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  Zukunftsfähiges NT
 
Wenn ein technischer Traum zum Albtraum wird - 31.1.2018
Im Café denk.art ging es um die Potentiale und Gefahren einer Superintelligenz

 

(forumNT) Begriffe wie Digitalisierung, künstliche Intelligenz und virtuelle Welten haben seit einigen Jahren Hochkonjunktur. Das Café denk.art am vergangenen Sonntag in der Alten Seegrasspinnerei zum Thema „Mensch und Maschine – ein Rollentausch?“ beließ es nicht dabei, die gerade aktuellen Ausprägungen dieser Phänomene in den Blick zu nehmen, sondern zielte letztlich auf eine Superintelligenz, die Wissenschaftler bereits in einigen Jahrzehnten für möglich halten.

 

Der Nürtinger Philosoph Thomas Oser führte denn auch zu Beginn vor rund 65 Zuhörern gleich aus, was unter einer Superintelligenz zu verstehen ist: Diese sei eine Form der Künstlichen Intelligenz, die nicht nur nicht nur wie ein Schachcomputer über eine ganz spezielle Fähigkeit verfüge, sondern der flexiblen allgemein menschlichen Intelligenz vergleichbar sei. Darüber hinaus zeichne eine Superintelligenz aus, dass sie sich eigenständig in einer kaum vorstellbaren Geschwindigkeit weiterentwickeln und optimieren könne und deshalb dem Menschen vielfach überlegen sei. Nicht zu beantworten sei die Frage, ob eine solche Intelligenz auch Selbstbewusstsein ausbilden könne.

 

Unter Wissenschaftlern ist eine Superintelligenz umstritten: Die einen – namentlichen die so genannten Transhumanisten – sähen darin, so Oser, das Heil und scheuten deshalb auch nicht vor religiösen Metaphern zurück. Die anderen – darunter Nick Bostrom und Stephen Hawking – warnten dagegen vor den unabsehbaren Folgen, die eine solche Superintelligenz zeitigen könne: Selbst die Auslöschung der Menschheit sei nicht auszuschließen.

 

Der Musiker Bernhard Amsberg, der das Thema für dieses Café denk.art vorbereitet hatte, schloss sich der zweiten Fraktion aus. Dies kam auch in seinem selbst komponierten und getexteten Lied „Der kalte Tod“, zu dem die japanische Tänzerin Sawako Nunotani eigens eine dafür entwickelte Choreografie darbot, eindrücklich zum Ausdruck:

 

Der kalte Tod steht für Amsberg für die Welt eines unmenschlichen technischen Fortschritts. Dabei stellte sich Amsberg nicht generell als Technik- und Wissenschaftsfeind dar: Vielmehr erblickte er beispielsweise in der Quantenphysik ein Potential, welches das Bewusstsein und Leben der Menschheit auf großartige Weise erweitern könne.

 

Oser gab einerseits zu bedenken, dass man mangels Phantasie die Entwicklungsmöglichkeiten der Künstlichen Intelligenz nicht zu beschränkt ansetzen solle. Andererseits wies er daraufhin, dass dieser Fortschritt letztlich nur auf immer einer ausgefeilteren Quantifizierung beruhe, die Wirklichkeit sich aber darin keineswegs erschöpfe. Außerdem gaben Oser und Amsberg zu bedenken, dass die Entwicklung der Superintelligenz derzeit kein wissenschaftliches Projekt sei, das dem Gemeinwohl verpflichtet sei, sondern eigennützigen Profit- und Herrschaftsinteressen diene.

 

Im zweiten Teil des Cafés wurde das Gespräch zunächst an die einzelnen Tische verlagert: Dort sollte die Frage erörtert werden, ob es eine Qualität gäbe, die eine Maschine nie erreichen werde, auch wenn sie noch so intelligent sei. Die Antworten, die sodann im Plenum vorgestellt wurden, waren genauso vielfältig wie interessant: Einige meinten, dass die gefühlsmäßige Dimension einer Künstlichen Intelligenz immer hinter der menschlichen zurückbleibe: So könne ein Pflegeroboter zwar alle pragmatischen Tätigkeiten vielleicht besser erledigen, er könne sich aber dem Menschen – und das sei das letztlich Entscheidende – nicht wirklich gefühlsmäßig zuwenden.

 

Andere sahen den Mangel einer Superintelligenz vor allem in ihrer fehlenden Leiblichkeit, welcher eine ganz eigene Intelligenz zukomme. Interessant war auch die Vermutung, dass sich der Mensch gerade aufgrund seiner Unzulänglichkeiten so großartig weiterentwickeln könne. Desweiteren wurde die Frage gestellt, ob die Superintelligenz die Fähigkeit habe, sich selbst zu töten, wenn sie realisiere, dass sie zerstörerisch wirke. Im diesem Zusammenhang tauchte auch die Frage auf, ob einer Superintelligenz Selbstbewusstsein zuzusprechen sei und sie sich von ethischen Grundsätzen leiten lassen könne.

 

Zu bedenken gegeben wurde ganz grundsätzlich, ob es für uns Menschen nicht weniger um eine technische Utopie als vielmehr um eine Utopie des Vertrauens und der Liebe gehe.

 

Mit der Frage schließlich wie sich künstlerisches Schaffen von einem rein technischen Vorgang unterscheide, war man dann schon bei Thema des nächsten Café denk.art: Am Sonntag, 4. März, wird auf Einladung des nn-instituts, der VHS und des Forums zukunftsfähiges Nürtingen um 11 Uhr die Berliner Kulturwissenschaftlerin Hildegard Kurt in der Alten Seegrasspinnerei über ein neues, von Joseph Beuys inspiriertes Kunstverständnis sprechen. Der Titel wird lauten: „Die neue Muse“. 

 

 

 


 


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