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  Kommunalpolitik
 
Klammer Klimaschutz - 31.10.2013
Phantasielose Vorschläge

  (th)

In der ersten Gemeinderatssitzung nach der Sommerpause stellte Dr. Volker Kienzle, Leiter der beauftragten Klimaschutz- und Energieagentur Baden Württemberg (KEA) erste Ergebnisse des Nürtinger Klimaschutzkonzeptes vor. Er erläuterte, dass zur Zeit die Emissionen des klimaschädigenden Kohlendioxids (CO2) in Nürtingen niedriger seien, als im Bundesdurchschnitt, da hier weniger Schwerindustrie ansässig ist. Daher sei es aber auch schwieriger, die CO2-Emissionen zu senken. Außerdem bezeichnete er das Potenzial der Energieerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen, wie Wasser, Wind, Sonnenstrahlung und Biomasse, in Nürtingen als gering. Umso wichtiger sei das Ziel, den Energiebedarf um 50 % zu senken. Einen großen Beitrag könnte dazu die Wärmesanierung von Gebäuden leisten. Als konkrete Maßnahmen in diesem Bereich nannte er vor allem die Beratungsangebote der Energieagentur des Landkreises und die Möglichkeit einer Förderung von Energieverbrauchsanalysen durch die Stadt. Außerdem sollten mehr Gebäude mit Nahwärme versorgt werden, wodurch der Aufwand für die Energieerzeugung sinkt. Bis zum Jahr 2050 hält er es für möglich, Ein Drittel des jährlichen Strombedarfs von 140 – 180 GWh in Blockheizkraftwerken zu erzeugen und zwei Drittel des Bedarfs aus erneuerbaren Energiequellen, vor allem Fotovoltaikanlagen, zwei bis drei Windkraftanlagen und der geplanten Biogasanlage zur Vergärung von Speiseresten zu decken. Für die Weiterentwicklung der Nahwärmeversorgung sollte ein Wärmeatlas erarbeitet werden und für die Öffentlichkeitsarbeit könnte ein durch Bundesmittel geförderter Klimaschutzmanager eingestellt werden. Weitere Maßnahmenvorschläge sollen sich auf die energetische Optimierung von städtischen Gebäuden beziehen.

In der anschließenden Debatte bezeichnete Helmut Püschel von der Nürtinger Liste / Grüne (NL/G) die Beschäftigung eines Klimaschutzmanagers als wichtig. Erhard Baier (CDU) fragte nach der effizientesten Maßnahme für den Klimaschutz in Nürtingen, worauf Volker Kienzle einerseits den Ausbau von Wärmenetzen mit Anlagen zur Kraftwärmekopplung nannte, den die Stadt durch eigenes Engagement vorantreiben könnte. Andererseits wäre die energetische Sanierung von Gebäuden, die vor der ersten Wärmeschutzverordnung gebaut wurden, sehr wirksam, worauf die Stadt aber wenig Einfluss habe. Hans-Wolfgang Wetzel (SPD) erkundigte sich, welche Bedeutung Elektroautos für den Klimaschutz haben. Volker Kienzle verwies darauf, dass die Nutzung von Fahrrad, öffentlichen Verkehrsmitteln und E-Bikes wesentlich sinnvoller sei. Daraufhin wollte Peter Rauscher (NL/G) wissen, wie man auf die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln Einfluss nehmen könnte. „Da bin ich kein Experte“ gestand der Leiter der KEA. Die Chancen für den Bau einer Windkraftanlage, nach denen Dieter Braunmüller (NL/G) fragte, hängen davon ab, ob die kritische Haltung der Genehmigungsbehörde bezüglich Artenschutz und Flugsicherung überwunden werden könnte. „Welche Bedeutung hat Wasserstoff als Speichermedium für elektrische Energie?“ erkundigte sich Klaus Fischer. Volker Kienzle erläuterte, dass Wasserstoff zwar ein guter Speicher sei, der auch langfristig wirksam sei, aber bei der Umwandlung über 60 % der Energie verloren geht. Demgegenüber seien Pumpspeicherkraftwerke effizienter, allerdings eher für die kurzfristige Speicherung nutzbar. Die Verfügbarkeit von Erdöl, nach der Regine Glück fragte, ist laut Volker Kienzle kein Problem – es wird nur immer teurer und aufwändiger es zu fördern. Aber Erdöl sei als Rohstoff zu wertvoll, um es als Brennstoff zu verwenden und damit das Klima weiter zu schädigen. Hildegard Biermann-Mannsfeld (NL/G) sprach die Bedeutung des Fleischkonsums für das Klima an und erkundigte sich nach Möglichkeiten, darauf Einfluss zu nehmen. Volker Kienzle verwies auf den Endbericht zum Klimaschutzkonzept, erklärte aber auf Nachfrage von Klaus-Konrad Huber (CDU), der wohl eine andere Antwort erhofft hatte, dass die Produktion von Fleisch ein Vielfaches des CO2-Ausstoßes der Produktion von Getreide, Obst oder Gemüse verursache.

Kommentar

Nürtingen ist Mitglied im Klimabündnis und hatte ehrgeizige Ziele für den Klimaschutz formuliert. Nun, da es gilt, ein Maßnahmenkonzept zu formulieren, mit dem die Ziele erreicht werden könnten, agiert die beauftragte Klimaschutzagentur Baden-Württemberg mut- und phantasielos. Wenn aus der Erkenntnis, dass der CO2-Ausstoß der Stadt niedriger liegt, als der Bundesdurchschnitt, der Schluss gezogen wird, dass es daher schwieriger sei, das Reduktionsziel zu erreichen, erscheint dies nicht leicht nachvollziehbar. Wenn angesichts des großen Beitrags der Gebäudeheizungen zum CO2-Ausstoß nur auf die Beratungsmöglichkeiten der Energieagentur verwiesen wird, weil man keinen direkten Einfluss auf Modernisierungsentscheidungen der privaten Hausbesitzer hat, erscheint dies nicht besonders einfallsreich. Wenn die Stadt keine eigenen finanziellen Förderanreize geben will, könnte man doch zumindest anregen, dass bei den Stadtwerken Bürgerfonds aufgelegt werden, mit denen die Modernisierung von Altbauten in einem Contracting-Modell finanziert werden, während die Anteilseigner Zinsen aus den durch die Modernisierung eingesparten Heizkosten erhalten. Angesichts der niedrigen Zinsen für Spareinlagen könnte das ein interessantes Modell sein. Oder man könnte gemeinsame energetische Sanierungen von baugleichen Gebäuden der Nachkriegssiedlungen organisieren, wo durch gemeinsame Planung und Bestellung von Materialien die Kosten für jeden einzelnen Beteiligten gesenkt werden könnten. Stattdessen einen Wärmeatlas als nächste Aktivität vorzuschlagen, riecht arg nach anschlussakquisition für die KEA. Da sollte den Profis doch noch mehr einfallen.

(Thomas Hauptmann)


 


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