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  Zukunftsfähiges NT
 
Ökodörfer sind mehr als Kleinode - 13.11.2017
Leila Dregger referierte in der Reihe „Forum Zukunftsfähige Stadt – Nürtingen“

  (forumNT)

An Zahl und Größe sind Ökodörfer bescheiden, doch was in diesen an nachhaltiger Technik und eben solchen Lebensformen erforscht wird, ist bedeutend. Diese Eindruck stellte sich beim Vortrag „Für eine Politik des Herzens“ von Leila Dregger ein, den sie im Rahmen der Reihe „Forum zukunftsfähige Stadt – Nürtingen“ am vergangenen Dienstag in der Alten Seegrasspinnerei vor rund sechzig Zuhörern gehalten hat.

Leila Dregger ist nicht nur Mitarbeiterin im portugiesischen Heilungsbiotop Tamera, sondern auch für das „Global Ecovillages Network (GEN), dem weltweiten Netzwerk von Ökodörfern tätig. Und so brachte sie zunächst eine Vielzahl von Bildern mit, die Szenen aus Ökodörfern rund um den Globus zeigten. Dabei wurde deutlich, dass zumindest im globalen Süden Ökodörfer nicht wie in Deutschland „künstliche“ Gemeinschaften sind, sondern dass sich hier auch gewachsene Dörfer entscheiden, Ökodorf zu werden.

Ihren Vortrag begann Dregger aber mit einer Einführung in das Konzept des „Sacred Activism“, welches zuletzt durch den Widerstand von Indianern gegen die Verlegung einer Ölpipeline in Standing Rock ins öffentliche Interesse gerückt ist.

Damit zeigte sich zugleich eine Besonderheit der Gemeinschaft in Tamera, die ähnlich indigenen Kulturen eine bewusst spirituelle Ausrichtung hat. „Heilungsbiotop“ und nicht einfach nur Ökodorf nenne sich Tamera, so Dregger, weil es nicht mehr – wie es der Begriff der Nachhaltigkeit nahelege – um Bewahrung des Bestehenden gehen würde, sondern um die Wiederherstellung und Heilung ökologischer Systeme. Denn diese seien inzwischen schon so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass es mehr brauche als Bewahrung.

Im Sine von „Sacred Aktivism“ nannte Dregger fünf Bereiche, die der Heilung bedürften: Wasser, Erde, Luft, Feuer und Geist. An diesem Leitfaden sich orientierend stellte sie die Forschungsgebiete in Tamera vor: So hätte die Gemeinschaft in den vergangenen Jahren ihr anfänglich in Folge von sommerlichen Wassermangel karges Grundstück in eine sattgrüne Seenlandschaft verwandelt.

Der Aspekt der Erde stellte Dregger am Beispiel der Nahrung dar, wobei sie insbesondere auf die Permakultur verwies, welche eine ökologische Form der Landwirtschaft darstellt und in Tamera durch den österreichischen Pionier Sepp Holzer auf den Weg gebracht wurde. Das Element des Feuers manifestiert sich Dregger zufolge insbesondere in der Energiegewinnung. Hier zeige sich Tamera nicht nur durch ihre kleinen Biogasanlagen innovativ, sondern auch durch Solaranlagen, die sogar eine kleinindustrielle Produktion zulassen würden.

Das Geistige wiederum manifestiere sich nicht nur durch die bewusste spirituelle Haltung, sondern auch darin, wie das soziale und persönliche Miteinander in einer Gemeinschaft gestaltet würde. Dregger sprach hierbei von „sozialer Nachhaltigkeit“, welche gewissermaßen das Fundament dafür darstelle, ob ein nachhaltiger Lebensstil in den anderen, mehr technischen Bereichen gelingen könne. Denn oft scheiterten, so Dregger, die Einführung nachhaltiger technischer Innovationen am sozialen Zusammenwirken der Akteure.

Deshalb würden in Tamera Formen erforscht, wie ein Gemeinschaft zusammenfinden könne und wie sie ihr Leben gestalte – dazu gehöre wesentlich auch die persönlichen Beziehungen: von der Freundschaft bis zur Erotik. Im diesem Sinne stand ein Leitsatz aus Tamera am Ende des Vortrags: „Es wird in der Welt keinen Frieden geben, solange in der Liebe Krieg herrscht.“

Im Anschluss an Dreggers Ausführungen stellten sich viele Fragen: So fragten Zuhörer zum Beispiel, wie die Entscheidungsprozesse in Tamera gestaltet würden, wie das Verfahren sei, wenn man Mitarbeiter werden wolle und wie die Gemeinschaft mit dem Thema Geld umginge. Zuletzt führte Dregger noch aus, dass auch gewachsene Städte wie Nürtingen von dem Wissen der Ökodörfer vielfältig profitieren könnten. Dem will das Forum zukunftsfähiges Nürtingen im nächsten Jahr verstärkt nachgehen.

 

 

 


 


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