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  Kommunalpolitik
 
Überraschende Umfrageergebnisse? - 18.8.2005
Wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es heraus

 

(th) Das Ergebnis der Nürtinger Bürgerbefragung liegt vor und formuliert oft überraschende Ergebnisse. Meist überrascht der unbedarfte Umgang mit den Ergebnissen und manchmal waren auch die Ergebnisse bemerkenswert.
Die mangelnde Professionalität liegt natürlich darin begründet, dass die Umfrage nicht von Leuten, die sich damit auskennen, sondern von Menschen guten Willens aus der Verwaltung und dem Gemeinderat entworfen wurde und von der Stabsstelle für Bürgerengagement ausgewertet wurde nach dem Motto „wir können alles, wozu muss man studieren?“ Immerhin wurde die Befragung durch eine Diplomarbeit der Hochschule für Sozialwesen Esslingen begleitet, aber damit wird sie noch nicht wirklich professionell.
Wie nach dieser Einleitung zu erwarten wollen wir hier nicht die Ergebnisse referieren, sondern kritisch kommentieren und auf die Merkwürdigkeiten des Umfrageergebnisses eingehen.
Als erstes werden die statistischen Werte der Bürgerbefragung dargestellt. Da werden Alter, Geschlecht und Nationalität der UmfrageteilnehmerInnen zufriedenstellend mit den Nürtinger, baden-württembergischen und bundesdeutschen Verhältnissen verglichen. Die Repräsentativität wird aber nicht beim Anteil der Bewohner der verschiedenen Stadtteile und Wohngebiete überprüft. Hier können wir aber nach unseren eigenen Recherchen Entwarnung geben: die Verteilung der TeilnehmerInnen auf die Stadtteile entspricht genau der Verteilung der Einwohner. Die Frage nach Zahl und Alter der Kinder wird überhaupt nicht ausgewertet.
Die Bewertung der Identifikation mit der Stadt überrascht mit der banalen Erkenntnis, dass die Identifikation umso höher ist, je länger die Befragten in Nürtingen wohnen, wobei sich fragt, was Ursache und was Wirkung ist. Die Auswertung ist überrascht, dass die Identifikation in der Innenstadt mit 56 % niedriger ist, als in den Stadtteilen mit 60 %. Dabei wird nicht beachtet, dass auch die Wohngebiete Braike, Roßdorf, Säer, Kirchheimer Vorstadt, Rieth, Enzenhardt, Lerchenberg, Kleintischardt, Steinenberg und Galgenberg zu den Stadtteilen zählen und in der verbleibenden Innenstadt der Anteil an Studierenden und ausländischen Mitbürgern die geringere Identifikation vielleicht ganz einfach erklären kann.
Die Lebensqualität in Nürtingen wird für die meisten durch die landschaftliche Lage bestimmt, nur für ein Drittel ist es die Möglichkeit mit dem Auto überall hinzukommen. An sich wenig überraschend ist, dass für nur gut ein Viertel die Lebensqualität mit dem Arbeitsplatz in Nürtingen zusammenhängt, da nur 25 % der Befragten in Nürtingen arbeiten.
Wenig überraschend ist auch, dass die Absicht, in Zukunft in Nürtingen zu leben bei den Eigenheimbesitzern besonders hoch und bei den Mitgliedern von Wohngemeinschaften (oft Studierende auf der Durchreise) besonders gering ist und dass die Abneigung noch mal den Wohnort zu wechseln mit zunehmendem Alter steigt.
Der Hälfte der Befragten fehlt in Nürtingen Einkaufsmöglichkeiten für Bekleidung, was in etwa dem Anteil der Befragten entspricht, die ihre Kleidungsstücke außerhalb Nürtingens erwerben. Entgegen verschiedenen Einzelhandelsgutachten vermissen nur 1 % der Befragten ein Möbelgeschäft in Nürtingen.
Informationen über Nürtingen beziehen bereits 6 % der Antwortenden aus dem Internet und wir hoffen, dass die Nürtinger Stattzeitung daran einen hohen Anteil hat.
Die größten Probleme sehen 58 % im Verkehrsbereich In der zweiten Reihe stehen die Themen Arbeit (14 %), Ladenschluss (12 %), Kinder- und Jugendpolitik (12 %), Freizeit, Kultur und Sport (11 %) sowie Wirtschaft (10 %). Bei den nur vereinzelt genannten Themen spiegelt das Stichwort Obdachlose/Bettler vermutlich das verstärkte Auftreten von Bettlern in der Innenstadt in diesem Jahr wider.
Erschreckend ist, dass in dem Arbeitsamtsbezirk, der oft mit höchsten Beschäftigungsquote in den Statistiken glänzte knapp ein Viertel der Arbeitnehmer unter den Befragten (12 % / 53 %) ihren Arbeitsplatz als gefährdet betrachten.

