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  Zukunftsfähiges NT
 
Willkommensstadt Schwäbisch Gmünd - 25.11.2016
Die Flüchtlingsbeauftragte Daniela Dinser sprach in der Reihe "Forum zukunftsfähige Stadt - Nürtingen"

 

(forumNT) „Ich möchte nicht nur zeigen, wie wir in Schwäbisch Gmünd Flüchtlingen willkommen heißen, ich möchte auch Anregungen aus Nürtingen für meine Arbeit mitnehmen.“ Mit diesem Wunsch begann Daniela Dinser, Flüchtlingsbeauftragte der Stauferstadt, kürzlich in der Alten Seegrasspinnerei ihren Vortrag „Der Gmünder Weg – Über die Teilhabe von Geflüchteten in einer Stadtgesellschaft“.

Dieser fand im Rahmen der Reihe „Forum zukunftsfähige Stadt – Nürtingen“ und den Nürtingen Friedenswochen statt. Eingeladen hatte das Forum zukunftsfähiges Nürtingen und das Netzwerk Flüchtlingsarbeit in Nürtingen (NFANT), gekommen waren rund 65 Interessierte, von denen viele in der Arbeit mit Flüchtlingen aktiv sind.

Mediales Aufsehen erregte Schwäbisch Gmünd zunächst dadurch, dass die Stadt während der Landesgartenschau 2014 Flüchtlinge als Kofferträger mit Strohhut am Bahnhof eingesetzt hatte – allerdings nur für einen Tag. Denn es hagelte Kritik: Von einem kolonialistischen Gehabe war die Rede. Dinser rechtfertigte am Montag dennoch diese Aktion. Das mit den Strohhüten sei zwar keine gute Idee gewesen, aber auf diese Weise sei auf die prekäre Situation von Flüchtlingen hingewiesen und so eine wichtige politische Diskussion ausgelöst  worden.

In der Folge sei, so Dinser,  der „Gmünder Weg“ – so nennt sich das Integrationskonzept der Stadt – eine Erfolgsgeschichte geworden. Dies ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass es im Gmünd eine starke Lokomotive gibt – genauer gesagt sogar zwei. Dinser betonte nämlich, dass in ihrer Stadt Landrat und Oberbürgermeister an einem Strang zögen. Sie hätten das „Bündnis für Menschlichkeit“ auf den Weg gebracht, in das sich über hundert Hauptamtliche und Ehrenamtliche eingebracht hätten.

Welch großen Stellenwert die Integration von Flüchtlingen in Schwäbisch Gmünd hat, zeigt sich schon allein darin, dass Dinser in der dortigen Verwaltung eine Stabsstelle bekleidet und somit unmittelbar dem Oberbürgermeister zugeordnet ist. Auch der Name lässt aufhorchen: „PFIFF“ – die Abkürzung steht für  „Projektstelle für Integration und für Flüchtlinge“. Diese ist in einem Gebäude untergebracht, in dem auch Organisationen wie der Arbeitskreis Asyl, die Caritas und die Diakonie einen Raum haben. Hier laufen alle Fäden zusammen, die mit der Integration von Flüchtlingen und Migranten zu tun haben. 

Der Gmünder Weg beginne, so Dinser, mit einen individuellen Willkommensgespräch: Jeder neue Flüchtling würde, sofern er dies wolle, fast im wörtlichen Sinne an die Hand genommen und ins Rathaus eingeladen. Dort würde man ihm nicht nur zeigen, dass er willkommen sei, sondern ihn auch darauf hinweisen, welche Möglichkeiten der Förderung und der Teilhabe er habe.

Zentrale Etappen des Gmünder Wegs sind die dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen, welche, so Dinser, eine Ghettoisierung verhindere, und natürlich die Sprachförderung. Das Besondere in der Stauferstadt sei, so Dinser, dass  die Grundkenntnisse der deutschen Sprache ausnahmslos von ehrenamtlichen pensionierten Lehrern vermittelt würden. Diese kämen täglich zu festgelegten Zeiten in die Unterkünfte. Am Ende gäbe es dann eine offizielle Prüfung und eine vom Landrat unterschriebene Urkunde.

„Wenn es um die Bildung der Flüchtlinge geht, ist das freiwillige Engagement und die Spendenbereitschaft der Bürger in Schwäbisch Gmünd sehr groß“, sagte Dinser. Doch gehe es nicht nur darum, dass sich Ehrenamtliche für Flüchtlinge engagieren, sondern auch darum, dass Flüchtlinge im Ehrenamt tätig würden.

Erst so stelle sich eine gewisse Balance zwischen Nehmen und Geben ein. Dinser berichtete von der kniffligen, aber letztlich erfolgreich gemeisterten Herausforderung, einige Flüchtlinge in die Gmünder Feuerwehr zu integrieren. Auch bei der Landesgartenschau seien Flüchtlinge unter denselben Bedingungen wie einheimische Freiwillige eingesetzt worden. Und als Flüchtlinge in Gmünd für die Erstaufnahmeeinrichtung Ellwangen Kinderbetten gezimmert hätten, sei der Erlös der Obdachlosenhilfe zugutegekommen. Dies sei, so Dinser, ein wichtiges Zeichen dafür gewesen, dass Bedürftige sich nicht gegeneinander ausspielen ließen.

In diesem Zusammenhang räumte Dinser ein, dass auch in ihrer Stadt nicht alle die neuen Mitbürger willkommen heißen würden. Doch der Landrat und der Oberbürgermeister hätte es bisher immer geschafft, dass die Stimmung insgesamt gut sei. So hätte letzterer in seiner Neujahrsansprache beispielsweise dazu aufgerufen, dass jeder Gmünder einem anderen zur Seite zu stehen solle. Auf diese Weise habe er an die generelle Solidarität in der Kommune appelliert, in die die Flüchtlinge zwar einbezogen seien, aber eben alle anderen Bedürftigen auch.

In der anschließenden Fragerunde zeigte sich ein reges Interesse am Gmünder Integrationsmodell. Die Folge war, dass Dinsers Wunsch, auch etwas von der Nürtinger Flüchtlingsarbeit mitzubekommen, leider unerfüllt blieb. Deshalb entschlossen sich die Veranstalter ihr alsbald eine lose Dokumentation der Nürtinger Flüchtlings-Projekte als Geschenk zukommen zu lassen.

 


 


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