Forum

  Nachrichten
Kommunalpolitik
Politik
Umwelt
Kultur
Stattzeitung aktuell
Sport
Nürtingen global
Jugend
Personalia
Verkehr
Arbeitswelt
Soziales
Geschichte
Bauen
Presseschau
Wirtschaft
Ausgewähltes
Zukunftsfähiges NT
NTegration
Veranstaltungstipp
Foto der Woche
EssBar
LesBar
Leserbriefe

  
Terminkalender
Veranstaltungen
Ausstellungen

  
Kulturtipps
Kneipentest
Bücher
Filme
Musik
Lyrik
Reisen
Hörbücher
NTouren
NThörBar
Musikmachende

  Schatzkästle
Fotogalerie
Fortsetzungsroman
Links
Was kochsch du?
Gabi Zapf (Roman)
Fundgrube
Rundschlag
Jahreszeiten
Hausmittel

  Über uns


 

  Kommunalpolitik
 
Der Gemeinderat im Dialog mit Nürtinger Bürgern - 1.2.2011
Informationsabend zur Bebauung des Wörth-Areals

  (si)

Am 19. Januar hatte das Beteiligungsforum „Demokratie vor Ort“, ein Projekt des Bürgertreffs, zum Informationsabend in den Kleinen Saal der Stadthalle geladen. Damit sollte den Vorwürfe der mangelnden Transparenz im Zusammenhang mit den Bebauungsplänen des Wörth-Areals begegnet werden.
„Demokratie vor Ort“ stellte sich als für alle Nürtinger Bürger offene Gruppe dar, deren Zielsetzung die Vermittlung zwischen Gemeinderat, Verwaltung und Bürgern sei. In diesem Sinn sei auch dieser Informationsabend als Beitrag zur Problemlösung durch Gespräch konzipiert.

Das Planungsamt informiert
Nach der Begrüßung durch den Moderator Michael Kocken, Bürgermentor, stellte Heidrun Eissele vom Planungsamt der Stadt die Geschichte und den Planinhalt des Projekts „Wörth östlich“ dar. Vor dem Jahr 2004 habe es in den damals noch bestehenden Gebäuden hohe Leerstände gegeben und die Instandhaltung sei vernachlässigt worden. Daher habe man 2004 Fördermittel für die Sanierung im Rahmen des Landessanierungsprogramms beantragt, die im Dezember 2005 in Höhe von 900.000 € bewilligt worden seien. Daraufhin habe man gemäß des Bebauungsplanverfahrens 2006 vorbereitende Untersuchungen durchgeführt und im März 2007 das Sanierungsziel für innenstadtnahen Wohnraum festgelegt. Im Februar 2007 sei die Ausschreibung eines Investorenwettbewerbs für das Areal „Wörth östlich“ erfolgt.
Da in Nürtingen grundsätzlich genügend Wohnraum zur Verfügung stehe, es aber eine Nachfrage nach hochwertigem Wohnraum gebe, sei Zielsetzung der Planung eine nachhaltige Bebauung als innenstadtnaher, hochwertiger Wohnstandort gewesen. Weiteres Augenmerk habe auf der städtischen Innenentwicklung und dem Hochwasserschutz gelegen. Man sei in jeder Phase dem normalen Bebauungsplanverfahren gefolgt.
Die Auswertung und Abwägung der zu den Plänen eingegangenen Stellungnahmen sei noch nicht abgeschlossen. Ergebnisse könnten daher nicht vorgelegt werden. Zum Abschluss zeigte Frau Eisele noch einige Visualisierungen des Bebauungszustandes in „Wörth östlich“ heute und gemäß der Planung. Dabei lag die Visualisierung zum Blick von der Wörth-Brücke auf die Nürtinger „Schokoladenseite“ noch nicht vor.

Position des „Forum Wörth“
Als Nächstes stellte Jens-Heiko Adolph die Bürgerinitiative „Forum Wörth“ vor. Sie verstehe sich als Sprachrohr für alle, die mit der derzeitig geplanten Bebauung nicht einverstanden sind und die gemeinsam alternative Konzepte erarbeiten wollten. Jedoch sei Polarisieren nicht das Ziel von „Forum Wörth“.
Jens-Heiko Adolph hob hervor, dass es bei der Bebauungsplanung noch zahlreiche ungeklärte Punkte gebe. Am offensichtlichsten sei die Einbindung der geplanten Bebauung ins Stadtbild am Neckarufer. Doch solle auch die Wirkung eines möglichen städtischen Naherholungsgebiets auf dem Wörth-Areal erwogen werden, das mehr Lebensqualität und Lebendigkeit für die Stadt bedeuten könnte. Ökologische Gesichtspunkte kämen ebenfalls zum Tragen, man müsse sich fragen, ob man Betonieren oder Renaturieren wolle, insbesondere im Hinblick auf den Hochwasserschutz. Bei der Finanzierung mangele es an Transparenz. Außerdem gebe es rechtliche Bedenkung bei der Erwirtschaftung von Überschüssen mithilfe von Landesmitteln zur Sanierung. Schließlich habe man durch die schlechte Informationspolitik und mangelnde Transparenz bei der Bebauungsplanung für Verunsicherung bei den Bürgern gesorgt.
„Forum Wörth“ sei daher für einen sofortigen Planungsstopp, mehr Transparenz und die Erstellung eines städtebaulichen Gesamtkonzepts für Nürtingen als „Stadt am Fluss“. Ein runder Tisch sei wünschenswert als Forum für eine ergebnisoffene Diskussion zwischen Gemeinderat, Bürgerschaft und Stadtverwaltung.

