faschismus gewesen sei. Denn obwohl diese Mythologie mythengeschwängert sei, sei sie letztlich auch eine Ausgeburt der instrumentellen Vernunft.

Zunächst entwickelte Mayer-Brennenstuhl aber einen positiv besetzten Begriff des Mythischen. In diesem würden sich kollektive Bilder und Geschichten verbergen, die von Dichtern und anderen Künstler ins Bewusstsein gehoben würden. Rein rational ließen sich diese nicht erschließen, vielmehr bedürfe es hierfür auch intuitiver Zugänge.

Demgegenüber, so Mayer-Brennenstuhl, setze die Aufklärung, die letztlich bis in die griechische Antike zurückreiche, auf ein streng logisches und lineares Denken. Lebendige Phänomene könnte ein solches aber nicht erfassen, weil diese widersprüchlich verfasst seien und Widersprüche von dieser Form des Denkens ausgeschlossen würden. Dies führe zu einer gewissen Lebensfeindlichkeit.

Mayer-Brennenstuhl zeigte sich zuversichtlich, als er behauptete, dass dieses einseitig rationale Denken seinen Horizont inzwischen schon überschritten habe. An Jean Gebser anknüpfend sah er ein integrales Denken heraufziehen, in welchem mythisches und logisches Denken miteinander verbunden seien.

Natürlich durfte bei dem Kunstdozenten auch ein Verweis auf Joseph Beuys, der selbst moderne Mythen schuf, nicht fehlen. Dieser hatte einmal sinngemäß behauptet, dass esnicht um eine bloße Regression in den mythischen Strom gehe, sondern vielmehr darum, das Mythische in das moderne, selbstbewusste Denken des freien Menschen gewandelt zu intergrieren.

Ein ähnliches Programm hatte - damit nahm der Referent auf das vorige denk-art-Café Bezug - bereits Hölderlin im Sinn, als er in jungen Jahren zusammen mit seinen Mitstreitern Schelling und Hegel eine "neue Mythologie" gefordert hatte - eine Mythologie mithin, die sich als anschlussfähig an die neuzeitliche Vernunft erwies.

Die Diskussion mit den Publikum war überaus vielschichtig: Herausgestellt wurde dabei unter anderem, dass das Mythische als solches keinesfalls an sich wahr sei, vielmehr bedürfe es eines anderen Maßstabes, um dies zu beurteilen. Vor dem Hintergrund, dass eine Grundschrift des Faschismus den Titel "Der Mythos des 20.Jahrhunderts" trug, wurde zudem moniert, dass der Referent das Mythische zu affirmativ auf Kosten des Rationalen dargestellt habe.

Im nächsten Café denk-art am 10. Juli führt Henning Köhler in die Philosophie der Kindheit ein und vertieft damit das Thema seines Vortrages "Gleingendes Aufwachsen" am 30. Juni um 19.30 Uhr im Innenhof der Alten Seegrasspinnerei.


 


Anzeigen




Impressum
© 2004-2017 Nürtinger STATTzeitung