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Begegnungsnachmittag mit Asylbewerbern in Oberensingen - 12.2.2013

 

(mai) Ende November 2012 gab es einen großen Aufschrei in Oberensingen, als ohne Ankündigung 40 Asylbewerber aus Indien, Pakistan, Syrien und der Türkei in das ehemalige katholische Gemeindehaus Effata in Oberensingen einquartiert wurden. Viele Menschen hatten große Vorbehalte, zumal alles junge Männer sind, die hier auf kleinem Raum gezwungen sind ihr Bewerbungsverfahren abzuwarten.

Dass die Wogen gleich hoch gingen sorgte aber auch dafür, dass die Gruppe mehr Aufmerksamkeit bekam als Menschen in ähnlichen Situationen. Spontane Reaktionen war nicht nur Ablehnung, sondern auch Sorge um die Flüchtlinge. Es fanden sich Leute zusammen, die auf diese Menschen zugegangen sind um ihnen zu helfen. Einige davon gründeten den Verein Arbeitskreis Asyl Oberensingen.

Unter anderem wurde dieser Begegnungsnachmittag Anfang Februar 2013 organisiert. Etwa zwanzig Asylbewerber und doppelt so viel Interessierte und Ehrenamtliche nahmen gemischt an großen Tischen Platz. Die Neugierde war groß, wegen der Sprachbarriere wurden bald Gespräche mit Händen und Füßen geführt und gedolmetscht. Das Verschlingen der üppigen Kuchenspenden geriet zur Nebensache, zumal die einzigste Schwarzwälderkirschtorte schnell weg war.

Der Nachmittag war gut strukturiert. Nach einer kurzen Vorstellung der Situation und einer Zusammenfassung von bisherigen Aktionen, wie zum Beispiel einer Ausfahrt auf die Alb, kamen die Flüchtlinge selbst zu Wort.

Ein Asylbewerber aus Indien nannte als Grund seiner Flucht, dass es in Indien zu viel Korruption gäbe, was ein geregeltes Leben unmöglich mache. Er erklärte die indische Flagge im Detail, betonte ihre Wichtigkeit und dass ihre Benutzung strengen Regeln unterläge.

Sein Mitbewohner aus Pakistan nutzte Laptop und Beamer, um mit Hilfe von Fotos zu verdeutlichen, warum er in seiner Heimat nicht mehr sicher sei. Er gehöre der in Pakistan verbotenen Ahmadiyya Muslim Jamaat Gemeinde an, die für friedlichen Islam stehe. Ein sicheres Leben sei für die Ahmadiyya in Pakistan nicht möglich, da sie offen durch Propaganda und Taten angegriffen werden. Beispielsweise zeigte er ein Foto von einem Graffiti, das in der Nähe einer Schule an die Wand gesprüht sei, dessen Aufschrift er mit „“Mullah will kill Ahmadies“ übersetzte.

Er räumte ein, dass es bestimmt Leute gäbe, die Asyl beantragen würden, nur weil sie glauben, dass das Leben hier schöner sei. Der Großteil aber täte das nicht freiwillig. Man solle von sich selber ausgehen. Wer verläßt schon leichtfertig Familie, Freunde, Geliebte und das Vertraute für die traurige Einsamkeit in einer unsicheren Zukunft, wenn ein Leben in der Heimat möglich wäre?

Er dankte für die Aufnahme in Sicherheit und die Grundversorgung. Dennoch gleiche die jetzige Situation einem Gefängnis. Außer essen, schlafen und abwarten gäbe es nichts zu tun, sprach er für alle im Wohnheim. Sie würden krank vor Untätigkeit und bäten um Möglichkeiten, sich sinnvoll einsetzen zu können, sowie um Angebote für Unternehmungen. Sie wüssten nicht, wie lange sie noch hier bleiben müssten, und würden die Zeit auch gerne nutzen, um deutsch zu lernen, denn die Sprache sei der Schlüssel zum Verständnis. 

Für die neu angekommenen Syrer in Oberensingen sprach ein Landsmann, der seit 30 Jahren in Deutschland lebt und inzwischen als freier Journalist arbeitet. Deutschland habe Syrien wirtschaftlich ausgebaut, heute dagegen gleiche es einem Trümmerhaufen. Was ihn besonders ärgere sei, dass in den Medien die Informationen über die aktuelle Lage verfälscht würden. Gezeigt würden Fotos von Zerstörung mit der Erklärung, es handle sich um einen Glaubenskrieg, aber dies stimme nicht, sondern die Milizen würden die bestehende Opposition ermorden.

Erika Maag-Brammer erläuterte anschließend das geplante weitere Vorgehen des Arbeitskreises in Oberensingen. Am dringendsten gebraucht würden Sprachhilfen. Hierfür werden noch Ehrenamtliche gesucht. Viel wichtiger als die Professionalität der Lehrenden sei ihre Zuverlässigkeit und Kontinuität, denn einfache Worte und Sätze könnten Laien ebenfalls erklären. Dies müsse nicht nur innerhalb des Hauses geschehen, möglich wären auch gemeinsame Unternehmungen wie etwa Einkäufe oder Stadtbummel, um wichtige Sätze des Alltags zu üben. Unverzichtbar sei dabei Koordination und Verlässlichkeit, sonst funktioniere es nicht. Schließlich könne man in das Haus nicht willkürlich rein und raus gehen, dies müsse organisiert sein.

Der Arbeitskreis Asyl Oberensingen hat eine Internetseite mit weiteren Informationen, Pressespiegel und Kontaktmöglichkeiten. Auch auf die Möglichkeit von Geldspenden wird hingewiesen, denn auch für die ehrenamtliche Arbeit ist hin und wieder Geld von Nöten. Aktuell gesucht werden auch Sportschuhe für Männer um ein Sportangebot durchführen zu können.

 

 


 


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