Stellungnahmen aus dem Gemeinderat
Für die CDU ergriff Thaddäus Kunzmann das Wort. Er halte die Bebauung der Brachfläche für sehr sinnvoll, da ein erhöhter Bedarf an innerstädtischem Wohnen absehbar sei und es derzeit schon ein mangelndes Angebot an hochwertigen Kaufimmobilien gebe, wie er und seine Frau aus eigener Erfahrung wüssten. Außerdem müsse eine Bebauung erfolgen, um die Kosten für den Ankauf des Geländes und die Sanierung zu refinanzieren, die sich insgesamt auf über 2 Mio € beliefen. Dies sei durch Renaturierungszuschüsse nicht erreichbar. Man habe ohnehin schon auf eine dichtere Bebauung verzichtet, obwohl dies den Wert des Geländes noch erhöht hätte. Er kritisierte auch das Verhalten anderer Gemeinderäte, die dem Beschluss zunächst zugestimmt hätten, jetzt aber plötzlich dagegen seien.

Otto Unger von den Freien Wählern betonte, es habe bei der Planung ausreichend Gelegenheit für Bürger gegeben, sich zu informieren. Er sei gegen einen Planungsstopp. Allerdings freue er sich, dass „Forum Wörth“ gegenüber dem Gemeinderat Kompromissbereitschaft signalisiert habe. Man müsse jetzt mit dem Investor sprechen, inwieweit Änderungen möglich sind, vor allem was die Bebauungsdichte angehe. Davor seien Diskussionen schwierig.

Dieter Braunmüller von der Nürtinger Liste/Grüne stellte zunächst einmal die Frage der Befangenheit von Herrn Kunzmann, der Aufsichtsrat bei „Siedlungsbau“ ist, dem Investor bei der Bebauung von „Wörth östlich“, und danach, ob er bei dieser Informationsveranstaltung überhaupt als Vertreter der CDU-Gemeinderatsfraktionauftreten dürfe. OB Heirich, der im Publikum saß, bestätigte, dass bei Abstimmungen im Gemeinderat zu diesem Thema Befangenheit gegeben sei. Dieser Abend sei jedoch eine reine Informationsveranstaltung für die Bürger, daher sei die Frage mit nein zu beantworten.
Dem Vorwurf, er habe dem Entwurf zur Bebauung im Gemeinderat zugestimmt, entgegnete Dieter Braunmüller, die Bebauungspläne damals seien unübersichtlich gewesen und hätten geschönte Grünflächen aufgewiesen. Außerdem seien die Entwürfe seit dem Gemeinderatsbeschluss noch geändert worden. Er sehe die Bebauung des Wörth-Areals als „Generationenaufgabe“, bei der nicht allein finanzielle Gesichtspunkte zählen dürften. Er kritisierte, dass die Stadt bei Touristikmessen mit Bildern von im Neckar planschenden Kinder werbe, während sie gleichzeitig das Neckarufer verbaue. Diese Bausünde dürfe nicht legalisiert werden.

Hans-Wolfgang Wetzel von der SPD bezeichnete den Informationsabend als Station auf dem Weg zur Lösung für die Bebauung des Wörth-Areals. Er betonte, die SPD habe dem Baubeschluss nicht zugestimmt und unterstütze die Idee eines runden Tischs, der bereits in Vorbereitung sei. Er befürworte bei der Bebauung die Einplanung einer größeren Freifläche am Steinachufer und breitere Wege. „Stadt am Fluss“ müsse mehr bedeuten als „Wohnen am Fluss“ und sich eher an „Aufenthaltsqualität am Fluss für Alle“ orientieren. Die Refinanzierung dürfe nicht Vorrang haben, wenn Lebensqualität für Generationen geschaffen werden könne. Auch die Anpassung ans Stadtbild müsse mehr Berücksichtigung finden. Es gehe nicht an, dass z.B. bei der Bebauung des Heim-Areals die Dachneigung ans Stadtbild habe angepasst werden müssen, beim Wörth-Areal solche Aspekte aber keine Berücksichtigung fänden.

