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  Zukunftsfähiges NT
 
Einblicke in den Erfahrungskern der Religionen - 9.12.2016
Im Café denk.art ging es am vergangenen Sonntag um das Wesen des Spirituellen

 

(forumNT) Lag es am Thema oder am Datum oder am beidem zusammen? Jedenfalls strömten am zweiten Adventssonntag rund 70 Menschen zum Café denk.art in der Alten Seegrasspinnerei um etwas über das Wesen des Spirituellen zu erfahren. Dabei ging es aber gar nicht um spezifisch christliche Inhalte wie die Erinnerung an die Geburt Jesus, vielmehr legte der Nürtinger Philosoph Thomas Oser dar, dass spirituelle Erfahrungen auch ohne religiöses Beiwerk möglich sind.

Dies war auch gleich die erste These, die Oser in seinem Eingangsreferat ausgeführt hat: „Spiritualität kann mit Religion, also mit einer bestimmten Glaubenslehre, einhergehen, muss es aber nicht.“  Wenn aber ersteres der Fall sei, dann bildeten spirituelle Erfahrungen meist den gelebten Kern einer Religion.

Oser ließ im Folgenden offen, ob allen Religionen letztlich die gleichen oder zumindest ähnliche spirituellen Erfahrungen zugrunde lägen. Das Vorhaben, Frieden zwischen den einzelnen Religionen zu stiften, sei seiner Ansicht nach aber nur dann erfolgsversprechend, wenn nicht nur – wie dies das Tübinger Weltethos-Institut unternehme – nach gemeinsamen ethischen Grundsätzen gesucht würde. Vielmehr müsse es allem anderen voran darum gehen, die spirituellen Wurzeln der Religionen aufzuspüren, welche dem entsprechenden ethischen Handeln zugrunde liege.

In einem zweiten Schritt beleuchtete Oser das Verhältnis zwischen Spiritualität und Rationalität. Diese verhielten sich nämlich nicht antagonistisch zueinander, sondern vielmehr komplementär: Bis zur Aufklärung im 18. Jahrhundert, mit der die moderne Rationalität ihren Siegeszug angetreten habe, habe, so Oser, der religiöse Glaube der vernünftig-kritischen Durchdringung bedurft. In unserer heutigen Zeit, in der die Wissenschaft zu einer Art Ersatzreligion geworden sei, gelte es, so Oser, umgekehrt Platz für einen Glauben zu schaffen, der aus authentischen spirituellen Erfahrungen hervorginge.

Im Weiteren unterschied Oser drei miteinander zusammenhängende Dimensionen gelebter Spirtualität. In jeder drücke sich eine spezifische Form des Verbundenseins aus. Damit opponierten, so Oser, spirituelle Erfahrungen der Weltsicht eines homo oekonomicus, in welcher die Menschen vorrangig als voneinander abgetrennte Einzelwesen gesehen würden, die nur ihren Eigeninteressen folgten.

Zunächst nahm Oser das Verbundensein mit einer oder einem Anderen in den Blick: Dieses zeige sich nicht schon in irgendwelchen realen oder virtuellen Netzwerken, die heutzutage eine so große Rolle spielten. Um eine Art spirituelles Verbundensein handelt es sich Oser zufolge erst dann, wenn – im Sinne des Dialogphilosophen Martin Buber – eine wahrhafte Begegnung zwischen zwei Menschen statt hat beziehungsweise wenn der oder die Andere zu einem Du wird. Dann würden die Grenzen des einzelnen Ichs durchlässig und die Beziehung selbst, das Zwischen, würde als das Eigentliche erfahren.

Doch Verbundensein könnten wir, so Oser, nicht nur beschränkt auf einen einzelnen Anderen erfahren, sondern auch hinsichtlich des tieferen Zusammenhangs aller Wesen und der Welt im Ganzen. Dieses größere Ganze würden die Religionen, so Oser, oftmals in irgendeiner Form mit der Chiffre „Gott“ bezeichnen. Oser bezeichnete den Erfahrungsgehalt dieser spirituellen Dimension als universelle Liebe, die genauso bedeutsam sei wie die personalen Liebe einer vereinzelten Ich-Du-Beziehung.

Am Ende stand dann das Phänomen des Verbundensein mit sich selbst: Dieses sei, so Oser, nur dem ersten Anschein nach eine Art des Sich-Abschließens von Anderen. Wenn man sich beispielweise beim Meditieren von der Welt abscheide und sich in sich sammle, dann entdecke man gerade, dass man sich innerlich für den Anderen und die Anderen öffne.

Im anschließenden Gespräch zeigte sich, dass damit das Thema „Spiritualität“ noch lange nicht erschöpft war: Fragen zum Zusammenhang von spirituellen Erfahrungen und politischem Engagement sowie dem von Spiritualität oder Religion und Gewalt standen im Raum, die im kommenden Jahr im Café denk.art behandelt werden sollen.

Begleitet wurde das letzte Café denk.art in diesem Jahr von den Tönen der Nürtinger Klangkünstlerin Alexandra Ott sowie den Didgeridoos, die von Uli Wachter-Sigel und Uli Tiesler gespielt wurden. Auf diese Weise fanden Osers mehr rationale Ausführungen auch einen stimmigen klanglichen Ausdruck.

Das nächste Café denk.art veranstalten das Forum zukunftsfähiges Nürtingen, die VHS und das nn-Institut am 29. Januar um 11 Uhr in der Alten Seegrasspinnerei. Dann geht es um die Frage, ob sich persönliche Selbstverwirklichung und Gemeinwohl ausschließen.

 

 


 


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