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Staatsrätin Gisela Erler informierte sich über ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit in Nürtingen - 26.1.2015
Ehrenamtliche sind ein großes Potential, das nicht verheizt werden sollte

  (mai) Menschen, die aus ihrer Heimat flüchten müssen, und es in ein sicheres Land geschafft haben, stehen meist zunächst vor dem Nichts. In Nürtingen werden sie nicht alleine gelassen. Neben den zuständigen Institutionen kümmern sich viele Ehrenamtliche, die im Netzwerk Flüchtlingsarbeit Nürtingen (NFANT) zusammengeschlossen sind, um sie. Die Koordination zwischen bezahlten und unbezahlten Menschen klappt leider nicht immer reibungslos. Staatsrätin Gisela Erler kam im Dezember nach Nürtingen, und fragte ehrenamtliche Flüchtlingshelfer, wo ihnen der Schuh drückt.

Üblicherweise finden sogenannte Kamingespräche in der Villa Reitzenstein statt. Diese wird aber derzeit renoviert, und so traf man sich mit einem Foto vom Kamin in der Kulturkantine der Alten Seegrasspinnerei in Nürtingen direkt vor Ort auf Augenhöhe.

Geladen waren Sprecher von ehrenamtlich Tätigen, Flüchtlinge aus Syrien, Pakistan, dem Iran, und Gambia sowie Vertreter der Gruppierungen des Gemeinderates, Bürgermeisterin Grau und Pressevertretern. Es war ein großer, runder Tisch mit Stühlen aufgebaut, die bald besetzt waren. Veronika Kienzle, Mitarbeiterin von Frau Erler, übernahm die Moderation. In der Vorstellungsrunde äußerten sich alle Flüchtlinge dahingehend, dass sie vielerlei Hilfe erhalten und sehr froh darüber sind.

Seit 2012 sind sechs Unterkünfte in Nürtingen geschaffen worden, und für jede dieser Unterkunftsstandorte haben sich Flüchtlingsinitiativen gebildet. Die Unterstützung der Bevölkerung ist also groß. Die erste dieser Unterkünfte entstand in Oberensingen, stellte Helmut Püschel (AK Asyl Oberensingen) fest, der Landkreis habe sie mitten im Ort angemietet. Die ehrenamtliche Hilfe für die Flüchtlinge muss organisiert werden. Aus seiner Erfahrung heraus sei es förderlich, wenn eine Person pro Flüchtlingsinitiative Koordinierungsaufgaben übernehme. Hauptamtliche sollten unterstützend tätig sein.

Auch Marion Nau (Flüchtlingshilfe K4) äußerte für das Containerdorf in der Kanalstraße den Wunsch, dass „vor Ort jemand sitzt, der Ansprechpartner ist. So wie Pit Lohse und Julia Rieger, die (als Geschäftsführer des Trägervereins Freies Kinderhaus) ja eigentlich andere Aufgaben leisten müssen". Viele Flüchtlinge wenden sich zuerst an die Ehrenamtlichen, Pit Lohse (Flüchtlingshilfe K4) forderte Räume, in denen sich Ehrenamtliche Helfer treffen können und wo sie gefördert werden. Die Hauptamtlichen, die Profis, hätten hierbei eine dienende Funktion. Denn die Ehrenamtlichen zeichnen sich dadurch aus, dass sie es freiwillig machen und es sei darauf zu achten, dass sie "nicht verheizt werden“.

Doch reibungslos klappt die Zusammenarbeit mit ehrenamtlichen Helfern und hauptamtlich Tätigen nicht, oder noch immer nicht, muss man sagen. Ragini Wahl von der Flüchtlingshilfe NFANT, begann schon 1986 sich beim AK Asyl für Flüchtlinge zu engagieren. Ihre Erfahrung ist, dass ehrenamtliche Helfer nach wie vor wenig Unterstützung bekommen. Permanent laufen sie Informationen hinterher, die sie brauchen um mitreden und entsprechend tätig sein zu können. Um motiviert zu bleiben, brauche es das Gefühl des Gewinnens, aber dieses Gefühl bekämen sie nicht vermittelt. "Wir sind eine verlässliche Größe für die Politik und müssen mitreden dürfen!" forderte sie.

Bürgermeisterin Claudia Grau betonte, dass die Stadt nur für die Anschlussunterbringung zuständig sei. Für die werden passende Räume gesucht oder gebaut. Lange habe es eine unbefriedigende Diskussion über den Nachfolger des erkrankten Integrationsbeauftragten gegeben. Dieser sei gefunden worden, aber „nicht nur für Flüchtlinge da, sondern auch für andere“. Neben dem Integrationsbeauftragten will sie noch weitere Stellen schaffen und dafür den sozialen Dienst ausweiten.

Staatsrätin Gisela Erler gab gegen Ende der Diskussion die deutliche Anregung in Richtung Stadt, Landkreis und andere Hauptamtliche, das Engagement der Ehrenamtlichen zu nutzen. Schließlich hätten Menschen wie Barbara Dürr von Karibuni und Ragini Wahl, mehr als zwanzigjährige Erfahrung und seien hoch kompetent.

Nach zwei Stunden angeregter Diskussion, die aus zeitlichen Gründen abgebrochen werden musste, gab es ein gemeinsames Essen, das von Asylbewerbern gekocht wurde. Dabei lockerte sich die Sitzordnung und neben leckerer Kulinarik gab es viele weitere Gespräche.

Monika Schmied und Manuel Werner vom ehrenamtlichen Bürgerstab der Staatsrätin, beides Nürtinger, hatten das Kamingespräch zum Thema „Ehrenamtliches Engagement in der Flüchtlingsarbeit“ zusammen mit NTFANT initiiert und organisiert.

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Was ist und was macht eine Staatsrätin?
Die Funktion eines Staatsrats ist nicht in jedem Bundesland gleich. Gisela Erler wurde von Ministerpräsident Winfried Kretschmann als ehrenamtliches Mitglied in die baden-württembergische Landesregierung geholt um Verfahren der Bürgerbeteiligung auf allen Ebenen auszubauen und in das Verwaltungshandeln zu integrieren. Er ernannte sie deshalb zur Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung. Frau Erler ist Mitglied im Kabinett und hat Stimmrecht.



 


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