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  Zukunftsfähiges NT
 
Von der Zwiespältigkeit der Transparenz - 9.11.2016
Im Café denk.art wurde über die Kommunikation in Internet diskutiert

 

(forumNT) Das Internet begann vor gut 20 Jahren als ein großes Versprechen und zeigt heute mehr und mehr seine Schattenseiten. Diesen Befund veranschaulicht auf drastische Weise der amerikanische Autor Dave Eggers in seinem Roman „The Circle“, in welchem er eine Horrorvision totaler Transparenz ausgemalt hat.

Der Schauspieler Helmut Grygiel trug im Café denk.art am vergangenen Sonntag in der Alten Seegrasspinnerei Passagen aus diesem Roman vor und gab so dem Nürtinger Philosophen Thomas Oser eine inspirierende Vorlage für seine Ausführungen zum Thema „Transparenz – Karriere eines zwiespältigen Konzepts“.

Ohne berechtigten Forderungen nach mehr Transparenz vor allem in den Sphären der Politik und Wirtschaft  zu widersprechen, stellte er heraus, dass das Verborgene, Geheimnisvolle und auch Dunkle notwendig  zum Leben gehöre. Verborgenes und Offenbares seien dialektisch miteinander verbunden, was bedeute, dass das eine mit dem anderen immer Hand in Hand gehe. Deshalb gelte es vor allem im Bereich des Persönlichen das Verborgene zu bewahren – nicht zuletzt in Zeiten, in denen wir zunehmend unter Druck gesetzt würden, uns transparent zu machen.

Oser führte aus, dass wesentliche Phänomene insbesondere des zwischenmenschlichen Seins durch ein Zuviel an Transparenz beeinträchtigt oder geradezu verunmöglicht würden: So berge eine jede wahrhafte Begegnung immer eine Überraschung in sich, ein Gespräch lebe von ahnungsvollen Andeutungen und das Erotische sei nichts anderes als ein Wechselspiel von Verbergen und Offenbaren. Nicht zuletzt verhindere radikale Transparenz, vertrauensvoll anderen Menschen und der Welt zu begegnen. Vertrauen, ohne welches ein Mensch nicht einen Augenblick leben könne,  setze nämlich immer ein gewisses Nicht-Wissen voraus.

Im Weiteren spitzte Oser seine These zu: Die aktuellen Tendenzen, in sozialen Netzwerken und in Talkshows endlos Persönliches preiszugeben, sei gerade nicht Ausdruck einer wirklichen Offenheit, sondern vielmehr einer grundlegenden Verschlossenheit. In diesem Phänomen spricht sich Oser zufolge auf pervertierte Weise der ernstzunehmende Wunsch aus, gesehen zu werden.

Legte Oser somit auf der einen Seite ein Weniger an Transparenz nahe, so plädierte er mit Blick auf Facebook & Co. sowie auf die Geheimdienste wie die NSA für ein Mehr an Transparenz. Es sei nämlich perfide, dass gerade diejenigen, die uns am liebsten ganz durchsichtig hätten, selbst weitgehend intransparent agierten.

Am Ende las Oser ein Statement des Netzaktivisten Chris Mayer vor, der als Referent angekündigt war, wegen einer Erkrankung aber nicht am Café denk.art teilnehmen konnte. Mayer warnte davor, dass man wegen diffuser Ängste einer immer mehr sich ausweitenden Überwachung zustimme. Diese geschehe aktuell durch die Beschwörung der Terrorgefahr. Weniger der Terror, sondern vielmehr die ihn als Argument nutzende staatlichen Überwachungsbestrebungen würden die Freiheit unserer Gesellschaft gefährden. 

In diesem Zusammenhang zitierte Mayer einen Satz von Edward Snowden: „Die Privatsphäre macht den Kern dessen aus, was wir sind, sie ist das Recht einen unabhängigen Geist zu entwickeln.“ Fühlten wir uns aber überwacht, so Mayer, würden wir – dies hätten wissenschaftliche Studien ergeben – uns selbst zensieren, weil wir tendenziell den Erwartungen unserer Beobachter entsprechen wollten.

Unser Verhalten in den so genannten sozialen Netzwerken betreffend plädierte Mayer für Datensparsamkeit und wirksame Verschlüsselung. Dies sei auch deshalb geboten, weil die Geheimdienste weitgehend Zugriff auf unsere Daten im Internet hätten.



 


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