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  Zukunftsfähiges NT
 
Der Philosoph in der Höhle - 25.9.2017
Im Café denk.art ging es am Sonntag um die Aktualität Platons

  (forumNT) Wenn im Café denk.art mal ein Klassiker der Philosophiegeschichte auf dem Tisch liegt, dann darf man gewiss sein, dass dann nicht nur bildungsbürgerliche Wünsche erfüllt werden. Zugleich wird dann immer auch gefragt, was die Gedanken der Alten uns heute noch zu sagen haben. So war es auch am vergangenen Sonntag, als sich Thomas Oser  vor knapp 60 Besuchern in der Alten Seegrasspinnerei der Gedankenwelt Platons näherte und insbesondere sein Höhlengleichnis in den Blick nahm.

Anfangs fragte Oser die Gäste, was Ihnen von Platon bekannt sei und selbstverständlich wurde die Ideenlehre und die „platonische Liebe“ genannt, aber auch Platons Forderung, dass Philosophen im Staat herrschen sollten.

Anstatt nun auf die Spitzfindigkeiten der platonischen Ideenlehre einzugehen, beantwortete Oser erst einmal die Frage, wie Platon seine Philosophie sprachlich dargestellt hat. Dies tue er nicht abstrakt theoretisch, sondern in Form von Dialogen. Platon wolle damit zeigen, so Oser, dass Gedanken immer mit konkreten Menschen zu tun hätten und Ausdruck ihres Charakters seien.

Platon habe die große, aber mitunter auch ungeheure Macht des Denkens als einer der ersten erkannt und das spezifisch philosophische dadurch ausgezeichnet, dass es nicht nur etwas dogmatisch behaupte, sondern es auch zu begründen versuche. Insofern ist Oser zufolge Platon ein Aufklärer.

Auf der anderen Seite habe er aber die Grenzen des Begründens und Argumentierens aufgezeigt. Deutlich würde dies, so Oser, insbesondere im Dialog „Phaidon“, in welchem Platon den Sterbetag seines zum Tode verurteilten Lehrers Sokrates  darstellt. Als hier das Gespräch über die Unsterblichkeit der Seele nicht zu einer befriedigenden Antwort führt, weist Sokrates seine Schüler darauf hin, dass die Reichweite der vernünftig-rationalen Rede zwar begrenzt sei, dass man deshalb aber nicht gleich zu einem „Logosfeind“ werden solle.

Nicht zuletzt in dieser differenzierten Einsicht in das Wesen unserer Rationalität liege, so Oser, die Aktualität Platons. Doch der antike Denker belasse es nicht bei Skeptizismus, sondern ziele mit seinem Denken auch auf das Reich des Metaphysischen. Wenn auch viele Zeitgenossen die Gegenwart als eine nachmetaphysische Zeit bezeichnen, konnte Oser der spezifisch platonischen Metaphysik ansetzweise auch für uns Heutige etwas abgewinnen: Diese lebe nämlich heutzutage in einer Spiritualität fort, die wesentlich mit Vernunft

Oser führte aus, dass der Mensch Sokrates mit seiner Unerschrockenheit angesichts des eigenen Todes ohne metaphysische Erfahrung nicht zu verstehen sei. Und auch uns Heutige täte zumindest ein Funken Metaphysik gut: Kennzeichen des wahrhaften Philosophen sei nämlich für Platon, dass ihm in der metaphysischen Schau eine unbegrenzte geistige Fülle zuteil würde, die ihn jeglicher Habgier enthebe.  Die sei ein Gesichtspunkt, der heute in Zeiten ungeheuerlicher Finanzspekulationen aktueller sei als je zuvor.

All diese Gedanken flossen im Weiteren in den Austausch über das Höhlengleichnis ein, das Charlott Amsberg zunächst vortrug. In diesem schildert Platon den dramatischen Prozess einer Befreiung, letztlich Erleuchtung – in einer Welt, die nichts von einem Leben außerhalb der Höhle wissen will oder sich sogar dagegen gewaltsam wehrt. Die Brücke zu unserer heutigen Zeit hat der portugiesische Autor José Saramago geschlagen, als er in seinem Roman „A Caverna“ (deutscher Titel: „Das Zentrum“) die platonische Höhle als einen modernen Konsumtempel dargestellt hat.

Viele weitere Fragen zum Höhlengleichnis standen am Ende der Diskussion noch im Raum. Diese werden in einem Vertiefungsseminar am Donnerstag, 5. Oktober, um 19 Uhr in der Alten Seegrasspinnerei aufgegriffen.

Zum nächsten Café denk.art, welches das 25. sein wird, lädt das Forum zukunftsfähiges Nürtingen, die Volkshochschule Nürtingen und das noch-nicht-institut am Sonntag, 22. Oktober, um 11 Uhr in die Alte Seegrasspinnerei ein: Andreas Mayer-Brennenstuhl wird dabei in das Thema „Utopie“ einführen.

(Foto: Charlott Amsberg)




 


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