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  Kommunalpolitik
 
Klimawerkstatt - 29.4.2013
Jugendliche und Erwachsene entwickelten Ideen für Nürtingen

  (th)

Im April trafen sich jugendliche und erwachsene Nürtinger in der Alten Seegrasspinnerei, um auf Einladung der Stiftung Ökowatt, der Stadtwerke und der Stadt Nürtingen sich in einem Workshop Gedanken über die Verbesserung der Nürtinger Klimaschutzbilanz zu machen.

Nach der Begrüßung durch den Chef der Stadtwerke, Volkmar Klaußer, eröffnete Wolfgang Seeliger den Reigen der Impulsvorträge mit seiner Vorstellung von „Future Smart Power Systems“. Dabei stellte er dar, dass die Erzeugung von Strom aus regenerativen Energieträgern in einem Verbund von Windkraftanlagen, Biogas-Blockheizkraftwerke, Photovoltaikanlagen und Wasserstoffspeichern bereit in diesem Jahrzehnt genauso viel kosten wird, wie die konventionelle Stromerzeugung. Für das Roßdorf wollen die Stadtwerke dieses Konzept in den nächsten Jahren konkretisieren.
Sven Simon zeigte verschiedene Aspekte, wie sich unser Konsum auf die Klimaveränderung auswirkt. Zum Beispiel verbraucht Deutschland alleine so viel Papier, wie ganz Afrika und Südamerika zusammen! Das ist nicht ganz unbedeutend, wenn man bedenkt, dass die Hälfte des weltweiten Holzeinschlags der Papierproduktion dient. Produktionsverlagerungen in ärmere Billiglohnländer verschiebt nicht nur die dazugehörenden Kohlendioxid-Emissionen, sondern vervielfacht sie wegen der dort geringeren Energieeffizienz der Produktion. Den Anbau von Energiepflanzen betrachtet er weniger als Konkurrenz zwischen Tank und Teller, sondern angesichts der starken Inanspruchnahme von landwirtschaftlichen Flächen für die Futtermittelproduktion und der Feststellung, dass man bei uns fast die Hälfte der Lebensmittel wegwerfe, gäbe es eher eine Konkurrenz zwischen Trog und Tonne.
Landschaftsplaner Christian Küpfer von der Nürtinger Fachhochschule zeigte, wie viel Biomasse auch aus dem Gehölzschnitt von Obstwiesen und Landschaftspflege oder dem jährlichen Laubfall in den Städten für die energetische Nutzung zur Verfügung steht.
Thomas Steidle von der Klimaschutz- und Energieagentur des Landes (KEA), die das Nürtinger Klimaschutzkonzept erarbeitet, plädierte in seinem Beitrag „weniger ist mehr“ dafür, die vielfältigen Möglichkeiten, Energie einzusparen zu nutzen, anstatt nur darüber zu lamentieren, dass Strom und Sprit immer teurer werden. Viele Maßnahmen würden sich schnell rentieren und die Änderung von lieb gewonnenen Gewohnheiten bedeute nicht den Verlust von Lebensqualität.
Der neue Leiter des Nürtinger Hoch- und Tiefbauamtes, Falk-Udo Beck zeigte einige Chancen der Energiewende für den Bereich Mobilität und Verkehr auf.

Noch vor dem Mittagessen, das dank einer Spende der Volksbank angeboten werden konnte, teilten sich die Anwesenden mit den Referenten in Arbeitsgruppen zu den Themen Wärme und Strom, Konsum, Ernährung und Landwirtschaft, Verminderung des Energiebedarfs und Verkehr & Mobilität auf, die Ziele und Maßnahmen für den Klimaschutz in den Bereichen erarbeiteten, die sie am Nachmittag vorstellten.
Als erstes präsentierten die Jugendlichen ihre Ideen, mit denen sie

  • klimaschädliche Massentierhaltung ablehnten,
  • eine Baumpflanzaktion mit Felix Finkbeiners Initiative „Plant for the Planet“ anregten,
  • aufforderten mehr zu lesen und weniger fernzusehen und
  • forderten Energie zu sparen, indem man beim Verlassen eines Raumes das Licht ausschaltet und energieeffiziente Geräte kauft.