Achim Maier (Junge Bürger) sprach sich für die Wohnbebauung aus, die bei nicht emotionaler Betrachtung auch ökologisch Sinn mache, da sie der Versiegelung neuer Flächen am Stadtrand entgegenwirke und den prognostizierten Wohnraumbedarf decke. Renaturierung sei wegen der Altlasten auf dem Gelände ohnehin nicht sinnvoll. Ein Zugang zum Neckar sei wegen der Gefahr von Badeunfällen nicht erstrebenswert. Den Vorschlag, die Bebauung mehr ans Stadtbild anzupassen, nannte er zustimmungsfähig. Grundsätzlich brauche man für die Stadt aber ein Stadtentwicklungskonzept, bevor weiter zugebaut werde.

In der Forderung nach einem Gesamtkonzept für die Stadt stimmte Werner Oelkrug (FDP) zu, wie auch dabei, an der Wohnbebauung des Areals festzuhalten. Gelände mit parkähnlichen Eigenschaften gebe es bereits, z.B. beim Ruderclub.

Dieser Ansicht war auch Egon Eigenthaler zu, der auf den Hölderlin-Park am anderen Neckarufer verwies. Ansonsten solle man eben noch einmal auf die Wörth-Brücke gehen und den Blick auf die Stadt genießen, solange man noch könne.

Zufällig ausgewählte Bürger
Nach einer kurzen Unterbrechung und vor der Publikumsfragerunde kamen Nürtinger Bürger zu Wort. „Demokratie vor Ort“ habe aus Objektivitätsgründen 50 per Zufallsverfahren ausgewählte Bürger angeschrieben. Zwei von ihnen hatten sich bereit erklärt, an der Informationsveranstaltung teilzunehmen. Es handelte sich dabei zufällig um einen Mann und eine Frau, beide fortgeschrittenen Alters, die entgegengesetzte Positionen vertraten.
Frau Müller erzählte, sie lebe seit 65 Jahren in Nürtingen. Ihr erster Eindruck, als sie von der Bebauung hörte, sei gewesen, dass man eine Mauer um die Stadt legen wolle. Zur geplanten Bebauung meinte sie: „Leit, des kennet’r ons Nirdinger doch et ado.“
Herr Gaiser begrüßte die Bebauungspläne und sagte, er überlege, sich dort eine Wohnung zu kaufen. In den letzten Jahren seien in Nürtingen schon ähnliche schöne Häuser gebaut worden, die ihm sehr gefallen. Sein Kommentar: „Des gheert bebaut.“

Fragen aus dem Publikum
Frage: Wird das Gelände unter Preis an die Firma Siedlungsbau verkauft?
OB Heirich: Der Preis hängt von der Bebauung ab, noch ist nichts beschlossen.

Frage: Ist ein höherer Preis möglich, wenn man das Gelände mit Villen bebaut? Muss dann vielleicht nur teilweise bebaut werden bei gleichem Erlös?
OB Heirich: Das ist pauschal nicht zu sagen, aber es gibt keine Denkverbote.
Herr Kunzmann: Es ist fraglich, ob wir Villen brauchen oder barrierefreie, innenstadtnahe Wohnungen.

Frage: Der Bebauungsplan widerspricht den Masterplänen des Landes für den Landschaftspark Neckar, die einen Zugang zum Fluss und stadtnahe Erholung vorsehen, und ist daher rechtswidrig!
OB Heirich: Die bestehende ökologische Planung wurde von allen begrüßt. Zugänglichkeit zum Neckar bleibt gewahrt.
Herr Kunzmann: Als Regionalrat kann ich sagen, dass die geplante Bebauung nicht im Widerspruch zur Regionalplanung steht.

Frage: Zur Altlastenverseuchung des Geländes: Welche Altlasten waren das? Wurden sie entsorgt? Wieviel hat das die Stadt gekostet?
OB Heirich: Die Entsorgung wurde dem Verkäufer auferlegt und ist gemacht.
Kommentar eines Zuschauers: Die Altlasten sind noch nicht vollständig entsorgt. Bei einer Nachfrage dazu beim Bauausschuss habe man ihm gesagt, er solle sich keine Sorgen machen, „bei jedem Hochwasser schwemmt’s was weg“.

Frage: Inwiefern gibt es verlässliche Zahlen/Statistiken zur Entwicklung des Wohnraumbedarfs, der als Grund für die Wohnbebauung angegeben wird?
Herr Kunzmann: Die Annahmen zum Wohnraumbedarf sind nicht statistisch unterlegt. Die Region geht aber von einem Zuwachs aus.
Herr Braunmüller: Wir brauchen einen Faktencheck. Was ist machbar? Was ist notwendig?

Eine Zuschauerin schloss sich der Ansicht an, dass es zu wenig Wohnraum in Nürtingen gebe, allerdings gelte das vor allem für guten, bezahlbaren Wohnraum. Eine andere äußerte ihre Überraschung darüber, dass es für Nürtingen noch kein städtebauliches Gesamtkonzept gibt und forderte, das erst nachzuholen, bevor man die Filetstücke zubaue. Dieser Forderung schlossen sich zum Ende der Veranstaltung weitere Zuschauer und auch Gemeinderäte an.


 


Anzeigen




Impressum
© 2004-2017 Nürtinger STATTzeitung