Kultur nicht so wichtig
Die gut 200 Antworten auf die Frage, was erforderlich wäre, um nicht nur den Zweit-, sondern auch den Erstwohnsitz nach Nürtingen zu verlegen scheint die oft beschworene Bedeutung der weichen Standortfaktoren zu widerlegen: an der Spitze stehen mit 19 % die Arbeitsmöglichkeiten, das Schlusslicht bildet die Forderung nach mehr Kultur mit 3 %.
Auch die Frage nach den Einspar- und den Verzichtmöglichkeiten können die Kulturschaffenden frösteln lassen. Immerhin 9 % würden bei Kunst und Kultur sparen, die damit in der zweiten Reihe stehen, während Bauvorhaben mit 21 % die Spitzenposition einnehmen. Am ehesten verzichten könnten die Befragten auf Kunst und Kultur (13 %). Zu den 15 überflüssigsten Angeboten zählen außerdem Veranstaltungen (12 %), Stadtfest (5 %), Bücherei (3 %), Jazztage (2 %) und Musiknacht (1 %). (siehe Abbildung)

Das Interesse der Befragung an der Umwelt entspricht nur in geringem Maße dem Interesse der Befragten, von denen nur  2 % das Thema zu den drei größten Problemen in Nürtingen zählen.
Der Zuspruch für die Sperrung der Kirchstraße während des samstäglichen Wochenmarktes ist mit 17 % nicht besonders hoch, während 1340 (78 %) der Befragten eine Stunde Freiparken in den Parkhäusern befürwortet., obwohl nur 1092 mit dem Auto in die Innenstadt kommen.
Die Erkundung des Bedarfs an Betreuung für Kinder im Alter von 0 bis 3 Jahren scheint nur auf geringes Interesse zu stoßen (240 = 14 %). Wenn man bedenkt, dass nur 49 % der Befragten mit Kindern zusammen leben, dann bekunden über 25 % der Familien Interesse an einer Betreuung für Kinder vor dem Kindergartenalter, was möglicherweise alle Familien mit Kindern in dem entsprechendem Alter sind.
Beim Bekanntheitsgrad der Angebote für junge Familien rangiert die KinderKulturWerkstatt mit 8 % direkt hinter dem Haus der Familie mit 25 %.
Besonders familienfreundlich kommt Nürtingen in der Befragung nicht weg. Gerade Familien mit Kindern bis 6 Jahren sehen hier deutliche Defizite. Mehr Unterstützung wünschen sie sich bei der Kinderbetreuung, was einen Bedarf an Krippenplätzen oder einen qualitativen Bedarf offenbart, da in Nürtingen der quantitative Bedarf an Kindergartenplätzen ja gedeckt ist.
Besonders merkwürdig sind die Ergebnisse der Fragen nach der Bürgerbeteiligung. Zwar ist es für 76 % der Befragten wichtig an Entscheidungsprozessen beteiligt zu werden, aber nur 60 % haben sich bisher an Planungsprozessen beteiligt. Erstaunlicherweise kennen nur 52 % der Befragten die Bürgerbefragung als Möglichkeit der Beteiligung und – noch überraschender – nur 25 % haben sich daran beteiligt (Woher kommen dann die anderen Antworten?).
Die Frage nach dem Interesse an Vereinsaktivitäten zeigt, dass sowohl im sozialen Bereich wie auch im Bereich des Umwelt- und Naturschutz das Potenzial unter den Befragten noch nicht ausgeschöpft ist, da das Interesse weit höher ist, als das Engagement.
Am Schluss werden noch mal Mängel im Abgleich der Antworten deutlich, wenn bei der Frage nach der Nutzung verschiedener Kulturangebote in einigen Altersgruppen der Nutzungs- über dem Bekanntheitsgrad liegt, ohne dass das bei der Auswertung berücksichtigt wird.


 


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