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Syrien - eine Wiege der modernen Kultur - 28.6.2016
Der Archäologe Firas Jabbour eröffnete die Reihe "Akademie International Präsentationen"

 
Von Monzer Haider

Einen besseren Auftakt hätte sich die Organisatoren der „Akademie International Präsentationen“ für ihre neue Vortragsreihe nicht wünschen können: Mit dem syrischen Archäologen Firas Jabbour referierte am vergangenen Donnerstag ein wortgewandter Wissenschaftler über ein interessantes Thema: Über sechzig Zuhörer lauschten in der Alten Seegrasspinnerei seinen Ausführungen über die Geschichte Syriens vom Neolithium bis zum Mittelalter.


In seiner Begrüßung hob Thomas Oser von der Akademie International hervor, dass mit dieser Veranstaltungsreihe geflüchteten Menschen eine Plattform geboten werden solle, ihre wissenschaftliche Arbeit und die Kultur ihres Heimatlandes öffentlich zu präsentieren. Geflüchtete Menschen sollten nicht nur als Hilfesuchende und Bittsteller wahrgenommen werden, sondern auch mit ihren beachtlichen Potentialen.

Jabbour, der seit acht Monaten in Nürtingen lebt, studierte und unterrichtete Archäologie an der Universität in Aleppo. Schon vor seiner Flucht nach Deutschland hatte er Kontakte zu Wissenschaftlern aus Tübingen, mit denen er Ausgrabungen in Syrien und anderswo durchgeführt hat. Jabbour möchte seine wissenschaftliche Laufbahn deshalb auch an der Universität Tübingen fortsetzen.

Auf seinen Vortrag stimmte der syrische Musiker Salem Khuder mit zwei orientalischen Melodien ein. In der Folge referierte Jabbour die Geschichte seines Heimatlandes und zeigte dazu faszinierende Bilder. Die bedeutsame geografische Lage Syriens zwischen drei Kontinenten habe eine Rolle gespielt, dass die Menschen den Ort als dauerhaftes Siedlungsgebiet aussuchten und dort dann Landwirtschaft, Ökonomie und Handel betrieben. Jabbour zeigte Bilder, auf denen man 11000 Jahre alte Hütten, Steine und Ketten sehen konnte. Die darauf gemalten Figuren seien weltweit mit die ersten Malereien.

Ab dem 14. Jahrhundert v. Chr. wurde, so der Vortragende,  erstmals das Alphabet in Keilschrift in Ugarit verwendet. In dieser Stadt im Nordwesten Syriens lebten zu dieser Zeit drei verschiedene Völker mit unterschiedlichen Sprachen friedlich zusammen. Auch die erste musikalische Notenschrift sei, so Jabbour, in Syrien erfunden worden: 1000 v. Chr. wurden Noten in Keilschrift auf Tontafeln geschrieben.   

Von dieser Zeit sprang der Referent in die römische Epoche: Aus Syrien stamme der römische Kaiser Marcus Iulius Philippus, der auch unter dem Namen Philippus Arabs bekannt sei. In seiner Zeit, dem dritten nachchristlichen Jahrhundert, seien in Syrien bedeutsame Gebäude errichtet worden. Bekannt sei vor allem die antike Oasenstadt Palmyra, die 1980 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde und im vergangenen Jahr vom „Islamischen Staat“ teilweise zerstört wurde. Im dritten Jahrhundert v. Chr. habe die Regentin von Palmyra, Zenobia, sich gegen die römische Herrschaft aufgelehnt und so Ihren Einfluss bis nach Ägypten ausgedehnt.

Auch bei der Entstehung und Verbreitung von Religionen habe Syrien, so Jabbour, eine bedeutende Rolle gespielt: Von Damaskus aus habe Paulus seine christliche Missionierung durchgeführt. Der Islam sei zwar von Saudi-Arabien ausgegangen, er habe sich dann aber bald darauf in Syrien verbreitet. In der Zeit der Umayyaden, also von Mitte des sechsten Jahrhunderts an, habe Syrien einen bedeutende Aufschwung erlebt: Damaskus wurde zur Hauptstadt und von hier aus verbreitete sich der Islam bis nach Andalusien und China. Aus dieser Zeit zeigt Jabbour Bilder von Moscheen und Kirchen, die mit filigranen Mosaiken geschmückt sind.

Jabbour beendete seinen Vortrag mit den Worten „more, more and more“,  womit er nicht nur sagen wollte, dass es noch sehr viel mehr zur Geschichte Syriens zu sagen gebe, damit brachte er auch seinen Wunsch zum Ausdruck, dass die großartige Geschichte dieses seit fünf Jahren von einem Bürgerkrieg zerrütteten Landes weitergehen möge.

Finanziell gefördert wird die Vortragsreihe und die Arbeit der Akademie International im Ganzen durch das Programm „Gemeinsam in Vielfalt“ des baden-württembergischen Sozialministeriums und der Stabsstelle für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung. Die Akademie International ist eine Initiative für Flüchtlingshilfe, dessen operative Leitung die Stadt Nürtingen dem Trägerverein Freies Kinderhaus übertragen hat.

Am 30. September wird die Reihe „Akademie International Präsentationen“ – dann in Kooperation mit der Volkshochschule – mit dem Vortrag von Monzer Haider, der an der Universität Tübingen Politik- und Islamwissenschaft studiert, fortgesetzt. Sein Thema lautet: „Die Türkei und die Demokratie“.


 


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