Die Arbeitsgruppe zur Verminderung des Energiebedarfs regte an,

  • Visionen und Vorbilder für Lebensqualität mit weniger Energieverbrauch zu präsentieren,
  • das Klimaschutzkonzept in Nürtingen allgemein zu verbreiten und
  • ein Klimaschutzteam in Nürtingen einzurichten.

Als Maßnahmen mit sehr hoher Priorität forderte die Arbeitsgruppe für Konsum, Ernährung und Landwirtschaft, es sollen

  • Landschaftspflegematerialien energetisch genutzt,
  • in der Gastronomie wöchentlich mindestens ein Tag mit vegetarischem Essen angeboten,
  • ein leer stehendes Gebäude als Markthaus für lokale Erzeuger genutzt,
  • Erzeuger-Verbraucher-Genossenschaften gebildet,
  • ein Bauernmarkt eingerichtet und
  • für Nürtinger Klimaschutzaktivitäten ein Logo entwickelt
    werden.

Die Verkehrsgruppe forderte

  • eine Stadt der kurzen Wege mit einem guten Grundversorgungsangebot in den Stadtquartieren und verdichteter Bebauung.
  • Für die Radfahrer- und Fußgängerstadt sollte ein „Fahrradschloss“ als eingezäunter abschließbarer Abstellbereich für Fahrräder an beiden Seiten des Bahnhofs eingerichtet,
    die Vorschläge des Radwegekonzeptes umgesetzt,
    überdachte Fahrradstellplätze angeboten,
    ein Fahrradstadtplan veröffentlicht
    und Bikesharing und Fahrradvermietung angeboten
    werden.
  • Um den Verbund von ÖPNV, Radfahrern, Fußgängern und Carsharing zu stärken sollte
    Carsharing in der ganzen Stadt angeboten,
    als Erschließungsmaßnahme bei Baugebieten die Beteiligung an einem Gemeinschaftsauto festgelegt,
    eine Analyse von Bedarf und Angebot durchgeführt,
    der Nahverkehrsplan angebotsorientiert aufgestellt,
    Busgrößen an die Nachfrage angepasst,
    Kombitickets bei Veranstaltungen angeboten,
    positivere Ampelschaltungen für Fußgänger und Radfahrer eingerichtet und
    ein besseres ÖPNV-Angebot geschaffen
    werden.
  • Um den motorisierten Verkehr zu reduzieren sollte
    die Nutzung des Pendlernetzwerk stärker propagiert werden,
    Park+Ride-Plätze am Stadtrand eingerichtet und
    Tempolimits festgesetzt werden.

Für die Entwicklung dezentraler Energiesysteme forderte die Arbeitsgruppe "Verminderung des Energiebedarfs",

  • das Klimaschutzkonzept als Grundlage für das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) zu betrachten.
  • Außerdem sollten vorrangig verbreitete Stromheizungen in Neckarhausen und Zizishausen ersetzt werden,
  • eine Windkraftanlage mit Bürgerbeteiligung in Nürtingen oder anderswo errichtet werden und
  • das Rossdorf als Pilotstadtteil vollständig mit regenerativer Energie versorgt werden.
  • Für die Entwicklung einer dezentralen Nahwärmeversorgung sollte der Wärmebedarf erkundet werden, um festlegen zu können, wo Nahwärmeinseln entwickelt werden können. Ein potenziell geeigneter Bereich wurde im Umfeld der Stadtentwicklungsbereiche rechts und links der Bahnlinie gesehen.

Die Ergebnisse der Klimawerkstatt werden dokumentiert und der KEA übergeben, die das Klimaschutzkonzept der Stadt Nürtingen erstellt, so dass die Bürgervorschläge direkt in das Konzept einfließen können. Außerdem werden die Maßnahmenvorschläge der Klimawerkstatt auch dem ISEK-Projekt übermittelt.


 


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