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  Zukunftsfähiges NT
 
Von der Wirksamkeit der Kunst - 28.11.2016
Das Café denk.art drehte sich um die Kulturphilosophie K.H. Türks

 

(forumNT) Dass K. H. Türk nicht nur ein bedeutender bildender Künstler und der Gründer zweier Nürtingen Kunstschulen war, sondern auch ein profunder Kulturphilosoph, wurde kürzlich beim Café denk.art in der Alten Seegrasspinnerei deutlich: Andreas Mayer-Brennenstuhl, einst sein Assistent und Mitarbeiter, referierte vor fast 40 Gästen über Türks Gedanken zur Kunst, die dieser in seinem Hauptwerk „Wir sind noch immer der erste Mensch“ festgehalten hat.

Mayer-Brennenstuhl, der aktuell dem  Nürtinger nn-institut vorsteht, stellte klar, dass mit dem Titel nicht gemeint sei, wir heutigen Menschen lebten immer noch in der so genannten Steinzeit. Vielmehr hätte Türk damit zum Ausdruck bringen wollen, dass uns Heutigen noch immer die Urgestalt des Menschen in verborgener Weise zugrundeliege und uns aufgeben sei, diese bewusst zu entfalten.

Von diesem Gedanken aus ergab sich eine Verbindung zu Goethes Ideen von der „Urgestalt“. An diese Gedankenwelt habe Türk ebenso angeknüpft wie an die Hölderlins und der romantischen Naturphilosophie. Nicht zuletzt aus diesen Quellen speist sich Mayer-Brennenstuhl zufolge auch der intuitive Denkstil Türks.

Dieser habe ihn bei manch einem Kunstprofessor in Verruf gebracht. Doch Mayer-Brennenstuhl verteidigte Türks Denkstil: Was dem Künstler ohne zu Zaudern zugebilligt würde, nämlich dass er intuitiv zu Werke gehe, müsse auch dem Denker erlaubt sein, zumal neuerdings in der Philosophie die Idee einer ästhetischen Vernunft, welche sich von der reinen Ratio abhebt, stärkere Beachtung findet.

Beim ästhetischen oder intuitiven Denken gehe es nicht, so führte Mayer-Brennenstuhl anschaulich aus, vorrangig darum das sinnlich Gegebenebegrifflich exakt zu klassifizieren. Vielmehr verweile ein solches Denken zunächst bei der Vielfalt des Wirklichen und suche sodann assoziativ nach Ähnlichkeiten zwischen dem, was auf den ersten Blick divergent erscheint. Die Welt zerfalle dann nicht in isolierte Einzeltatsachen, sondern erscheine eher als ein frei zusammenhängendes Ganzes.

Die Gefahr eines solchen Denkstils ist Mayer-Brennenstuhl zufolge, dass man irgendwann in bloßer Phantasterei endet und überhaupt nichts mehr auf den Punkt bringen kann. Auch Türk sei dieser Versuchung teilweise erlegen, auch deshalb plädierte der Referent – anknüpfend an die moderne Kreativitätsforschung – entschieden für einen integralen Ansatz: Divergierendes und zentrierendes Denken solle sich immer wieder abwechseln und so die Extreme relativieren.

Im Weiteren fasste Mayer-Brenennstuhl prägnant und erhellend die universalistische Sicht Türks auf die menschliche Kulturgeschichte zusammen: Veranschaulicht durch projizierte menschliche Portraits wurde deutlich, dass beginnend mit der Urzeit die Tendenz zu einem Mehr an Individualität gegangen sei. Ihren zwischenzeitlichen Höhepunkt habe diese Entwicklung in der Renaissance erreicht.

Türk habe die fortschreitende Individualisierung nicht kritisiert, ganz im Gegenteil sei für ihn – so Mayer-Brennenstuhl – die freie Individualität im Sinne Goethes und Rudolf Steiners geradezu die Voraussetzung für „die zukünftige Menschheit“ gewesen. Allerdings bestünde die Gefahr, dass die einzelnen Individuen sich mehr und mehr in Egoismen verstrickten, was ein wesentlicher Grund für das Unheil in der Moderne sei. Die Aufgabe der Kunst habe Türk deshalb letztlich darin gesehen, dass sich der einzelne Mensch von seinem Ego frei mache, woraus sich auch erkläre, warum Türk die Kunsttherapie so sehr am Herzen gelegen habe.

Zumindest in seinen theoretischen Schriften habe Türk diesen Gedanken nicht nur auf das Individuum bezogen, sondern auch auf das gesellschaftliche Leben im Ganzen. In seinem Hauptwerk habe Türk sich nämlich an mehreren Stellen affirmativ auf Joseph Beuys und seine Konzeption der sozialen Plastik bezogen. Dieser Gedanke münde bei Türk schließlich in die Idee, dass Kunst letztlich auch Kulturtherapie sei – ein Gedanke, den weniger Türk selbst als vielmehr einige seiner von ihm inspirierten Schüler und Schülerinnen in die Tat umzusetzen versuchen.

 

 

 


 


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