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  Kommunalpolitik
 
Ideen für die Bahnhofsmeile - 24.4.2005
Vermarktung oder Stadtentwicklung?

  (mai)

In der Gemeinderatssitzung am 19. April stellte Herr Prof. Günster als Vorsitzender der Wettbewerbsjury das Ergebnis des städtebaulichen Gutachterverfahrens für die Nutzung des brachliegenden Nürtinger Güterbahnhofs vor. Der Siegerentwurf der Nürtinger Werkgemeinschaft Weinbrenner und Single sieht auf dem 8.000 m² großen Grundstück eine durchgehende, flexibel aufteilbare Einzelhandelsfläche im Erdgeschoß vor und darüber in gegliederten Gebäudeteilen auf drei Stockwerken Büros und Wohnungen. Gegenüber der Bismarckstraße soll die Einfahrt in die darunter liegende Tiefgarage mit 150 Stellplätzen erfolgen. Hier ist auch ein Schnellrestaurant vorgesehen. Dieses soll als zweiter „Anker“ für die notwendigen Kundenströme vom Bahnhof her sorgen. Damit bildet das Konzept für die Einzelhandelsflächen einen in sich funktionierenden „Knochen“ mit einem Ankerpunkt auf jeder Seite und dazwischen dem Frequenzbereich (die Planersprache hat auch schon griffigere Worthülsen geschaffen).

Zuvor hatte sich Herr Treiber vom Immobilienvermarkter Dr. Lübke bemüht mit einer Darstellung der städtischen Rahmenbedingungen die das Gemeinwohl beachtende Seriösität des Projektes zu untermauern. Dazu ließ er auf der Leinwand eine gut layoutete Präsentation mit Daten über Nürtingen ablaufen, die sich mit geringem Aufwand für jede beliebige Stadt zusammentragen lassen. Mit dem sich ständig wiederholenden Satzanhang „… wie Sie ja wissen“ offenbarte er, dass es ihm mit dem Beredsamkeit eines Versicherungsvertreters besonders darum ging, die Mitglieder des Gemeinderates für sich zu gewinnen. Den Stadträten bescheinigte er eine sachorientierte Entscheidungsfindung, was sehr freundlich ist, aber in keiner Weise auf die hitzige Debatte am 14. Dezember eingeht. Seinerzeit wollten insbesondere Junge Bürger, SPD und Nürtinger Liste / Grüne mehr städtische Vorgaben und eine stärkere Beteiligung in der Jury erreichen. Das von der Verwaltung unterstützte Vorgehen der Dr. Lübke GmbH wurde erst nach einer Sitzungsunterbrechung mehrheitlich beschlossen. Lediglich bei den Wirtschaftsdaten scheint man etwas tiefer geschöpft zu haben, wo auf den bestehenden Kaufkraftabfluss in umliegende Städte und Gemeinden hingewiesen wird und die Ladenleerstände in der Innenstadt nicht als Hinderungsgrund für ein Angebot von weiteren Einzelhandelsflächen betrachtet wird, da die leerstehenden Läden zu klein für neu anzusiedelnde Geschäfte seien.

In der abschließenden Fragerunde wurde deutlich, dass das Projekt im Gemeinderat durchaus kritisch gesehen wird. Als Problemfelder wurde einerseits die Verkehrsabwicklung im Bereich der Bismarckstraße gesehen (Herr Treiber: das lassen wir gerade durch Ingenieure der AIP Consulting GmbH in Düsseldorf untersuchen), andererseits die negativen Auswirkungen auf die bestehenden Einzelhandelsangebote in der Stadt. Dem begegnet Herr Treiber mit einem Knochenkonzept für die ganze Innenstadt, in dem durch zwei neu entwickelte Kundenmagneten am Bahnhof und auf dem ehemaligen Heim-Areal an der Stadtbrücke die Besucherströme durch die Innenstadt gelenkt werden. Die Bedenken sind aber wohl berechtigt, wenn man das Konzept des in sich funktionierenden Knochens betrachtet und Herrn Treibers Grundüberlegungen hört: Die Kunden wollen nur einmal parken – entweder in der GANT oder bei uns – und dann nicht mehr weit laufen!

Meine Meinung: Das präsentierte Konzept zielt nur auf die Vermarktung des Güterbahnhof-Grundstückes ab und beachtet städtische Rahmenbedingungen nur sofern sie diesem Ziel hinderlich sein können. Die Auswirkungen des Projektes auf die Stadtentwicklung sind den Projektentwicklern letztlich egal. Nürtingen kaut heute noch an der Verlagerung des Kaufhaus Hauber von der westlichen in die östliche Kirchstraße. Dadurch hat sich zwar die potenzielle Einkaufszone verdoppelt, aber nicht die vorhandene Kaufkraft. Ein neuer Einkaufsmagnet am Bahnhof würde nur die Kunden aus der Innenstadt abziehen. Die Überlegungen der Projektentwickler lassen keinen Ansatz erkennen, wie am Bahnhof evtl. Läden angesiedelt werden können, die den Branchenmix der Innenstadt ergänzen könnten, wie zum Beispiel ein seit Jahren schmerzlich vermisstes Einrichtungsgeschäft. Es besteht die Gefahr, dass für die Stadtentwicklung nicht nur eine Chance vergeben wird, sondern zudem erheblicher Schaden entsteht.


 


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